Herausforderung China

Wirtschaftspolitik Der frühere Voith-Chef und Asien-Experte Dr. Hubert Lienhard referierte über die Pläne Chinas – und erläuterte, wie Deutschland und Europa Schritt halten könnten.
  • Pudong, China: In dem Stadtteil von Shanghai leben aktuell mehr als fünf Millionen Menschen. Mit dem Aufbau des Bezirks wurde erst zu Beginn der 1990er-Jahre begonnen - nur eines von vielen Projekten der Superlative, die China angestoßen hat. Foto: Pixabay
  • Dr. Hubert LienhardFoto: Voith

Heidenheim

Das Fazit fiel kurz aus: „Auf die Größe kommt es an“, erklärte Dr. Hubert Lienhard bei der Jahresauftaktveranstaltung des Marketing Clubs Ostwürttemberg in der Aula der Dualen Hochschule. Dort startete der Club sein Jahresprogramm mit zahlreichen Zukunftsthemen. Unter dem Motto „Herausforderung China“ belegte Lienhard, langjähriger Vorsitzender des Asien Pazifik Ausschusses der Deutschen Wirtschaft und ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Voith, mit Zahlen, Fakten und persönlichen Einschätzungen die zunehmende Bedeutung Chinas als Weltmacht – und stellte Thesen vor, mit denen es Europa und Deutschland gelingen könnte, auch künftig wirtschaftlich konkurrenzfähig zu bleiben.

Mit annähernd 1,4 Milliarden Einwohnern und einem Anteil von 17 Prozent an der Weltwirtschaft bildet China schon heute die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Die chinesische Regierung hat das Ziel vorgegeben, 2049 Weltmacht Nummer Eins sein zu wollen. Bis zum Jahr 2029 soll das Land Weltmarktführer in allen wesentlichen technologischen Disziplinen sein. Übertriebener Ehrgeiz? Dass diese Ziele erreicht werden können, zeigte Lienhard mit eindrucksvollen Zahlen.

Unter den zehn wertvollsten Firmen der Welt sind mit dem und Alibaba zwei chinesische Konzerne – den Rest der Top-Ten bilden US-amerikanische Unternehmen. Europäische oder gar deutsche Konzerne sucht man dagegen vergebens. Die schiere Größe Chinas und des gesamten asiatischen Raums sei es, die Riesenunternehmen mit gewaltiger Marktmacht ermögliche. Das unvorstellbare Potenzial des asiatischen Marktes, der zu einem großen Teil von China beeinflusst ist, wird in den kommenden Jahren immer größeren Einfluss auf deutsche und europäische Unternehmen haben. Große Unternehmen mit starken Umsätzen können Investitionssummen in Forschung und Entwicklung tätigen, die für kleinere Unternehmen, vor allem auch den in Deutschland herrschenden Mittelstand, nicht möglich sind. Dies stärkt die chinesischen Unternehmen, während es die deutschen schwächt.

China hat eine Strategie, Europa sucht sie noch.

Dr. Hubert Lienhard
ehemaliger Voith-Chef

Hinzu verteilt die chinesische Regierung üppige staatliche Förderungen speziell für neue Technologien oder Exporte und pflegt eine in Europa unvorstellbar einfache Regulatorik bei Kreditvergaben – schwierige Bedingungen für den noch immer stark an den USA ausgerichteten europäischen Markt.

„Deutschland braucht Europa, um gegen China wirtschaftlich bestehen zu können“, so der Asien-Experte Lienhard. Er räumte ein, dass Europa dafür ein selbstbewusstes, klares Verständnis von sich als Wirtschaftskraft sowie eine Strategie benötige. Bisher sei es der EU nicht gelungen, die Globalisierung als Erfolg darzustellen. Freihandelsabkommen innerhalb einer „Allianz der Gleichgesinnten“ – dazu zählen Lienhard zufolge Japan und Australien – und eine Reform des Kartellrechts seien ebenfalls zwingend nötig, um China wirtschaftlich begegnen zu können. Eine starke EU sei wichtig, meinte Lienhard und forderte alle Zuhörer auf, bei der Europawahl „richtig zu wählen“. Dass Lienhard mit seinen Ausführungen die Gemüter bewegte, zeigte auch die an den Vortrag anschließende Diskussionsrunde. Die mehr als 100 Gäste stellten Fragen zu Themen wie Umweltschutz, Visumvergabe, der Rolle Russlands oder Indiens im Wettbewerb oder baten um eine Einschätzung der politischen Lage oder den Risiken eines Handelskrieges zwischen den USA und China.

© Wirtschaft Regional 26.02.2019 16:46
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