Kommentar Helmut Schneider zur Zwischenbilanz der Bildungszeit

Nur ein Papiertiger

  • Helmut Schneider Foto: Foto
Bis zu fünf Tage pro Jahr bezahlte Weiterbildung – auch für ehrenamtliche und politische Zwecke. Das baden-württembergische Bildungszeitgesetz macht es möglich. Schon damals lieferte es reichlich Konfliktstoff zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Die Gewerkschaften sind selber Anbieter von Weiterbildung. Dass sie ihre Kurse voll bekommen wollen, ist klar. Sofern es um Inhalte geht, die wenigstens entfernt mit dem beruflichen Alltag zu tun haben, macht das Ganze auch Sinn.

Sollen Firmen aber ihren Beschäftigten auch Töpfer- oder Yogakurse bezahlen? Oder dafür, dass sie ihre politische Allgemeinbildung aufbessern? Wohl kaum. Wenn die Arbeitgeber sich dagegen wehren, haben sie Recht. Derlei durchaus wünschenswerte Fortbildung ist private oder staatliche Sache.

Ehrenamtliche Weiterbildung, etwa zur Freiwilligen Feuerwehr oder anderen wichtigen Einrichtungen, werden auch kleine Handwerksbetriebe ihren Mitarbeitern nicht versagen. Dazu brauchte es kein Gesetz und keinen ärgerlichen bürokratischen Aufwand.

Die Zwischenbilanz fällt deshalb aus wie erwartet. Die Nachfrage nach der Bildungszeit ist gering. Das Ganze ist nur ein Papiertiger.
© Südwest Presse 15.03.2019 07:45
240 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?