Das Klima braucht Hilfe

IHK-Jahresempfang Der Meteorologe und Physiker Volker Wulfmeyer mahnt Politik und Wirtschaft zur Eindämmung von Treibhausgasen.
  • Volker Wulfmeyer von der Universität Hohenheim zeigte beim IHK-Jahresempfang in Heidenheim Entstehung und Folgen des Klimawandels auf. Foto: Peter Hageneder

Heidenheim

Es ist noch nicht zu spät: Wenn wir es schaffen, die Treibhausgas-Emissionen einzudämmen, können wir die gefährlichen Folgen des Klimawandels eindämmen. So lautete die Botschaft von Prof. Dr. Volker Wulfmeyer, der am Donnerstag als Redner vor 400 Gästen beim IHK-Jahresempfang in Heidenheim auf dem Podium stand. Der Meteorologe von der Universität Hohenheim zeigte den Zusammenhang zwischen CO2-Ausstoß und Erderwärmung auf.

Wulfmeyer, der kurzfristig für den erkrankten Kieler Klimaforscher Mojib Latif eingesprungen war, hielt ein flammendes Plädoyer, das mit Anspielungen auf das Kino-Weltraumepos „Star Wars“ gespickt war. In vier „Episoden“ stellte er das „Imperium“ und die „Rebellen“ gegeneinander – die Leugner des Klimawandels einerseits und die Aktiven, die sich um Energiewandel und Schadstoffbegrenzung bemühen, andererseits.

Anhand vieler Mess- und Forschungsergebnisse demonstrierte Wulfmeyer, dass sich die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre – erzeugt vor allem durch Energie- und Wärmegewinnung, Straßenverkehr sowie Industrie und Bau – in den vergangenen Jahrzehnten fast verdoppelt hat. Gleichzeitig ist die Durchschnittstemperatur gestiegen. „Die extrem warmen Winter haben zugenommen“, berichtete der Forscher, der hinzufügte: „Dass der Klimawandel in Süddeutschland angekommen ist, wird im Ökosystem sichtbar.“ Exemplarisch für Aalen zeigte er auf, wie sich die Jahreszeiten-typische Vegetation in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat: Die Winter werden kürzer, der Frühling beginnt eher.

Würde nach dem Motto „Business as usual“ fortgefahren, so prognostizierte er eine Erwärmung des Erdklimas bis 2100 um weitere vier Grad. Die Folge wären Dürren: „Die Weltbevölkerung wird dann nicht mehr ernährt werden können.“ Nur Verzicht auf fossile Brennstoffe. ein Ende der Kohleverstromung und weitere Maßnahmen könnten diesen Prozess bremsen.

Schwankungen der Sonneneinstrahlung können den Temperaturanstieg nicht erklären, der Treibhauseffekt schon.

Prof. Dr. Volker Wulfmeyer
Meteorologe

Wulfmeyer mahnte deshalb ein sofortiges Umdenken hin zu aktiver Klimapolitik an: „Nicht die Energiewende kostet Geld und Arbeitsplätze, sondern das Verschlafen derselben“, sagte er.

Erkenntnisse zur Regenverbesserung

Prof. Dr. Volker Wulfmeyer ist Direktor des Instituts für Physik und Meteorologie an der Universität Stuttgart-Hohenheim. Seit 2011 ist er überdies der erste Vertreter seiner Universität in der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Seine Publikationen beschäftigten sich unter anderem mit dem Klimawandel. Unter seinen zahlreichen Auszeichnungen ist der Forschungspreis der Vereinigten Emirate für seine wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Regenverbesserung.

© Wirtschaft Regional 07.03.2019 22:15
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