Genossen trotzen niedrigen Zinsen

Bilanz der Banken Die Genossenschaftsinstitute im Ostalbkreis melden Rekordzahlen. Die niedrigen Zinsen zwingen aber zu Einsparungen, Fusionen stehen jedoch vorerst nicht zur Debatte.
  • Der Vorstand des BZV, dem Zusammenschlusses der sieben Genossenschaftsbanken im Kreis (von links): Matthias Hillenbrand, Kurt Abele und Vorsitzender Jürgen Hornung. Foto: rs

Ellwangen

Die Bilanzen der beiden größten Banken im Kreis – der Kreissparkasse Ostalb und der VR-Bank Ostalb – lieferten bereits einen Vorgeschmack. Nun hat die Bezirksvereinigung der Volks- und Raiffeisenbanken (BZV), in der die sieben Genossenschaftsinstitute im Ostalbkreis zusammengefasst sind, eine ähnliche Bilanz gezogen: Die Zeichen stehen in fast allen Bereichen auf Wachstum, nur im wichtigsten nicht: dem Zinsüberschuss.

Dennoch sind die Genossen zufrieden: „Es war trotz der Umfeldbedingungen ein gutes Jahr“, erklärte Jürgen Hornung, Vorstandsvorsitzender des BZV und Vorstandssprecher der VR-Bank Ellwangen.

Der Zinsüberschuss ist die wichtigste Einnahmequelle einer Bank und steht durch die Niedrig- und Minuszinsphase unter besonderem Druck. 2018 sind erste deutliche Bremsspuren in den Bilanzen der Banken sichtbar: Um satte fünf Prozent sank das Zinsergebnis der sieben Genossenschaftsbanken auf 73,1 Millionen Euro. Das ist noch nicht das Ende der Entwicklung. „Der Druck wird weiter zunehmen“, sagt Hornung. „Unsere wichtigste Ertragsquelle trocknet immer weiter aus.“ Hornungs Stellvertreter im BZV, Matthias Hillenbrand, erklärte: „Das Niedrigzinsumfeld trifft nicht nur unsere Kunden und ihre Anlagen, sondern auch uns als Banken.“ Dennoch stehe man trotz der Entwicklung „noch relativ gut da“.

Dass die sieben Banken ihr Betriebsergebnis vor Bewertung im Vergleich zum Vorjahr steigern konnten, ist vor allem dem gestiegenen Provisionsüberschuss zu verdanken: Er wächst um 13,5 Prozent auf 31,8 Millionen Euro. „Eine tolle Leistung“, betont Kurt Abele, ebenfalls Hornungs Stellvertreter im BZV und Vorstandschef der VR-Bank Ostalb. Ebenso zugelegt hat die Bilanzsumme der Genossen, und zwar auf insgesamt rund vier Milliarden Euro, ein Plus von fast sechs Prozent. Vor allem das Kreditgeschäft haben die sieben Banken ausgebaut: Auf insgesamt 3,1 Milliarden Euro summieren sich die Ausleihungen.

Fusionen? „Nicht in den nächsten zwei, drei Jahren.“

Hier profitieren die Banken natürlich auch vom Bauboom, die Zahl der Baufinanzierungen wächst. Die absolute Anzahl der an Firmen vergebenen Kredite wiederum ist zwar von 1090 auf 1031 gesunken, aber: „Die Anzahl sinkt, die Volumina werden größer“, erklärt Hornung. Ein Hinweis auf die boomende Konjunktur: Kleinere Investitionen können die Firmen selbst schultern, erst bei größeren ist ein Bankkredit notwendig.

Kräftig beim Wachstum der Banken mitgeholfen hat freilich auch die boomende Konjunktur. Dass nun eine kleine Delle droht, sorgt die Bankenchefs nicht. Abele etwa sieht am Horizont „keine reale Rezession, eher eine Seitwärtsbewegung nach Jahren mit tollen Zuwachsraten“.

Dennoch bereitet die Niedrigzinsphase den Bankenchefs weiter Sorgen. „Die aktuellen Minuszinsen von 0,40 Prozent sind Wettbewerbsverzerrung“, findet Hornung. Zudem stünden die Margen stark unter Druck. Den gesunkenen Einnahmen begegnen die Bankenchefs mit verschiedenen Maßnahmen.

Zum einen will man den Ansatz der „Omni-Kanal-Bank“ stärken. Man sei sowohl persönlich als auch online für den Kunden da und decke alle modernen Finanzdienstleistungen ab. Zum anderen setzen die Banken auf der Kostenseite an. „Durch die Digitalisierung eröffnen sich uns einige Möglichkeiten“, sagt Hornung. Die Zahl der Mitarbeiter ist entsprechend gesunken und dürfte es weiterhin.

Bundesweit steigt die Zahl der Fusionen unter den Genossenschaftsbanken. Mit solchen sei im Kreis vorerst nicht zu rechnen. „Alle Häuser haben in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet und sich auf eine solide Basis gestellt“, sagt Hillenbrand, Vorstand der Raiffeisenbank Rosenstein. Man sei untereinander freundschaftlich verbunden, Zusammenschlüsse stehen aber nicht an. „Ich gehe nicht davon aus, dass wir in den nächsten zwei bis drei Jahren eine Fusion sehen werden“, so Hornung. Darüber hinaus sei jedoch keine seriöse Prognose möglich.

Unsere wichtigste Ertragsquelle trocknet weiter aus.

Jürgen Hornung
BZV-Vorsitzender

Die Genossenschaftsbanken im Kreis in Zahlen (in Euro, in Klammern Veränderungen zu 2018)

  • Bilanzsumme 4,011 Mrd. (+5,7%)
  • Kundeneinlagen (bilanziell wirksam) 3,1 Mrd. (+4,3%)
  • Kundenkredite (bilanziell wirksam) 2,5 Mrd. (+8,1%)
  • Zinsüberschuss 73,1 Mio. (-5%)
  • Provisionsüberschuss 31,8 Mio. (+13,5%)
  • Betriebsergebnis (vor Bewertung) 33,7 Mio. (+0,8%)
  • Mitarbeiter 730 (-3,6%)
  • Mitglieder 112 077 (+1,3%)
© Wirtschaft Regional 28.02.2019 15:02
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