Noch nicht richtig in Schwung

Sind die schwachen Buchungen im Januar nur eine Delle? Die Tourismusbranche bleibt zuversichtlich. Die Türkei und Griechenland werden gut gebucht. Deutschland bleibt Urlaubsland Nummer eins.
  • ARCHIV - Touristen besuchen am 29.06.2011 den Parthenon-Tempel auf der Akropolis in Athen. Der Reisekonzern Tui will sich in Griechenland gegen eine mögliche Währungsumstellung vom Euro auf die Drachme absichern. Der «Bild» liegt ein Brief vor, wonach die griechischen Hoteliers aufgefordert werden, einen neuen Vertrag vor dem Hintergrund einer möglichen Währungsumstellung zu unterschreiben. Foto: Arno Burgi dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Foto: DPA dpa-Zentralbild
Die Bundesbürger sind in Reiselaune. Doch von einem Traumstart der Tourismusbranche in das wichtige Sommergeschäft kann aktuell nicht die Rede sein – ganz im Gegenteil. Ausgerechnet im Januar, dem wichtigsten Buchungsmonat, gibt es einen herben Dämpfer mit einem Umsatzminus von 9 Prozent im Vergleich zum starken Vorjahresmonat. Die Branche steht vor einem Rätsel, sieht aber zum Start der Reisemesse ITB in Berlin (6. bis 10. März) trotzdem keinen Anlass zur Sorge.

„Irgendetwas hält viele Kunden davon ab, jetzt ihren Sommerurlaub zu buchen. Die Konjunktur und die Arbeitsmarktlage können nicht der Grund sein. Es ist vermutlich die Wirkung des Rekordsommers 2018 in Deutschland“, argumentiert René Herzog, Chef der DER Touristik Zentraleuropa.

Eigentlich sitzt das Geld locker

Den Verbrauchern sitzt dank einer historisch niedrigen Arbeitslosigkeit und gestiegener Einkommen eigentlich das Geld locker. Die Konsumlaune ist weiter hoch und Urlaubsreisen stehen traditionell weit oben in der Gunst der Bundesbürger. Die Branche erwartet angesichts abgeschwächter Konjunkturaussichten zwar ein anspruchsvolles Jahr, rechnet „aber dennoch mit einer leichten Steigerung im unteren einstelligen Prozentbereich“, so der Präsident des Reiseverbandes DRV, Norbert Fiebig.

Im vergangenen Jahr gaben die Bundesbürger 95,6 Mrd. EUR für Urlaubs- und Privattrips aus, gut 5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. „2018 war für die Reisewirtschaft ein überaus erfolgreiches Jahr“, bilanziert Fiebig.

„Auch in diesem Jahr sind mehr Reisen und höhere Ausgaben geplant“, sagt Tourismusexperte Martin Lohmann voraus. Gut 42 Prozent der Befragten einer Studie haben sowohl Lust als auch das notwendige Geld, um in Urlaub zu fahren. „Dieser Wert ist nach wie vor sehr hoch“, erläutert Lohmann.

Der schwache Januar verhagelt der Branche allerdings die aktuelle Zwischenbilanz zu den Buchungen für diesen Sommer. Nach Daten der GfK-Konsumforscher verzeichnen klassische Reisebüros und der Online-Vertrieb seit dem vergangenen November einen Umsatzrückgang von 2 Prozent.

Anlass zur Sorge sei das aber nicht. „Wesentlicher Grund dafür ist das extrem starke Vorjahresergebnis“, erläutert GfK-Tourismusexpertin Alexandra Weigand. „Wir haben aktuell kein Nachfrageproblem. Der Februar dürfte besser werden.“

Der Veranstalter FTI verzeichnet seit Anfang Februar bereits eine sehr starke Nachfrage. „Das ist etwa drei Wochen später als im vergangenen Jahr“, erläutert Ralph Schiller, Geschäftsführer bei der FTI-Group. Beim Branchenprimus Tui Deutschland liegen die Buchungen für den Sommer „auf dem hervorragenden Niveau des Vorjahres. Die Deutschen sind auch 2019 in Reiselaune“.

Besonders gefragt ist in diesem Sommer vor allem die Türkei, Griechenland wird ebenfalls gut gebucht. Spanien liegt bei einigen Reiseprofis aktuell noch unter den Erwartungen. Das nach wie vor beliebteste Auslandsreiseziel der Bundesbürger bekommt das Comeback von zuvor sicherheitspolitisch unsicheren Ländern wie der Türkei, Ägypten und Tunesien zu spüren. Reiseland Nummer eins ist weiter Deutschland.

Trotz der Unwägbarkeiten des Brexits stellen die meisten Veranstalter bislang keine Zurückhaltung bei den Buchungen ins Vereinigte Königreich fest. Das dürfte vor allem am schwachen Pfund liegen, das Trips für Reisende aus dem Euro-Raum tendenziell günstiger macht.

Die Branche sieht trotz des holprigen Jahresauftakts insgesamt also Chancen für ein gutes Reisejahr. „Noch läuft die Frühbucherphase mit ihren Angeboten und wir rechnen in den nächsten Wochen mit weiter anziehenden Buchungen“, ist Fiebig zuversichtlich. Friederike Marx
© Südwest Presse 06.03.2019 07:46
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