„Rational mit kühlem Herzen“

Vorstandschef Rainer Neske sieht keinen Grund für einen Strategiewechsel oder weitere Konsolidierungen. Die Geschäftsentwicklung im vergangenen Jahr gibt ihm Recht.
  • LBBW-Chef Rainer Neske: Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not – das gilt auch für eine Bank. Foto: Bildquelle
Der Ausdruck „Und ewig grüßt das Murmeltier“ ist in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen. Damit wird ein immer wiederkehrendes Ereignis beschrieben. Rainer Neske benutzte das Sprachbild gestern ebenfalls, mit einem Lächeln. Für das Vorsteuerergebnis der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) prognostiziert der Vorstandsvorsitzende einen „mittleren dreistelligen Millionen-Bereich“ – nicht zum ersten Mal. „Ich bin allerdings hinreichend optimistisch, dass er höher ausfällt“, sagte Neske auf Nachfrage bei der Bilanz-Präsentation. Mit der Zurückhaltung sollen vermutlich keine schlafenden Hunde geweckt werden. In diesem Jahr wird eine Viertelmilliarde Euro an die Träger ausgeschüttet.

Gleichzeitig beschreibt die Zurückhaltung auch die Geschäftspolitik der „mittelständischen Universalbank“ in „kompakter, überschaubarer Größe“, wie Neske betont. Die Risikopolitik sei konservativ. Die Verschuldungsquote bewege sich auf „komfortablem Niveau“. Nachhaltigkeit gelte als Hebel für die Zukunft. Stabilität und Stärke mache die LBBW laut Neske „mittelständisch“. Kurz: Geschäftspolitik erfolge rational mit kühlem Herzen.

Letztere Worte benutzte Neske allerdings für die schwärende Diskussion um eine Konsolidierung unter den Landesbanken. Die Übernahmen der SachsenLB und Rheinland-Pfalz-Bank seien für die LBBW umfangreich und teuer gewesen und 2018 das erste Jahr, in dem die Landesbank kein Geld mehr für Altlasten aus der Finanzkrise aufwenden musste. „Mir hat noch niemand ein wirkliches Argument genannt, warum eine weitere Konsolidierung im Interesse der Bank liegen soll“, sagte der Vorstandschef.

Größe an sich sei nicht sinnvoll, wichtig wäre vielmehr ein wirtschaftlich erfolgreiches Geschäftsmodell. Landesbanken könnten auch gut zusammenarbeiten ohne zusammenzugehen. Neske wandte sich damit gegen den Vorschlag, die kriselnde NordLB zum Ausgangspunkt einer Art „Super-Landesbank“ aus NordLB, LBBW und Landesbank Hessen-Thüringen zu machen. Die Träger der LBBW – insbesondere die Stadt Stuttgart und das Land – sahen dieses Vorhaben zuletzt ebenfalls kritisch.

Bestätigung für diese Haltung liest Neske auch aus den Zahlen des vergangenen Jahres heraus. Das Gewinnplus vor Steuern von 558 Mio. EUR könne sich im Branchenvergleich gut sehen lassen. „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“, erinnert sich der LBBW-Chef an seine Oma, „das gilt auch für eine Bank.“

Die Risikovorsorge wurde angehoben: „Dies halten wir mit Blick auf die sich deutlich abzeichnende konjunkturelle Abschwächung für angemessen.“ Die Autobranche macht rund 15 Prozent des Kreditportfolios aus. Alle Segmente des Kundengeschäfts leisteten wieder einen positiven Beitrag zum Konzernergebnis. Das Einlagengeschäft ist deutlich gewachsen. Das Privatkundengeschäft erreichte wieder die schwarzen Zahlen.

Deshalb gebe es keinen Grund, an der Strategie etwas zu ändern. Vor allem, weil der Bank-Chef die Grundlagen für weiteres Wachstum gelegt sieht. Neske hat die IT zur Chefsache erklärt und sieht in der Digitalisierung mehr als die Einführung von Prozessen. Sie ermögliche vielmehr neue Geschäftsmodelle. Die Kernprodukte der LBBW dürften nicht Fintechs oder großen US-Plattformanbietern überlassen werden. Ein Wachstum sei bei den traditionell starken Schuldscheindarlehen, im Auslandsgeschäft, Exportversicherungen und in den Branchen Gesundheit, Energie und Telekommunikation möglich. Bei der Immobilienfinanzierung soll ebenfalls zugelegt werden.
© Südwest Presse 01.03.2019 07:46
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