Der „Soldat auf Zeit“ ist bei Unternehmen begehrt

Ob Deutsche Bahn, Amazon oder Sicherheitsdienste: Sie greifen verstärkt auf die Bundeswehr zurück.
  • Gefragte Soldaten: Vom Bund in den Betrieb. Foto: Joerg Huettenhoelscher/Shutterstock
Angesichts des Fachkräftemangels suchen immer mehr deutsche Unternehmen gezielt Soldaten der Bundeswehr. Der Berufsförderungsdienst (BFD) der Streitkräfte hat mittlerweile feste Ansprechpartner bei etwa 5000 Unternehmen, die Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie Praktika für ausscheidende Soldaten anbieten, teilte die Personalverwaltung der Bundeswehr in Köln mit.

Auf die Jobsuche für Soldaten spezialisiert hat sich die im oberbayerischen Burgheim beheimatete Internet-Plattform Dienstzeitende.de. „Manche Unternehmen wie Amazon haben sogar einen eigenen military recruiter, das heißt einen ehemaligen Soldaten als Personaler, der andere Soldaten anspricht“, sagt Geschäftsführer Stefan Geßner, selbst ein ehemaliger Offizier.

Die Bundeswehr selbst malt die Eignung ihrer Soldaten für den Arbeitsmarkt in den schönsten Farben: „Sie zeichnen sich insbesondere durch ein hohes Maß an Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein, (Selbst-)Disziplin, Teamfähigkeit und hohe Flexibilität aus“, heißt es bei der Personalverwaltung. „Im Rahmen von Auslandseinsätzen erwerben sie interkulturelle Kompetenz und belegen ihre hohe Belastbarkeit in Stresssituationen.“ Die Quintessenz: Wer in Afghanistan nicht verzweifelt, sollte für Amazon gut gerüstet sein.

Dienstzeitende-Geschäftsführer Geßner beschreibt die Situation nüchterner: „Viele Unternehmen legen mehr Wert auf die Berufsausbildung als auf die Tatsache, dass jemand Soldat war.“ Das bestätigt die Bahn: „In der Regel bringen ehemalige Soldaten eine gute technische Ausbildung mit sowie eine große Portion Motivation“, sagt ein Sprecher.

Die Streitkräfte bieten in der Tat Ausbildungen jeder Art vom Lkw-Führerschein bis zum Hochschulstudium. „Die Bundeswehr ist einer der sozialsten Arbeitgeber, die Berufsförderungsmöglichkeiten sind enorm“, sagt Stefan Geßner.

Aber es gibt auch Arbeitgeber, die wegen der spezifischen Expertise gerne Ex-Soldaten einstellen: „Die kommen in der Regel mit Mitte 30 auf den Arbeitsmarkt, die haben eine Ausbildung oder ein Studium, wissen, wo's lang geht, können sich durchsetzen und sind in jeder Hinsicht befähigt zum Umgang mit Menschen“, berichtet Geßner. Zu den Branchen, die gerne Ex-Soldaten einstellen, zählen traditionell Sicherheits- und Wachdienste.

Leicht ist der Wechsel ins zivile Berufsleben nicht immer: Soldaten hätten oft in ihrem Beruf vergleichsweise wenig Erfahrung“, sagt Geßner. „Ein Panzergrenadier, der Industriemechaniker gelernt hat, hat ziemlich Zeit im Gelände verbracht und nicht in der Werkstatt.“ dpa
© Südwest Presse 01.03.2019 07:46
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