Generationswechsel bei Allnatura

Nachfolge Nach vielen Jahren zieht sich das Ehepaar Olle aus der Geschäftsführung zurück. Ihr Sohn Felix hat mit dem Familienunternehmen nach Jahren des starken Wachstums noch Einiges vor.
  • Generationswechsel bei den Olles: Reinhard (l.) und Alexandra übergeben an Felix Olle. Foto: Allnatura

Heubach

Vor knapp drei Jahren hat der Öko-Fachhändler Allnatura den Generationswechsel eingeleitet, nun ist er vollzogen: Felix Olle hat die Mehrheit an dem Heubacher Unternehmen übernommen und führt die Geschäft nun alleinverantwortlich als geschäftsführender Mehrheitsgesellschafter und folgt damit seinen Eltern Reinhard und Alexandra Olle. Und der Neue hat viel vor, nachdem das Unternehmen in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist und unter anderem einen neuen Stammsitz im Heubacher Osten bezogen hat.

Dabei hat sich das Wachstum marktbedingt im vergangenen Jahr etwas abgeschwächt, sagt Olle. „Die gesamte Textilbranche wurde 2018 gebeutelt“, erklärt er. „Vor allem der Heimtextilmarkt war von einer verhaltenen Entwicklung gekennzeichnet.“ Der lange, heiße Sommer hat etwa vielen Deutschen die Lust an neuen Decken oder Matratzen vergällt. Allerdings konnte sich Allnatura nach einem schwächeren Start ins Jahr vom allgemeinen Markttrend abkoppeln. „Wir haben uns auch 2018 gut entwickelt“, so Olle.

Das liegt auch an neuen Produkten wie dem ersten ökologischen, orthopädisch optimierten Boxspringbett, das die Heubacher konzipiert haben. „Damit haben wir nicht nur unser Sortiment sinnvoll ergänzt, sondern konnten neue Zielgruppen ansprechen“, erläutert Olle. Zudem spielten Allnatura sehr gute Testergebnisse in die Karten.

So zeichnete die Stiftung Warentest ein Produkt aus Heubach mit einem „Gut“ und gleichzeitig als beste Naturlatexmatratze Deutschlands aus. Parallel hat das Unternehmen ein neues IT-System auf den Weg gebracht, die eigene Logistik samt Lieferantenstruktur verbessert sowie den eigenen Online-Auftritt sowie das Shop-System auf den neusten Stand der Technik gebracht. Dazu gehören auch diverse Konfiguratoren, mit denen die Kunden die Produkte individualisieren können. Hintergrund der Investitionen: Immer mehr Menschen bestellen über mobile Endgeräte wie Smartphone oder Tablets. „Mit dem neuen responsiven Design unserer Webseite tragen wir dieser Entwicklung Rechnung“, betont Olle. „Wir wollen die Vorteile des Online-Handels weiter nutzen und ausbauen.“

Wir haben uns auch 2018 gut entwickelt.

Felix Olle
Allnatura-Chef

„Das Ziel war ein fließender Übergang.“

Für das Jahr 2019 haben sich Olle und die inzwischen mehr als 60 Mitarbeiter auch darüber hinaus einiges vorgenommen. Zum einen wolle man unabhängiger vom Kerngeschäft werden und weitere Standbeine aufbauen. Allzu tief will sich der neue geschäftsführende Gesellschafter nicht in die Karten blicken lassen. Er verrät aber zwei Richtungen, in die sich Allnatura entwickeln soll: Zum einen wollen die Heubacher im B2B-Bereich wachsen. „Vor allem bei Hotels steigt die Nachfrage nach ökologischen Produkten im Heimtextilbereich“, erklärt er. Dabei hätten vor allem sogenannte Bio-Hotels Bedarf.

Zum anderen hat Allnatura den Wohnmobil-, Caravaning- und Boot-Sektor im Blick. „Dort benötigen die Kunden spezielle Zuschnitte, die wir bieten können“, erklärt Olle. Zudem steige das ökologische Bewusstsein in diesem Bereich. Der neue Mehrheitsgesellschafter plant, parallel die firmeninternen Prozesse weiter zu optimieren und neue Akzente bei der Personalentwicklung zu setzen. Alles auf den Kopf stellen will er nicht: „Die Firma hat sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt. Es macht keinen Sinn, nun alles auf Teufel komm raus anders machen zu wollen.“ Zumal er selbst seit einiger Zeit das Tagesgeschäft von seinen Eltern übernommen hatte und operativ in der Verantwortung stand.Olle weiß, dass sich Allnatura trotz des Erfolgs nicht ausruhen sollte. „Als Online-Händler darf man nicht anhalten und sich konsolidieren, sondern muss sich permanent weiterentwickeln.“ Druck empfindet er keinen – auch wenn immer mehr Konkurrenten auf Öko-Artikel setzen und dem Pionier Allnatura Marktanteile abjagen wollen. „Es ist vielmehr eine tolle Herausforderung, die mit sehr viel Entscheidungsfreiheit verbunden ist: Die neuen Technologien eröffnen uns viele neue Optionen und Märkte.“ Deshalb setze er auf die Weiterbildung der Mitarbeiter und auf die Ausbildung – und geht dabei neue Wege: So ist Allnatura eine der vier Firmen in der Region, die Menschen für die neue Berufsbezeichnung „Einzelhandelskauffrau/-mann E-Commerce“ ausbildet.

Sein Vater Reinhard indes fürchtet nicht, nicht loslassen zu können. „Wenn man mehr als 35 Jahre in diesem Geschäft ist, hat man sich den Ruhestand wirklich verdient“, erklärt Reinhard Olle, der das Unternehmen gemeinsam mit seiner Frau gegründet und zu rapidem Wachstum verholfen hatte. Das Ehepaar wird dem Unternehmen jedoch verbunden bleiben. Beide hatten sich in den vergangenen Jahren bereits schrittweise aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. „Unser Ziel war es schon immer, den Übergang fließend zu gestalten“, erläutert Olle senior. Nun ist er abgeschlossen.

© Wirtschaft Regional 01.03.2019 18:40
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