Eberspächer streicht Stellen am Standort Gmünd

Autozulieferer Der Esslinger Konzern baut um. Das bekommt der Standort auf dem Gügling massiv zu spüren, ein Teil der 200 Arbeitsplätze fällt weg.
  • Eine der beiden Niederlassungen des Esslinger Eberspächer-Konzerns auf dem Gmünder Gügling. Das Unternehmen wird unter anderem die Entwicklung und den Prototypenbau verlagern. Foto: tom

Schwäbisch Gmünd

Am Montag hatte der Esslinger Eberspächer-Konzern bereits seine Mitarbeiter am Standort Schwäbisch Gmünd informiert, nun steht fest: Die Fabrik auf dem Gmünder Gügling steht vor einschneidenden Veränderungen, ein Teil der rund 200 Arbeitsplätze wird wegfallen. Wie viele, steht allerdings noch nicht fest, sagt Anja Kaufer, Pressesprecherin des Esslinger Unternehmens. „Für konkrete Zahlen ist es noch zu früh.“ Zuvor waren Gerüchten aufgekommen, Eberspächer werde 80 der 200 Stellen streichen oder an andere Standorte verlagern. Klar ist in jedem Fall bereits: „Ein Stellenabbau ist nicht zu vermieden“.

Eberspächer werde im Zuge der „gruppenweiten Unternehmensstrategie Kapazitäten in der Abgastechnik bündeln“, so die Sprecherin. Heißt: Großserien werden künftig an anderen Standorten gefertigt. In Gmünd verbleibt die Produktion von Klein- und Sonderserien. Zudem verliert Gmünd den Prototypenbau an den Standort im saarländischen Neukirchen. Zusätzlich werden die Bereiche Entwicklung und Vertrieb künftig am Stammsitz Esslingen zentral betrieben. Neben Abgastechnik für Nutzfahrzeuge und Pkw stellt das Unternehmen auch Fahrzeugheizungen und Bus-Klima-Systeme her.

„Die Details werden in den kommenden Wochen erarbeitet“, erklärt Kaufer. Dann sei auch absehbar, ob Eberspächer an beiden Standorten auf dem Gügling festhalten werde. Das Ziel sei, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten. Der bevorstehende Stellenabbau soll „sozialverträglich“ ablaufen. Eberspächer werde Freiwilligenprogramme aufsetzen, einigen Mitarbeitern sollen Vorruhestandsverträge angeboten werden. „Wir prüfen zudem Versetzungsmöglichkeiten zu anderen Standorten“, erläutert die Sprecherin. An der gewerblichen Ausbildung will Eberspächer festhalten. Als Grund für den Stellenabbau nennt Eberspächer die neue gruppenweite Unternehmensstrategie. Der Strukturwandel in der Autoindustrie – vom Verbrennungsmotor hin zum Elektroantrieb – sei kein Grund für die Umstrukturierungen. „Der Markt für Abgastechnologie wächst weltweit“, so Kaufer. Eberspächer will unter anderem von neuen, schärferen Emissionsrichtlinien profitieren, die in vielen asiatischen Märkten eingeführt werden sollen, etwa in China oder Indien. So hatten die Esslinger vor kurzem mit der indischen Sharda-Motors-Gruppe ein Unternehmen gegründet, um Abgastechnologie für den Markt auf dem Subkontinent zu entwickeln.

Ein Stellenabbau ist nicht zu vermeiden.

Anja Kaufer
Pressesprecherin Eberspächer

Derweil will Eberspächer nicht nur am Standort Gmünd sparen, auch im saarländischen Neunkirchen bauen die Esslinger Arbeitsplätze ab. Dort soll der Konzern in den vergangenen Jahren Defizite in Millionenhöhe erwirtschaftet haben, deshalb werden dort rund 200 der 930 Stellen gestrichen – ursprünglich drohte gar der Wegfall jedes zweiten Arbeitsplatzes. Einige Aufträge wandern an Niedriglohn-Standorte wie Rumänien.

Eberspächer beschäftigt mehr als 9500 Menschen an 80 Standorten und hatte im Geschäftsjahr 2017 einen Umsatz von 4,5 Milliarden Euro erwirtschaftet, 70 Prozent davon im Ausland. Das operative Ergebnis betrug 119 Millionen Euro, die Umsatzrendite nach Steuern lag bei vergleichsweise schmalen 1,2 Prozent.

© Wirtschaft Regional 12.03.2019 17:06
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