Vage Hoffnung bei SHW HPCT

Gießerei Stilllegung des Königsbronner Werks ist beschlossen, dennoch lotet das Unternehmen One Square Advisors Zukunftsperspektiven aus.
  • Ein Bild aus besseren Zeiten: Der Abguss Papierkalanderwalze bei SHW in Königsbronn. Mittlerweile scheint die Schließung des Werks fast unausweichlich. Foto: sk

Königsbronn

Während bei der Gießerei SHW CT in Wasseralfingen der Betrieb endgültig stillgelegt wurde und nur noch Aufräumarbeiten laufen, hoffen die Kollegen der SHW HPCT in Königsbronn noch immer auf eine Wende. Ein Münchner Restrukturierungsunternehmen lotet derzeit Möglichkeiten aus, den Betrieb mit einer deutlich verkleinerten Mannschaft fortzuführen.

Die Gießerei, die auf das Jahr 1365 zurückgeht, hatte zuletzt 162 Beschäftigte. Nach Besitzerwechseln und mehreren Insolvenzen innerhalb weniger Jahre verkündeten die Verantwortlichen im Ferbruar dieses Jahres das Aus für den Betrieb. Der größte Teil der Mitarbeiter wurde freigestellt.

Letzte Hoffnungen ruhen nun auf der Münchner Restrukturierungsgesellschaft One Square Advisors, die unter anderem auf Betreiben des Betriebsrats tätig wurde. Das Unternehmen berät sowohl Firmen als auch Gläubiger und Insolvenzverwalter und tritt teilweise selbst als operativer Geschäftsführer oder Investor auf. Im Falle von SHW HPCT erstellen die Münchner Finanzberater derzeit einen Businessplan und treten an die bisherigen SHW-Kunden als mögliche Investoren heran. Insolvenzverwalter Martin Mucha bestätigte auf Anfrage, dass Gespräche mit One Square Advisors laufen. Diese stünden allerdings noch am Anfang.

Die Zeit arbeitet gegen uns.

Fred Behr
Betriebsrat

Nur noch 85 bis 90 Beschäftigte wären nötig

Tätig war One Square Advisors in der Region laut Zeitungsberichten bereits beim Feuerwehrgerätehersteller Ziegler und bei German Pellets. SHW-Betriebsrat Fred Behr setzt Hoffnungen in das Engagement: Die Berater hätten sich zur Verfügung gestellt, alle Möglichkeiten auszuloten und erhielten nur im Erfolgsfall eine Vergütung. Laut Behr führt für SHW HPCT kein Weg daran vorbei, sich auf das Produzieren von Walzen konzentriern. Das Königsbronner Werk gehörte zu den wenigen Gießereien, die gefragte Walzen für die Papierherstellung produzierten. Diese Konzentration auf das Kerngeschäft würde allerdings deutlich weniger Mitarbeiter als bisher bedeuten. Behr rechnet mit 85 bis 90 Beschäftigten. Als mögliche Investoren stehen die bisherigen Kunden, also die Hersteller von Papiermaschinen, im Fokus. Große Produzenten in diesem Bereich sind Voith in Heidenheim, Andritz aus Österreich und Valmet aus Finnland. Gespräche mit Kunden hatte vorher allerdings schon SHW HPCT selbst geführt – ohne Ergebnis. „Die Kunden müssen dahinterstehen“, betont Behr, sonst sei jegliche Bemühung umsonst. Er räumt ein: „Die Zeit arbeitet gegen uns, das muss in den kommenden zwei Wochen über die Bühne gehen, sonst wird es eng.“ Vor allem deshalb, weil es dann immer schwieriger werde, qualifizierte Mitarbeiter zurückzugewinnen.

Für Behr ist die Gießerei in Königsbronn keineswegs ein typischer Sanierungsfall: „Wir haben durchaus schwarze Zahlen geschrieben.“ Vielmehr habe eine Reihe von Investoren das Unternehmen ausgenommen. Zuletzt sei sogar das „Tafelsilber“ – die Maschinen – verkauft worden.

© Wirtschaft Regional 05.04.2019 18:36
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