Afrika

Mit der Blockchain gegen die Armut

Die KfW testet in Afrika eine Software, die Verwaltung vereinfacht und Korruption eindämmt.
Piet Kleffmann war für den Deutschen Entwicklungsdienst und die staatliche KfW Entwicklungsbank in mehreren Ländern Afrikas tätig, zuletzt als Leiter des KfW-Büros in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Er kennt die Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Wirtschaftsprojekten, die Korruption eingeschlossen. Jetzt soll all das minimiert und möglichst ganz ausgeschlossen werden – mit Hilfe der sogenannten Blockchain.

Zusammen mit der Regierung in Burkina Faso startet die KfW ein Verfahren für die öffentliche Verwaltung, mit dem Projekte digital gemanagt werden können. Eigens dafür hat die KfW eine Software entwickelt. Ziel: Transparenz für alle an einem Projekt Beteiligten und ein sicherer Einsatz der bewilligten Gelder.

Bislang, erzählt er, haben nicht nur die deutsche Seite, auch andere Geber teure, parallele Verfahren etabliert, verbunden mit vielen Reisen zu den Projekten, um den Überblick zu behalten und eine missbräuchliche Verwendung der (Steuer-) Gelder zu verhindern. Eine Folge: Die Verwaltungsstrukturen in den Entwicklungsländern wurden kaum moderner und schlagkräftiger.

Wenn der Bau einer Schule gefördert wird, überweist die KfW das Geld direkt an die Baufirma, sagt Kleffmann. Damit ändern sich aber nicht die Strukturen im Land. „Es gibt immer das Risiko, dass öffentliche Mittel nicht für das gewünschte Gemeinwohl wie etwa ein Krankenhaus eingesetzt werden.“ Mit TruBudget werde die Kontrolle des ganzen Verfahrens erheblich einfacher.

Hinter TruBudget verbirgt sich eine von KfW-Experten entwickelte Software, die auf der Blockchain basiert. Die Partnerländer verwalten und steuern die Mittel für ein Vorhaben selbst. Zugleich kann die KfW jederzeit kontrollieren, dass das Geld auch wie vereinbart verwendet wird. Über eine einheitliche Plattform können alle Beteiligten – vom Geldgeber über das jeweilige Ministerium, den Baufirmen und den Baubehörden – alle Vorgänge rund um ein Vorhaben genau nachvollziehen und alle Dokumente einsehen. Das ist das Prinzip der Blockchain.

Doppelte Verwaltungsstrukturen werden damit überflüssig, Kosten etwa für die manuelle Kontrolle von Aufträgen und Rechnungen vermieden, ein Missbrauch des Geldes wird verhindert, betont Kleffmann. Eine Million Euro stellt das Berliner Entwicklungsministerium BMZ für die auf sechs Monate angelegte Testphase in Burkina Faso bereit.

Die Software und das System stünden allen Ländern offen, betont Kleffmann. Gespräche hat er bereits in mehreren afrikanischen Ländern geführt. „Die eigenständige Entwicklung eines Landes ist viel besser möglich, wenn Investitionen über den eigenen Haushalt umgesetzt werden statt über Projektbudgets der Geber.“

Mit TruBudget und der Nutzung der Blockchain gehört die deutsche Entwicklungszusammenarbeit zu den Vorreitern bei digitalen Lösungen in der Armutsbekämpfung. Kontakte gibt es auch zur internationalen Impfallianz Gavi. Rolf Obertreis
© Südwest Presse 21.02.2019 07:47
151 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?