„Subventionen machen Sau nicht fett“

Interview Helmuth Waizmann aus Mohrenstetten, Vertreter der privaten Waldbesitzer auf der Ostalb, sieht Holz als Hochrisikoanlage, die sich dennoch lohnt.
  • Helmuth Waizmann. Foto: Bernhard Hampp

Lauchheim

Helmuth Waizmann aus Lauchheim-Mohrenstetten vertritt als Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Ellwangen sowie der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Schwäbischer Limes die privaten Waldbesitzer in der Region. Waizmann ist Waldbauer in 13. Generation und gibt über den Wald und das Holz als Wirtschaftsfaktor Auskunft.

Ist privater Wald eine gute Anlage?

Wald ist eine Hochrisikoanlage. Es gibt wohl keinen Wirtschaftszweig, der vom Klimawandel so stark betroffen ist. Das sehen Sie an den Preisen für Fichtenstammholz, die momentan im Keller sind: Schuld sind unter anderem die Stürme „Burglind“ und „Friederike“ im Januar 2018, die vor allem in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gewütet haben. Dazu gab es Dürreschäden in Nordostdeutschland, Polen und Tschechien. Ende November traf Österreich der Sturm „Vaia“. Das heißt: Es gibt derzeit 100 Millionen Festmeter Schadholz europaweit. Das trifft auch die Waldbauern in Ostwürttemberg, weil der Markt ein globaler ist. Der Festmeter Fichtenstammholz brachte vorher rund 93 Euro, jetzt sind es nur noch rund 80 Euro. Die Preise von Holz, das durch Käfer geschädigt wurde, fielen sogar von 78 auf 45 bis 60 Euro. Da bleibt nach Abzug von Fracht- und Aufarbeitungskosten oft gar nichts mehr.

Wie entwickelt sich der Ertrag?

Als ich vor 35 Jahren begonnen habe, gab es den gleichen Holzpreis wie jetzt – sogar mehr: 200 Mark für den Festmeter Fichte. Obwohl die Nachfrage heute so hoch ist wie noch nie, steigen die Preise nicht. Es bleibt am Ende weniger. Der Kaufkraftverlust ist enorm: vor 35 Jahren konnte ich mit einem Festmeter Holz noch drei bis vier Facharbeiterstunden bezahlen und heute gerade noch eine!

Woran liegt das?

Es kommt immer wieder zu Katastrophen: Der Sturm Wiebke zerstörte 1991 den drei- bis vierfachen Jahreseinschlag. 1995 und 1996 waren Käferjahre, erst 1997 hatte sich der Markt beruhigt. Es folgten 1999 der Sturm Lothar und 2003 ein Dürrejahr, in dem hektarweise Bestände vertrocknet sind, 2009 traf die Finanzmarktkrise die Wirtschaft allgemein. Seit 2010 war die Entwicklung wieder normal, 2014 und 2015 waren sogar sehr gute Jahre, mit Preisen über 100 Euro pro Festmeter Fichtenstammholz. Die wenigen guten Jahre brauchen wir dringend, um wieder halbwegs Fuß zu fassen.

Welche Rolle spielt der Wald überhaupt als Wirtschaftsfaktor?

Alleine im Ostalbkreis gibt es rund 11.000 private Waldbesitzer. Die Betriebsgrößen der Waldbauern reichen von ein paar Bäumen bis zu 60 Hektar, einige wenige private Waldbesitzer bewirtschaften auch mehr. Die Durchschnittsgröße beträgt 2,5 Hektar. Insgesamt gibt es im Kreis 60.000 Hektar Waldfläche – genauso viel wie landwirtschaftliche Fläche. Im östlichen Baden-Württemberg und dem angrenzenden Bayern findet sich übrigens die größte Dichte an holzverarbeitenden Unternehmen europaweit. Dazu gehören auch große Unternehmen wie Rettenmaier in Wilburgstetten, Ladenburger in Bopfingen und Klenk Holz in Oberrot. Die Zahl der kleinen Sägewerke dagegen nimmt ab.

Gibt es auf Waldflächen einen starken Ansturm – ähnlich wie aktuell bei landwirtschaftlichen Flächen?

Wald wird in aller Regel von Generation zu Generation vererbt, es gibt hier keine große Kauftätigkeit. Es sind eher größere Forstunternehmen, die Wald unter Rentabilitätsgesichtspunkten kaufen, manchmal spielen auch steuerliche Gründe eine Rolle. Für die meisten ist der Privatwald ein Nebenerwerb, das hat auch seinen Grund: Früher hätte man von 50 Hektar Wald noch leben können, heute ist das nicht mehr möglich. Es gibt auf der Ostalb keinen einzigen Privatwaldbesitzer, der nicht ein weiteres wirtschaftliches Standbein hätte. Früher war der eigene Wald so eine Art Sparkasse für den Landwirt: Wenn eine Investition zu tätigen war, machte man eben einen Einschlag. Das wäre heute so nicht mehr planbar in Zeiten von Marktschwankungen und just-in-time-Wirtschaft. Holz, das heute aus dem Wald geholt wird, ist ja oft morgen schon in den Trockenkammern.

Welche Rolle spielen die ökologische Komponente und ihre Förderung bei der Holzwirtschaft?

Holz ist ja immer schon ein ökologischer, nachhaltiger Rohstoff gewesen, der außerdem ein regionaler und sehr ästhetischer Baustoff ist. Es gibt durchaus Förderprogramme für ökologisches Wirtschaften, die sind aber eher für die großen Betriebe interessant. Zum Vergleich: Während bei der Landwirtschaft mit Subventionen von rund 300 Euro pro Hektar gerechnet wird, sind es in der Forstwirtschaft nur durchschnittlich 13 Euro pro Hektar. Das macht im Kleinprivatwald die Sau nicht fett.

Als Ergebnis eines jahrelangen Kartellstreits vor Gericht dürfen das Land Baden-Württemberg und seine Förster nun kein Rundholz mehr für private und kommunale Waldbesitzer vermarkten. Diese Aufgabe hat im Ostalbkreis die Forstwirtschaftliche Vereinigung Schwäbischer Limes (FSL) übernommen, deren Vorsitzender Sie sind. Wie läuft die Vermarktung?

Sehr erfolgreich. Dieser Zusammenschluss von ostwürttembergischen Forstbetriebsgemeinschaften ist ja bereits 2008 als Pilotprojekt gegründet worden. Begonnen wurde mit der Vermarktung von 10.000 Festmetern Holz pro Jahr, mittlerweile sind es 65.000.

Die Förster des Landes dürfen sich künftig nicht mehr um den Privatwald kümmern. Wie geht es weiter?

Der Ostalbkreis hat sich bereit erklärt, Forstpersonal des Landratsamtes zur Verfügung zu stellen, das berät und betreut, aber keine Betriebsarbeiten übernimmt. 19 Förster werden in Revieren dem Nicht-Staatswald zur Verfügung stehen. Ich gehe davon aus, dass das Dienstleistungsangebot des Kreises in Anspruch genommen wird, solange es bezahlbar bleibt. Auch aufgrund der vielfältigen Gemeinwohlleistungen hat unser Landrat zugesagt, uns bei den Kosten entgegenzukommen. Darauf verlassen wir uns vorläufig.

© Wirtschaft Regional 22.02.2019 16:32
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