Die Digitalisierung aktiv gestalten

Kongress Christlicher Führungskräfte Schönblick-Chef Martin Scheuermann leitete Werte-Tagung in Karlsruhe: Christen haben keine Angst vor der digitalen Revolution und der Künstlichen Intelligenz.
  • Auf dem KCF an Messestand des Schönblicks (v.r.): Direktor Martin Scheuermann, Verwaltungsleiter Gerhard Schwemmle, Programmleiter und stellv. geistlicher Leiter Kuno Kallnbach, Unternehmer Georg Jahn und Bereichsleiter Gäste, Veranstaltungen und Technik Volker Trautmann. Foto: -wh-

Karlsruhe/Schwäbisch Gmünd

Martin Scheuermann ist nicht nur Direktor und geistlicher Leiter des Christlichen Gästezentrums Schönblick auf dem Rehnenhof in Gmünd, sondern auch Vorsitzender des Zweckbetriebs „Kongress Christlicher Führungskräfte (KCF)“. In dieser Funktion verantwortete er in der vergangenen Woche den 11. Kongress Christlicher Führungskräfte in der Messe Karlsruhe. „Wer mit Werten führen will, braucht eine gute Orientierung und ein solides Fundament“, erklärte Scheuermann bei der Eröffnung der größten Wertetagung im deutschsprachigen Raum. Über 3250 Führungskräfte aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kirche und Gesellschaft, Jung-Unternehmer und Start-up-Gründer bekamen drei Tage lang richtungsweisende Impulse und knüpften mit den Topreferenten und den 200 Ausstellern nutzbringende Netzwerke. Der Kongressvorsitzende ermutigte die Teilnehmer, sich von Gott inspirieren zu lassen. Führungskräfte müssten oft schwere Lasten tragen und hätten Mühe, den Alltag zu bewältigen – Scheuermann: „Deshalb stellen wir uns gemeinsam den aktuellen Herausforderungen der Zukunft und packen heiße Themen wie Mitarbeiterführung, soziale Verantwortung und besonders Digitalisierung oder Künstliche Intelligenz an.

In seinem Referat „Die digitale Revolution gestalten“ forderte Friedhelm Wachs von der Wachsonian GmbH (Leipzig): „Christliche Führungskräfte sollen die Digitalisierung aktiv gestalten und der Anwendung der Künstlichen Intelligenz (KI) ethische Grenzen setzen“. Die Entwicklung der KI werde heute maßgeblich von China vorangetrieben, sagte der China-Kenner und überraschte seine Zuhörer: „Ein Programmierer in Peking verdient fünfmal so viel wie einer in München. In der Programmierung von Algorithmen (digitaler Abläufe) und Regeln arbeiten mehr Menschen mit asiatischem, buddhistischem und konfuzianischem Hintergrund als Menschen mit christlicher Prägung.“ Bei ihnen spiele das Individuum keine Rolle – Wachs: „List und Täuschung sind dort eine Tugend. Wir als christliche Führungskräfte müssen deshalb bei der digitalen Revolution aus einer Minderheitenposition heraus Gestaltungswillen zeigen und dafür kämpfen, dass das christliche Menschenbild in den Algorithmen verankert wird.“ Bei der Digitalisierung gehe es nicht um Social Media und Apps. Es gehe um Daten, um möglichst viele Daten, schnell, zuverlässig, an jedem Ort; um Daten die in allen Lebensbereichen Anwendung finden und mithilfe derer Zukünftiges prognostiziert und gesteuert werden könne. Als Anwendungsfeld führte er die Erkennung von Krebstumoren an, die KI schon heute besser beherrsche als Menschen. Es sei „eine Frage der Zeit“, dass Roboter auch Operationen besser durchführen könnten als Ärzte. Zugleich sei Technologie fehleranfällig, was in der Medizin fatale Folgen haben könne.

Christen stellen sich den Zukunftsthemen.

Martin Scheuermann
KCF-Chef

„Google, Amazon und Facebook können hervorragend Daten sammeln und wissen über den Einzelnen mehr als dessen Partner oder Beichtvater, aber vergeben können sie nicht“, so Wachs weiter, „doch auf Vergebung wollen wir mit unserem christlichen Menschenbild nicht verzichten.“ Die Technik allein könne die Konsequenzen ihrer Aktionen auf das Leben von Menschen nicht erfassen. Das unterscheide sie von menschlichem Verstand. Deswegen brauche es ethisch verantwortliche und digital aufgeklärte Unternehmer. Wachs verwies auf das Beispiel Pflege: „Wenn ein Roboter einen Kranken betreut, soll er dies liebevoll tun, ohne vorgeben zu wollen, ein Mensch zu sein. Menschliche Zuwendung kann nicht delegiert werden“.

Seinem Appell, die digitale Zukunft verantwortungsvoll zu gestalten, schlossen sich Prof. Thomas Schimmel vom Karlsruher Institut für Technologie, und Klaus Henning an. Der Informationswissenschaftler sagte: „KI ist eine gute Gabe Gottes, die es verantwortlich zu gestalten gilt, bevor es andere verantwortungslos tun.“ Es wäre unverantwortlich, nicht zu forschen, erklärte Schimmel, aber nicht alle Probleme seien mit Forschung oder überhaupt von Menschen zu lösen.

© Wirtschaft Regional 05.03.2019 19:31
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