Strategien gegen den Nerv-Faktor

Ostwürttemberger Impulse Unternehmensberater Thorsten Jekel empfiehlt im Gutenberg-Casino Software, die das Leben leichter macht und rät zum vernünftigen Umgang mit digitalen Werkzeugen.
  • Thorsten Jekel trägt an jedem Handgelenk eine Uhr, eine analoge und eine digitale. Digital ist besser – aber nicht immer. Foto: Oliver Giers

Aalen

Erst das Hirn einschalten – dann die Technik: Das ist Thorsten Jekels Tipp an Manager für den Umgang mit digitalen Werkzeugen. Der „Digital-Working-Experte“ gab im Rahmen der Ostwürttemberger Impulse von Schwäbischer Post, Gmünder Tagespost und Kreissparkasse Ostalb Praxisempfehlungen für Software, die das Leben leichter macht und warnte vor Zeitfressern und unnötigen Routinen.

„Fragen Sie sich bei digitalen Werkzeugen immer: Ist der Nutzen größer als der Nerv-Faktor?“, empfahl Jekel im Aalener Gutenberg-Casino von SDZ-Medien. Techniken wie der Messenger-Dienst WhatsApp sollten mit Bedacht verwendet werden: Zu groß sei die Gefahr, in Gruppenchats mit Überflüssigem und Irrelevanten zugemüllt zu werden. In machen Fällen könne WhatsApp aber durchaus helfen, Geschäft zu generieren. Jekel nannte als gelungenes Beispiel eine Apotheke, die ihren Kunden anbietet, Medikamente über den Messengerdiest zu bestellen. Facebook, Youtube, Snapchat und andere Netzwerke können Unternehmen zu Sichtbarkeit und Sympathie bei den Kundenverhelfen – wenn sie richtig und im passenden Fall eingesetzt werden, so die Ansicht von Jekel, der von seinen Karriereanfängen 1988 als Vertriebler bei Nixdorf berichtete: „Ich habe sowohl den Umgang mit IT als auch das Verkaufen gelernt“, unterstrich der wortgewandte Experte, der auch schon Tchibo ein Kundenmanagement-System entwickelt und Coca Cola bei IT-Projekten begleitet hat.

„Nutzen Sie Technik einfach“, appellierte Thorsten Jekel an die Zuhörer: Dinge, die vorher aufwendig waren und nur bei großen Konzernen oder „bei ARD und ZDF“ gingen, könne heute jedermann selbst mit dem Smartphone bewerkstelligen: Voraussetzung sei, die Möglichkeiten des Geräts auch einzusetzen – und die Digital Watch nicht nur dazu zu verwenden, die Zeit abzulesen.

Software-Tipps für Reiseplanung und Projektmanagement

Tatsächlich präsentierte Jekel den Zuhörern an seinem einen Handgelenk eine Smart Watch, am anderen eine analoge Uhr. „Ich bin der Bekloppte mit den zwei Uhren, ich mag die analoge und die digitale Welt“, erklärte er. Anmoderationen zu seinen Vorträgen drucke er auf Papier aus, für Buchhaltung, Projektverwaltung und Reise-Management hingegen vertraue er auf Apps, die er dem Publikum vorführte.

Viele Führungskräfte sind überbezahlte Sachbearbeiter, die permanent zum Briefkasten rennen.

Thorsten Jekel
Digital-Working-Experte

Mithilfe einer Software lasse sich problemlos ein externer Assistent stundenweise buchen, der dann Aufgaben aus der Ferne übernimmt. Eine andere Anwendung mache es möglich, kleine Aufträge ins Ausland auszulagern: „Fotos, die freigestellt werden sollen, schicke ich nach Indien und dort wird es erledigt.“

Keine Angst vor Digitalisierung als Jobkiller

Ob die Digitalisierung Fluch oder Segen sei, liege aber immer am Nutzer selbst, so Jekel, der betonte: „Wer in der analogen Welt schlecht organisiert ist, ist in der digitalen Welt ganz schlecht organisiert.“ Er kritisierte den unorganisierten Umgang mit der E-Mail-Flut. Viele ließen sich von Benachrichtigungen und Hinweistöne sofort von wichtigen Aufgaben ablenken. „Würden Sie mit Ihrem analogen Briefkasten auch so umgehen?“, fragte Jekel provokant. „Viele Führungskräfte sind überbezahlte Sachbearbeiter, die permanent zum Briefkasten rennen.“ Er riet zum strukturierten Umgang mit Mails und zur Synchronisierung der Konten auf allen Geräten.

Auch die weitverbreitete Angst vor der Digitalisierung als einem Jobkiller sprach Jekel an. Es gelte, aktuelle Studien in diesem Bereich richtig zu interpretieren. Beispiel Steuerberatung: Nicht der Steuerberater werde von digitaler Technik ersetzt, sondern ein Großteil der Tätigkeiten, die ein Berater heute macht.

Es gehe aber vielmehr darum, die digitalen Techniken zu nutzen, um mehr Zeit zu haben für höherwertige Tätigkeiten.

© Wirtschaft Regional 13.03.2019 15:16
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