Mieten: Wahnsinn bald zu Ende?

Lücke zwischen benötigten und fertiggestellten Wohnungen schließt sich allmählich.
  • In großen Städten – wie hier in Berlin-Kreuzberg – wurden in den vergangenen Jahren viele Mietwohnungen gebaut. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Der „Mietenwahnsinn“ in den großen Städten könnte einer neuen Studie zufolge in wenigen Jahren zu Ende gehen. Die Lücke zwischen Wohnungsnachfrage und -angebot schließe sich zusehends, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Analyse des Empirica-Instituts aus Berlin. „Bauwirtschaft und Bauämter haben in den letzten Jahren eine Herkulesaufgabe bewältigt“, sagte Institutschef Reiner Braun.

Lag die Lücke zwischen den benötigten und den fertiggestellten Wohnungen im Schnitt der letzten vier Jahre bei 179 000 jährlich, so wird sie laut der Studie in den kommenden vier Jahren nur noch bei 50 000 jährlich liegen. In den sieben größten deutschen Städten – Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München, Stuttgart – entstanden demnach zwischen 2015 und 2018 im Schnitt 25 000 Wohnungen – 51 000 weniger als benötigt. Zwischen 2019 und 2022 sollen dort im Schnitt 41 000 Wohnungen im Jahr fertig werden, das wären nur noch 7000 weniger als nötig.

„Sobald auch die verbleibende Fertigstellungslücke geschlossen sein wird, dürfte der Mietanstieg in den betroffenen Städten und Regionen zum Erliegen kommen“, schreibt Braun. Für eine Mäßigung des „Mietenwahnsinns“ sprächen mehrere Faktoren: Die Baugenehmigungen hätten ein Rekordhoch erreicht, das weit über den aktuellen Fertigstellungen liegt und in naher Zukunft weitgehend realisiert werden dürfte.

Zudem wachse die Nachfrage in den Schwarmstädten mittlerweile mit geringerem Tempo, heißt es in der Empirica-Analyse. Die Zuwanderung sei gesunken, und mittlerweile „flüchten Familien sowie Geringverdiener ins Umland“. Schließlich dämpfe die abkühlende Konjunktur auch die Wanderungsbewegungen.

Um die Mietpreise zum Fallen zu bringen, müsste es ein Überangebot an Wohnungen geben. Dies sei „zumindest in den Schwarmstädten kein unrealistisches Szenario für die nahe Zukunft“, erläuterte Braun. dpa
© Südwest Presse 02.04.2019 07:47
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