„Wir können auch einmal stolz sein“

IHK-Jahresempfang Präsident Markus Maier ruft zu Zuversicht auf. Klima ist der Risikofaktor Nr. 1. Wirtschaft braucht Menschen, offene Grenzen und Toleranz in einer funktionierenden Welt.
  • Präsident Markus Maier plädierte beim IHK-Jahresempfang in Heidenheim für eine „Kultur der Zuversicht“. Foto: Peter Hageneder

Heidenheim

Wirtschaft braucht für eine prosperierende Entwicklung Menschen, offene Grenzen, Toleranz, Freiheit und eine gesunde Welt. Diese Kernbotschaften richtete beim IHK-Jahresempfang Präsident Markus Maier an die rund 400 Gäste. Prominentes Thema am Donnerstag war das Klima, der Risikofaktor Nr. 1. Für den erkrankten Prof. Dr. Mojib Latif sprang der Forscher Prof. Dr. Volker Wulfmeyer von der Universität Hohenheim als Festredner ein.

Essenziell für die Arbeit der IHK Ostwürttemberg, in die über 2.000 Menschen eingebunden sind, „ist der verlässliche Austausch mit der Politik, der Wissenschaft, Bildung und Verwaltung“, erklärte Markus Maier. Der IHK-Präsident widersprach dem Mainstream, der Deutschland und besonders das Klima in düsteren Farben male: „Wir können auf viel Erreichtes auch einmal stolz sein!“

Zum Beispiel: Die Arbeitslosenzahl ist so niedrig wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr, 45 Millionen Menschen, so viele wie noch nie, haben eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, Deutschland hat 2018 erneut weltweit den höchsten Leistungsbilanzüberschuss mit 294 Milliarden Dollar erzielt. Dazu habe Ostwürttemberg maßgeblich beigetragen. Markus Maier plädierte deshalb „für eine Kultur der Zuversicht, ohne die Probleme kleinzureden“. Seine Kernbotschaften.

Wirtschaft braucht Menschen

„Wir brauchen Menschen, so Maier, „die mit und für die Wirtschaft arbeiten, die hier leben, wohnen und konsumieren, die gut ausgebildet sind, die neue Aspekte einbringen und gerne auch von außerhalb Deutschlands oder Europas kommen“. Das Fachkräftezuwanderungsgesetz hätte deshalb „lockerer“ sein dürfen, besonders bezüglich der Vorrangprüfung von Azubis und der Engpassberufe. „Wir verzeichnen bei den Neueintragungen der Ausbildungsverhältnisse nach jahrelangen Rückgängen zum zweiten Mal in Folge wieder Steigerungen“, berichtete Maier, „unsere Unternehmen bilden auf hohem Niveau aus und die IHK bringt in vielen Projekten den jungen Menschen die duale Ausbildung nahe“. Das Berufsbildungsgesetz schaffe die Rahmenbedingungen für die Gleichwertigkeit der akademischen und beruflichen Bildung..

Wirtschaft braucht Toleranz

Unternehmertum in der Region ist ehrbar.

Markus Maier
IHK-Präsident

„Die IHK macht sich für Weltoffenheit und gegen Ausländerfeindlichkeit stark“, betonte Maier besonders, „denn für die exportorientierte Wirtschaft der Region (Exportanteil 55 Prozent) sind Weltoffenheit und Regionalität, Verbindungen und Verbundenheit selbstverständliche Bestandteile des täglichen Wirtschaftens. Unser Wohlstand und der unserer europäischen Partner wären ohne die europäische Einigung und den Wegfall nationaler Barrieren für Menschen, Waren, Finanzen und Dienstleistungen nicht auf diesem Niveau möglich“. Es sei deshalb wichtig, „dass sich die IHK-Organisation positioniert und den auf Arbeitsebene gelebten Zusammenhalt gegen Versuche verteidigt, die einen Keil in unsere immer vielfältigeren Belegschaften treiben könnte.“ Immerhin würden mittlerweile vier von zehn neuen Unternehmen deutschlandweit von Menschen mit Migrationshintergrund gegründet. Die Wirtschaft brauche Europa und Europa brauche die Unternehmen – Maier: Eine Rückkehr, und sei es nur bei einem einzigen Land, zu Zöllen, Grenzen und Kontrollen, der Wegfall der Freizügigkeit, kommt uns und unsere internationalen Geschäftspartner teuer zu stehen.“ Die Europawahlen seien wegweisend.

Wirtschaft braucht Chancen, sich zu entwickeln

Maier mahnte die Politik an, die im Koalitionsvertrag zugesagte steuerlichen Forschungsförderung endlich zu realisieren, um die Innovationskraft der Wirtschaft weiter zu stärken.“ Der Entwurf sei auf die erste Jahreshälfte 2019 zugesagt. Das Gesetz sei trotz der erfreulichen Momentaufnahme des Innovationsindex 2018 nötig. Demnach habe sich Ostwürttemberg wieder auf Rang 5 unter 12 Regionen in Baden-Württemberg hinter Stuttgart, Rhein-Neckar, Donau-Iller und Mittlerer Oberrhein verbessert. Zu den Parametern der wirtschaftlichen Weiterentwicklung gehören unverändert auch der Verkehr, die Infrastruktur und die Rahmenbedingungen. „Was die Schiene anbelangt, fühlen wir uns zunehmend vernachlässigt“, klagte Markus Maier..

Wirtschaft braucht eine funktionierende Welt

In eine funktionierende Welt gehöre ehrbares und nachhaltiges Unternehmertum, „und das ist in Ostwürttemberg gelebte betriebliche Praxis“, postulierte Maier. Zeitliches Hinauszögern sei eine untypisch Unternehmereigenschaft. Weil heute schon bekannt sei, was Wetterextreme und Naturkatastrophen volkswirtschaftlich kosten, „brauchen wir eine kluge Sachpolitik, die Energiepolitik hin zu einer emissionsfreien Erzeugung führen muss“, forderte Markus Maier. Dazu gehörten der Ausbau der Stromnetze und Stromspeicher sowie Aufklärung und Qualifizierung der Beschäftigten.

IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle stellte dem Hauptredner Volker Wulfmeyer anschließend Fragen, die von einer Schülergruppe formuliert worden waren. „Unser Wohlstand wird nur dann nicht gefährdet, wenn wir unter anderem den Klimaschutz ernst nehmen“, sagte Eberle.

© Wirtschaft Regional 07.03.2019 22:19
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