Firmen blicken skeptisch in die Zukunft

IHK-Konjunkturumfrage 13 Prozent der befragten Firmen glauben, dass ihre Geschäfte künftig schlechter laufen werden – das sind fünf Prozentpunkte mehr als zu Beginn des Jahres 2018.
  • Die Geschäftserwartungen haben sich zuletzt abgekühlt. Quelle: IHK Ostwürttemberg

Heidenheim

Überwiegend positiv – noch: So bewertet der Großteil der heimischen Wirtschaft die aktuelle Geschäftslage. Das geht aus der jüngsten Konjunkturumfrage der IHK Ostwürttemberg hervor. Demnach verzeichnete fast die Hälfte der befragten Unternehmen Umsatzsteigerungen. Die Ertragslage wird sogar positiver bewertet als in vorigen Umfragen. Die Zukunftserwartungen trüben sich allerdings ein – sind aber in Ostwürttemberg immer noch optimistischer als im Landesdurchschnitt.

Rund 53 Prozent der Unternehmen im Ostalbkreis und dem Kreis Heidenheim bewerten ihre aktuelle Geschäftslage mit „gut“. Von zwei auf vier Prozent stieg der Anteil derjenigen Unternehmer, die ihre Geschäftslage mit „schlecht“ bewerten, innerhalb eines Jahres. Dass die Geschäfte in Zukunft schlechter laufen, glauben 13 Prozent – vor einem Jahr waren es nur acht Prozent.

Die gedämpftere Stimmung setzt sich auch mit Blick auf die Beschäftigung fort. So gehen nur noch 18 Prozent (Vorjahr 25 Prozent) der Betriebe von steigenden Beschäftigtenzahlen in den nächsten zwölf Monaten aus. Ähnlich verhält es sich bei den Auftragseingängen. Auch wenn diese Zahlen im Vergleich zum Herbst 2018 bereits wieder etwas gestiegen sind, gehen dennoch 14 Prozent der Unternehmen (Vorjahr 7 Prozent) von rückläufigen Auftragseingängen aus. Trotzdem erwarten 86 Prozent der Betriebe eine gleichbleibende bis weiter steigende Auftragslage.

Ungewissheit über den Brexit und seine Folgen

Michaela Eberle, IHK-Hauptgeschäftsführerin, bemerkt dazu: „Positiv sind auch die im Vergleich zum Herbst 2018 wieder gestiegen Exporterwartungen und, dass deutlich weniger von Umsatzrückgängen sprechen.“ Erfreulich ist für die IHK-Chefin überdies, dass immer mehr Unternehmen die Digitalisierung als Hauptmotiv für ihre Inlandsinvestitionen nennen. Am meisten Sorgen bereitet den Unternehmen jedoch nach wie vor der Fachkräftemangel.

Die Unternehmen wirtschafteten in einem unruhigen außenwirtschaftlichen Umfeld, so Eberle. Setze sich dies weiter fort, sei mit weiteren Auswirkungen auch auf die regionale Wirtschaft zu rechnen. So zeigten sich erste Auswirkungen des Brexit-Debakels beispielsweise im Bereich der geplanten Investitionstätigkeiten der regionalen Unternehmen. Knapp 23 Prozent mehr Befragte als im Vorjahr gaben an, keine Investitionen im Vereinigten Königreich zu planen. Zudem gab keines der Unternehmen an, dort steigende Investitionen zu tätigen. Im Vorjahr planten dies noch 45 Prozent der Betriebe. 65 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, Waren mit Hilfe digitaler Vertriebskanäle zu vertreiben. Der angegebene Umsatzanteil beläuft sich dabei auf durchschnittlich rund 24 Prozent.

Positiv sind die gestiegenen Exporterwartungen.

Michaela Eberle
IHK-Hauptgeschäftsführerin

Industrie und Bau ausgelastet, Handel mit Problemen

Bezogen alleine auf den Ostalbkreis, zeigt sich eine positivere Ertragslage als noch im Vorjahr. So bewertet mit 54 Prozent über die Hälfte der Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage mit „gut“. Die Umsatzzahlen fallen im Vergleich zur Vorjahresbilanz etwas weniger positiv aus, so sprechen nur noch 43 Prozent von gestiegenen Umsätzen.

Auch die Geschäftserwartungen zeigen sich auf der Ostalb verhaltener als vor Jahresfrist. So sprechen nur noch 21 Prozent von besseren Geschäften. Als größtes Risiko nennen die Unternehmen den Fachkräftemangel, gefolgt von der Inlandsnachfrage auf Platz 2. Je nach Branche zeigen sich Unterschiede:

Die Industrie ist zu 85 Prozent in ihren Kapazitäten hoch ausgelastet. Gegenüber 2018 konnten die Inlandsumsätze bei 57 Prozent der Betriebe gesteigert werden, 13 Prozent verzeichnen Rückgänge. Auch die Auslandsumsätze haben sich im Vergleich zum Vorjahr schwächer entwickelt. Deutlich weniger Betriebe erwarten steigende Auftragseingänge. Als größtes Risiko bewerten 54 Prozent der Industriebetriebe den Fachkräftemangel.

Der Handel sieht seine Geschäftslage weniger positiv als zu Jahresbeginn 2018. Mit 42 Prozent beurteilen weniger als die Hälfte ihre Geschäftslage als „gut“. Auch die Ertragslage hat nachgelassen. Mit rund 33 Prozent bewertet noch ein Drittel der Befragten diese mit gut, das sind 17 Prozentpunkte weniger als noch im Vorjahr. Größtes Risiko bleibe auch hier der Fachkräftemangel, gefolgt von der Inlandsnachfrage. Knapp 60 Prozent der Handelsunternehmen nennen die Digitalisierung als Hauptmotiv bei Inlandsinvestitionen.

Das Baugewerbe: Die positive Bewertung der Geschäfts- und Ertragslage der Branche setzt sich zu Jahresbeginn fort. So sprechen 89 Prozent der Befragten von einer guten Geschäftslage, das sind sogar 22 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Rund 22 Prozent geben an, dass die Bauproduktion gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen ist.

© Wirtschaft Regional 07.02.2019 16:48
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