Die AOK ist bereit zur Digitalisierung

Gesundheitswesen Landeschef Dr. Christopher Hermann sprach mit Mitarbeitern über „Die AOK im Jahr 2025“: Was sich im Krankenhauswesen, in der ärztlichen Versorgung und in der Pflege ändert.
  • Diskutierten in Schwäbisch Gmünd über die Zukunft der AOK (v.l.): Michael Swoboda, Maria Sivaridou (Geschäftsbereichsleiterin Markt), Dr. Christopher Hermann und Josef Bühler. Foto: Winfried Hofele

Schwäbisch Gmünd

Auf seiner jährlichen Besuchsreise zu den 14 Bezirksdirektionen der AOK Baden-Württemberg machte deren Vorstandsvorsitzendes Dr. Christopher Hermann am Mittwoch Station in Schwäbisch Gmünd bei der mit 172.000 Versicherten zwar kleinsten, aber mit einem Marktanteil von 43 Prozent „beachtlich starken“ AOK Ostwürttemberg. Zusammen mit Bezirksgeschäftsführer Josef Bühler, dessen Stellvertreter Michael Svoboda und 30 Mitarbeitern querbeet durch alle Bereiche diskutierte der Landeschef über die aktuellen Themen, insbesondere über die Digitalisierung, im Gesundheitswesen und deren Folgen für die Beschäftigten. „Wie sieht die AOK im Jahr 2025 aus – das war der Leitfaden unsere Gespräche“, sagte Hermann am Abend vor der Presse. Vier Themen standen im Fokus.

Krankenhaus

„Ja, es gibt große, strukturell bedingte und noch ungelöste Finanzierungsprobleme im Krankenhauswesen in ganz Deutschland“, räumte Hermann ein. Im Ostalbkreis sei man durch die Zusammenfassung der drei Krankenhäuser in Aalen, Mutlangen Gmünd und Ellwangen in eine Gesellschaft des Öffentlichen Rechts zwar einen großen Schritt weitergekommen, sagte Bühler, das „Ei des Kolumbus“, nämlich in der Fläche eine hohe und gleichzeitig wirtschaftliche Krankenhausqualität zu erreichen, sei noch nicht gefunden: „Der Druck zu Veränderungen ist bei einem Defizit von rund 12 Millionen Euro und einem anstehenden Abbau von 70 bis 80 Stellen groß, eine finanzierbare und vernünftige Abgrenzung und Zuordnung der medizinischen Kernkompetenzen kann aber nur in gemeinsamen Gesprächen auf der politischen Ebene ohne Raumschaftsdiskussionen gelingen.“ Die AOK könne hierbei nur beratend unterstützen, sagte Hermann und machte Mut: „Immerhin haben wir auf der Ostalb mit den Bettenzahlen (Mutlangen und Aalen je 400, Ellwangen 280) vernünftige Größen.“

Haus- und Fachärzteversorgung

„Mit unserem AOK-Hausarztprogramm leisten wir einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung der ärztlichen Versorgung unsere Versicherten und verschaffen den Ärzten ein sicheres finanzielles Standbein“, erklärte Bühler. 106 Allgemeinmediziner und Internisten sowie zehn Kinder- und Jugendmediziner im Ostalbkreis (zwei Drittel aller Ärzte), beteiligen sich am AOK-Hausarztprogramm, im Schnitt betreut jeder Arzt 330 AOK-Versicherte. „Derzeit ist die medizinische Grundversorgung im Ostalbkreis noch gesichert“, ließ Bühler wissen, „allerdings wird das schwieriger.“ So seien allein in Gmünd 43 Prozent aller Ärzte über 60 Jahre alt, im Land sind es ein Drittel. „Künftig wird die Zahl der Versorgungszentren wachsen“, prognostizierte Hermann, „weil vor allem junge Ärztinnen (70 Prozent aller Medizinstudierenden sind Frauen) nicht bereit sind, den Arztberuf wie früher auszuüben.“

Pflegekräfte sind überall dringend gesucht.

Christopher Hermann, AOK-Chef

Pflege

Pfleger/innen sind überall, auch auf der Ostalb, dringend gesucht. „Wir hatten 2018 im Land über 40.000 mehr Pflegefälle als im Jahr zuvor“, steckte Hermann den Rahmen ab. In der Regel würden Pflegekräfte nach acht Jahren den Job wechseln – Hermann: „Deshalb müssen andere Strukturen in den Krankenhäusern geschaffen werden, damit sich die Arbeitsbedingungen verbessern und damit auch die Möglichkeiten zu einer höheren Entlohnung. Die Ausbildung von Pflegekräften finanzieren alle Kassen der GKV mit jährlich 150 Millionen Euro. „Wir als AOK können dafür keine Extramittel einsetzen“, sagte Hermann und verwies auf das neue Pflegepersonalstärkungsgesetz (PpSG).

Digitalisierung

„Die Digitalisierung wird das Gesundheitswesen durch den Datenaustausch in Echtzeit und durch die Vernetzung untereinander stärken“, ist sich Hermann sicher. Der Landeschefbelegte dies am Beispiel des AOK-Pojekts „Telederm“: „Der Hausarzt macht von auffälligen Hauterkrankungen Aufnahmen und sendet die Datei zu einem Spezialisten an der Uni Tübingen, der innerhalb von zwei Tagen seine Expertise abgibt. So können wir schnell und kostengünstig reagieren.“ Das Projekt wird derzeit in vier Regionen getestet. Ein weiteres AOK-Projekt befasse sich mit dem Austausch von Patientendaten bei Arbeitsunfähigkeit: „Die Bescheinigungen dafür erstellen wir künftig elektronisch“, sagte Hermann. Start sei Anfang April 2019.

© Wirtschaft Regional 06.03.2019 21:35
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