SHW CT geht in die letzte Phase

Betriebsschließung In den Gießereien Wasseralfingen und Königsbronn werden nur noch letzte Arbeiten erledigt. Fragen um Immobilien, Altlasten und Museumsstücke treiben die Menschen um.
  • Im Februar ist in Wasseralfingen der letzte große Motorblock gegossen worden. Foto: jk

Aalen/Königsbronn

Bei SHW CT gehen die Lichter aus. Alle Rettungsversuche der insolventen Firmengruppe gelten als gescheitert. Sowohl die Gießerei in Wasseralfingen als auch das Werk in Königsbronn werden geschlossen, die Mitarbeiter müssen gehen. Dennoch sind einige Fragen offen.

Gibt es noch Zukunftsperspektiven für das Werk in Wasseralfingen?

Nach mehreren Hundert Jahren stellt die Gießerei in Wasseralfingen ihren Betrieb ein. Noch im Oktober hatte die Meldung, der Investor RMB würde nicht nur das SHW-Werk in Königsbronn, sondern auch das Wasseralfinger Werk aus der Insolvenz übernehmen, Hoffnung gemacht. Doch der Kauf erwies sich als Luftnummer. Den 150 Beschäftigten wurde gekündigt, viele von ihnen sind bereits anderweitig untergekommen. Marcus Katholing, Geschäftsführer im Auftrag des Insolvenzverwalters, teilt auf Anfrage mit: „Ende März wird es den letzten Guss in Wasseralfingen geben, anschließend arbeitet ein kleines Team noch an weiteren Bearbeitungsschritten. Der Betrieb wird dann voraussichtlich im Mai eingestellt.“

Was geschieht mit der Immobilie
in Wasseralfingen?

„Es gibt mehrere Interessenten für verschiedene Grundstücksareale, es gibt aber auch Interessenten, die prüfen, das gesamte Areal komplett zu kaufen“, erklärt Katholing und fährt fort: „Wir sind noch ganz am Anfang der Gespräche. Solche Verkäufe dauern erfahrungsgemäß länger. Ein Verkauf dürfte sich bis zum Jahresende oder sogar bis 2020 hinziehen.“ Zur naheliegenden Vermutung, die Nachbarn und früheren Schwester-Gesellschaften SHW AG und SHW WM könnten sich um Teile des Grundstücks bemühen, erteilt Katholing keine Auskunft.

Gibt es Altlasten auf dem Gelände?

Dass das Jahrhunderte alte Industrieareal belastet ist, gilt als sicher. In der Vergangenheit wurden etwa Reste von Teeröl im Boden gefunden und durch eine Betonwand zum Schutz des Grundwassers eingekesselt. Bei Fragen nach der Zuständigkeit für Altlasten spielt auch das Land Baden-Württemberg eine Rolle, das bis 2005 über seine Landesstiftung rund 50 Prozent am Unternehmen in Wasseralfingen besaß. Die andere Hälfte gehörte der Münchner MAN AG. Dokumentationen früherer Landtagssitzungen deuten darauf hin, dass das Land für die Entsorgung von - speziell sehr früh angefallenen - Altlasten in der Pflicht ist. Katholing hierzu: „Die rechtlichen Prüfungen zu etwaigen Altlasten sind noch nicht abgeschlossen. Für weitere Auskünfte ist es noch zu früh.“

Wie geht es weiter mit dem
Museum?

Im SHW-Museum Wasseralfingen erzählen Gussöfen, Ofenplatten und Figuren die Geschichte von Deutschlands ältestem Industrieunternehmen. Katholing: „Hierzu werden wir mit allen Beteiligten Gespräche führen. Für weitere Auskünfte ist es auch hier noch zu früh.“ Der Stadt sei auch „am Erhalt von industriehistorischem Kulturgut gelegen“, teilt Aalens OB Thilo Rentschler dazu mit. Auch in dieser Sache könnte das Land aufgrund seines früheren Miteigentums zuständig sein.

Wie ist die Lage bei SHW
in Königsbronn?

„Dramatisch“, sagt Königsbronns Bürgermeister Michael Stütz. In Königsbronn gehen die Hüttenwerke auf das Jahr 1365 zurück: „SHW war immer ein Aushängeschild für uns“, formuliert es der Schultes. Die SHW High Precision Casting Technology GmbH (SHW HPCT) hatte zuletzt 162 Mitarbeiter. Nach der jüngsten Insolvenz wird der Betrieb nun abgewickelt. 80 Prozent der Mitarbeiter wurden Anfang März freigestellt, einige bringen noch bestehende Aufträge zu Ende. Wurden in Wasseralfingen unter anderen Motorenblöcke gegossen, so stellte man in Königsbronn Walzen, etwa für die die Lebensmittel- und Beschichtungsindustrie her. Das hiesige Werk gehörte zu den wenigen Gießereien, die gefragte Walzen für die Papierherstellung produzierten. Wie Betriebsrat und IG Metall auf einer Demonstration bekanntgaben, sei noch in der letzten Februarwoche mit den bisherigen Kunden der SHW HPCT verhandelt worden, ob diese zu einem Einstieg bereit wären – vergeblich. Große Hersteller von Papiermaschinen sind Voith in Heidenheim, Andritz aus Österreich und Valmet aus Finnland.

Wie geht es mit den Mitarbeitern weiter?

Bürgermeister Stütz berichtet von schlimmen Fällen: Mitarbeiter Ende 50, die nun auf der Straße stünden. „Allgemein ist die Solidarität der umliegenden Firmen groß, was die Übernahme von Beschäftigten und Auszubildenden angeht“, sagt Stütz. Käme nun doch noch unverhofft ein Investor, so hätte dieser wiederum das Problem, Fachkräfte zu finden.

Laufen politische Gespräche?

Aalens OB Thilo Rentschler, Königsbronns Bürgermeister Michael Stütz sowie Marcus Katholing erscheinen zu einem Gesprächstermin im Stuttgarter Wirtschaftsministerium am 29. März in Sache SHW CT. Für Rentschler sollen unter anderem „die Verantwortlichkeiten geklärt werden, die aus der Zeit resultieren, als das Land Miteigentümer der SHW war“. Stütz, der sich bereits seit Anfang des Jahres um Unterstützung aus der Landespolitik bemüht, stellt die Frage: „Warum erst am 29. März?“

© Wirtschaft Regional 08.03.2019 21:17
1380 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?