Hauk staunt über Mega-Holzbau

Unternehmensbesuch Bei Holzbau Schlosser entstehen die Teile für eine 113 Meter lange und 100 Meter breite Industriehalle aus Buchenholz – Landesminister Peter Hauk ließ sie sich zeigen.
  • Respekt zollte Minister Peter Hauk (Mitte) dem Jagstzeller Unternehmer Josef Schlosser (links), der eine riesige Industriehalle aus Laubholz baut. Foto: Bernhard Hampp
  • Bauteil für die Halle.

Jagstzell

Was Holz alles kann, hat Peter Hauk, Minister für ländlichen Raum, bei Holzbau Schlosser in Jagstzell bestaunt: Hier fertigen die Zimmerer derzeit zwölf Tonnen schwere Teile aus Buchenholz, aus denen im hohenlohischen Waldenburg eine gigantische Industriehalle entsteht. Hauk, der selbst Forstwirtschaft studiert hat, ließ sich die Verarbeitung erklären. Er kritisierte strenge Brandschutzvorschriften und diskutierte mit Unternehmer Josef Schlosser, wie sich mit Holzbau Klimaprobleme lösen lassen.

Minister Hauk brach eine Lanze für Holz als umweltverträglicher Baustoff, der schon in der Entstehung klimafreundlich sei und CO2 speichere: Nur Holz könne den gewaltigen Bauboom angesichts wachsender Weltbevölkerung nachhaltig bewältigen.

Baden-Württemberg sei Holzbauland Nummer eins: Jedes dritte Ein- und Zweifamilienhaus werde hierzulande in Holzbauweise errichtet. „Wir haben Bayern hinter uns gelassen“, freute sich Hauk, fügte aber an „Es gibt noch Nachholbedarf im Industriebau.“

Dass es auch dort vorangeht, zeigt die neue Halle des Schraubenwerks Gaisbach in Waldenburg, für die Schlosser die Teile fertigt: Sie wird 113 Meter lang, fast 100 Meter breit und zwölf Meter hoch – komplett aus Holz. Das Schraubenwerk gehört zur Würth-Gruppe und stellt Verbindungselemente für den Holzbau her. „Mit unserer eigenen Halle möchten wir zeigen, was mit Holzbau alles möglich ist“, verriet Alois Wimmer, der in Jagstzell eine lautige Rede hielt: „Warum bauen wir mit Holz?“, fragte er und antwortete gleich selbst: „Weil Holz einfach geil ist.“

Bei dieser Halle gibt es noch eine Besonderheit: Von den knapp 2000 Kubikmetern Holz, die verbaut werden, stammen fast 500 Kubikmeter von der Buche. Das ist deshalb besonders, weil zum Bauen traditionell Nadel- vor allem Fichtenholz, verwendet wird. Laubhölzer wie Buche sind für Feuchtigkeit anfälliger und müssen länger getrocknet werden, was die klassische Aufbereitung als Bauholz eigentlich unwirtschaftlich macht. Der Sägewerksbetrieb Pollmeier im thüringischen Creuzburg hat ein Furnierschichtholz namens Baubuche entwickelt, das durch seine Verarbeitung zum Bauen geeignet ist.

Warum bauen wir mit Holz? Weil Holz einfach geil ist.

Alois Wimmer
Schraubenwerk Gaisbach

Buchenholz ist härter und tragfähiger

Der Rohstoff aus regionalen Misch- und Laubwäldern hat viele Vorteile, wie Josef Schlosser ausführte. Buchenholz ist nicht nur doppelt so schwer, sondern auch härter und tragfähiger als Fichtenholz. Es kann damit schlanker und höher gebaut werden, rund ein Drittel weniger Material ist nötig. „Gleichzeitig müssen wir exakter arbeiten, passgenauer bohren, es muss teilweise gefräst statt gesägt werden, der Abbund muss großteils per Hand passieren“, räumte Schlosser ein.

Es lasse sich im Grund sogar noch mehr Material einsparen, „Derzeit rechnen wir noch einen 100-prozentigen Aufschlag ein“, so der Jagstzeller Unternehmer, der die Sicherheitsreserve unter anderem mit zahlreichen Bauvorschriften begründete. Minister Hauk pflichtete ihm bei und kritisierte zu hohe Auflagen, insbesondere beim Brandschutz in Holzgebäuden.

Holzbau Schlosser in Jagstzell beschäftigt rund 100 Mitarbeiter, darunter Zimmerer, Bauzeichner, Angestellte im Architekturbereich und Bürokaufleute. Josef Schlosser verwies beim Ortstermin auf eine Ausbildungsquote von 15 Prozent in seinem Betrieb und rief auch andere Holzbauunternehmen auf, mehr auszubilden. Der Branche gehe es schließlich gut: „Wir verzeichnen Zuwächse und volle Auftragsbücher.“

Der Betriebsbesichtigung schlossen sich eine Reihe Vorträge unter dem Motto „Cluster innovativ – Bauen mit Baubuche“ an. Veranstaltet wurde der Ortstermin von Pro Holz BW, der vom Land gegründeten Koordinierungsstelle für den Holzbau.

© Wirtschaft Regional 12.03.2019 13:06
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