SHW HPCT steht vor dem Aus

Insolvenz Nach dem Standort in Wasseralfingen muss wohl auch die SHW-Gießerei in Königsbronn abgewickelt werden – Kritik an Investoren.
  • Der Abguss einer Papierkalanderwalze bei SHW in Königsbronn. Foto: Archiv/SHW CT

Königsbronn

Das Hoffen und Bangen nicht nur der 162 Mitarbeiter war umsonst: Die Gießerei SHW HPCT in Königsbronn wird voraussichtlich endgültig geschlossen. Das hat Insolvenzverwalter Martin Mucha am Freitag bekannt gegeben. „Wir haben keine Lösung gefunden“, sagte Mucha. Wenn nicht noch ein Wunder geschehe, werde der Betrieb still gelegt. Bereits seit Oktober, so Mucha weiter, wurde in Königsbronn nicht mehr produziert. Die Folge war das dritte Insolvenzverfahren in fünf Jahren. Mucha kritisierte zudem den Investor RMB scharf. Dieser hatte das Unternehmen im vergangenen Frühsommer übernommen.

Mucha hatte laut eigenen Angaben in den vergangenen Monaten Gespräche mit potenziellen Interessenten und Kunden der Gießerei geführt. Als sich abzeichnete, dass sich kein Investor findet, habe er sich auf die Kunden von SHW HPCT konzentriert. „Diese hätten sich stark engagieren müssen, also auf sehr viel Geld verzichten und sehr viel Geld investieren müssen.“ Dazu sei keine der Firmen bereit gewesen. SHW HPCT produzierte Walzen etwa für die Papierindustrie, die Lebensmittel- und Beschichtungsindustrie sowie Verschleißgussteile für die Zermahlungsindustrie. Die gefertigten Gussteile wiegen zwischen 100 Kilogramm und 120 Tonnen. „Die dauerhafte Sanierungssituation und die misslungenen Investorenlösungen führten zu nachhaltigen Vertrauensverlusten bei den Kunden“, so Mucha. Die Gespräche seien am vergangenen Mittwoch endgültig gescheitert, „nachdem sich die Hauptkunden nicht dazu durchringen konnten, die notwendige finanzielle Unterstützung zu geben“, wie der Insolvenzverwalter erläutert. Am Montag wird der Gläubigerausschusses final über die Betriebsstilllegung entscheiden.

Bleibt die Frage, wie es soweit kommen konnte. Immerhin war das Unternehmen nach der zweiten Insolvenz von Restrukturierungsgeschäftsführer Marcus Katholing von der Kanzlei Pluta recht erfolgreich saniert worden – und anschließend an den Investor RMB verkauft worden. Dieser rückt nun in den Fokus der Kritik.

Da müsste schon ein Wunder geschehen.

Martin Mucha
Insolvenzverwalter SHW HPCT

„Um den Kaufpreis für das Unternehmen aufzubringen, verkaufte der Investor die Maschinen an eine Leasinggesellschaft, die er fortan von dieser für einen hohen fünfstelligen Betrag im Monat zurück mietete“, erklärt Mucha. Die Vorräte seien an den Vor-Eigentümer zur Besicherung des noch offenen Kaufpreisanteils übereignet worden. „Damit fand ich zu Beginn des Verfahrens ein Unternehmen vor, das praktisch über keine materiellen Werte mehr verfügte“, berichtet der Anwalt, der im Gespräch mit dieser Zeitung harsche Kritik an den früheren Investoren äußerte: Sowohl die RMB als auch die Hüter-Gruppe, die das Unternehmen in die zweite Insolvenz geführt hatte, seien „Abenteurer“ gewesen. Man werde die Vorgänge rund um den verkauften Maschinenpark untersuchen und rechtliche Schritte prüfen. Allerdings lasse sich daraus wenig Hoffnung für SHW HPCT speisen.

Auch den Bemühungen des Betriebsrats, auf eigene Faust einen Investor zu finden und die Mitarbeiter zu beteiligen sowie jenen der Gemeinde Königsbronn, vom Land Baden-Württemberg eine Bürgschaft zu bekommen, räumt Mucha wenig Chancen ein. „Das wird voraussichtlich sehr schwer, wenn der Sanierungserfolg wie in diesem Fall völlig ausbleibt.“

© Wirtschaft Regional 08.02.2019 17:15
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