Auto

Ein wenig Fett angesetzt

Die VW-Tochter hat ihre Ziele verpasst. Nun sollen Stellen abgebaut, Modellvarianten ausgedünnt werden. Doch der Weg zurück zum Erfolg ist lang.
  • Audi will sich mit klaren Zuständigkeiten stärker auf China konzentrieren. Foto: Foshan Audi in China Foshan Bild-Nr: A192895 Copyright: AUDI AG Rechte: Verwendung für Pressezwecke honorarfrei AUDI AG
  • Bram Schot will Audi tiefgreifend ändern. Foto: Audi AG
Werbung kann so langweilig sein. Ist sie einmal interessant, bleibt sie aber manchmal jahrzehntelang im Gedächtnis hängen. Etwa die mit Audis Quattro, der 1986 die finnische Skischanze Kaipola mit 77 Prozent Steigung hochfuhr und damit Werbegeschichte schrieb. Jetzt wollte es Audi erneut wissen und wählte die Ski-Rennstrecke Streif in Kitzbühl. Die 85 Prozent Steigung musste – ja, was wohl? – ein Elektro-Auto des Konzerns meistern. Dies schaffte es natürlich genauso wie sein Verbrenner-Vorfahre 33 Jahre zuvor.

Audi will damit wohl sagen: in der Vergangenheit liegt die Zukunft. Mit „Vorsprung durch Technik“ schuf sich Audi einen exzellenten Ruf – der aber in den vergangenen Jahren von der Diesel-Krise ramponiert wurde. Vertrauen zurückzugewinnen, ist entsprechend eine wichtige Aufgabe des Unternehmens, sagte Produktionsvorstand Peter Kössler bei der Bilanzvorstellung. Auch den Mitarbeitern müsste die Verunsicherung genommen werden. Sie sollten keine Angst haben, Status quo in Frage zu stellen und mutig Ziele zu verfolgen.

Die Verhaftung von Ex-Audi-Chef Rupert Stadler im vergangenen Jahr sei ein „Riesenschock“ gewesen, erinnert sich sein Nachfolger Bram Schot. Im Unternehmen seien aber Strukturen verändert und Institutionen installiert worden, dass es so etwas „nie wieder geben wird, nie wieder“.

Doch Verunsicherung bleibt: Nach einem Bericht des „Handelsblatts“ könnten in den kommenden fünf Jahren bis zu 15 Prozent der Stellen abgebaut werden. Für die 61 000 Audi-Beschäftigten im Stammwerk Ingolstadt und im württembergischen Neckarsulm gilt noch bis 2025 ein Kündigungsschutz. Offene Stellen werden aber nicht nachbesetzt und bestehende durch Altersteilzeitregelung reduziert.

Audi ist im Umbruch: Stellenabbau, Sparprogramm und Elektroautos müssen die Ingolstädter wieder nach vorne bringen, ist Schot überzeugt: „So können wir nicht weitermachen.“ Das Unternehmen habe hie rund da ein wenig Fett angesetzt. Die VW-Eigentümerfamilie Porsche hatte vergangene Woche eine höhere Profitabilität von Audi gefordert.

Im vergangenen Jahr machte der VW-Tochter die Diesel-Krise zu schaffen, die 1,2 Mrd. EUR kostete. Der „Stresstest“ WLTP – die Umstellung auf den neuen Abgasmessstandard – sei nicht bestanden worden, sagte der Niederländer Schot. Dadurch konnten manche Schichten nicht arbeiten und über Wochen einzelne Modelle nicht verkauft werden. Mit einem Rückgang von 3,5 Prozent auf nur noch 1,8 Mio. verkaufter Autos fiel Audi weit hinter BMW und Mercedes zurück. Der Umsatz sank leicht auf 59,2 Mrd. EUR, der Betriebsgewinn brach um 24 Prozent auf 3,53 Mrd. EUR ein. „Wir können mit der Performance nicht zufrieden sein“, sagte Schot. „Wir haben unsere selbstgesteckten Ziele nicht erreicht, die alle, mich auch, enttäuscht haben.“ Bis 2022 sollen deshalb 15 Mrd. EUR gespart werden, unter anderem um die hohen Investitionen in die Elektromobilität zu stemmen. Das Portfolio wird entschlackt, jede dritte Motor-Getriebe-Variante ist bereits gestrichen.

China ist für Audi nach wie vor der wichtigste Absatzmarkt. Dort ist die Marke mit den vier Ringen nach wie vor Marktführer im Premiumsegment. Der Absatz soll von 660 000 bis zum Jahr 2022 auf eine Million Autos steigen. Auf die Frage, ob die Konzentration auf das Land möglicherweise einen eigenen China-Vorstand mit sich bringe, antwortete der Vorstandsvorsitzende ausweichend.

2019 ist für Schot ein „Jahr des Übergangs“, in dem Audi seine Ziele ebenfalls nicht erreichen werden. Produktion und Umsatz sollen nur leicht steigen. In den ersten beiden Monaten wurden im Vergleich zum Vorjahreszeitraum weniger Autos verkauft. BMW und Mercedes können derzeit Hybride liefern – Audi nicht.

Von 2023 an will das Unternehmen 12, von 2025 an rund 30 Hybrid- und vollelektrische Autos anbieten. Der erste vollelektrische Audi, der große SUV e-tron aus dem Werk in Brüssel, kommt soeben in den Handel und werde extrem positiv aufgenommen, sagte Schot. Die Kunden stiegen schneller auf Elektroautos um als erwartet. Die große Welle komme jedoch erst in drei, vier Jahren, dann werde Audi „die Früchte ernten.“

Derzeit wird im Unternehmen die Zukunft der Verbrenner-Modelle wie TT und R8 diskutiert. Den Q4 gibt es nur elektrisch. Schot: „Wir schauen, was an Verbrennern noch nötig ist.“
© Südwest Presse 15.03.2019 07:45
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