Die geborenen Schnäppchenjäger

Die Deutschen mögen es billig. Experten haben dafür eine einfache Erklärung.
  • Auch in der Modebranche sind Discounter auf dem Vormarsch. Foto: Guido Kirchner/dpa
Trotz kräftig steigender Löhne und Fast-Vollbeschäftigung: Die Verbraucher lieben es billig. Discounter haben zurzeit in der Bundesrepublik Hochkonjunktur und das längst nicht mehr nur bei Lebensmitteln. In immer mehr Branchen vom Modehandel bis zum Muskelaufbau treiben Billiganbieter die etablierte Konkurrenz vor sich mehr. Die Jeans von Primark, die Wohnzimmer-Dekoration von Tedi oder das Training bei McFit sind vielen längst ebenso selbstverständlich wie der Einkauf bei Aldi.

Für den Handelsexperten Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU in Düsseldorf ist die allumfassende Schnäppchenbegeisterung der Verbraucher einfach zu erklären. „Die Deutschen haben Discount dank Aldi und Lidl von Kindheit an gelernt“, sagt er. Discount stehe in Deutschland dank der beiden Handelsketten für niedrige Preise und akzeptable Qualität. „Das haben die Verbraucher verinnerlicht und das hilft den Discountern auch in anderen Branchen“, ist er überzeugt.

Außerdem treffe der Discount die Gemütslage vieler Bürger. „Wir Deutschen sind schon ein bisschen pragmatisch beim Einkauf. Wenn wir Geld sparen können und die Qualität trotzdem stimmt, greifen wir gerne zu. Der schöne Schein drum herum ist dann nicht so wichtig“, sagt der Marketingexperte.

Vorreiter in Sachen Discount war der Lebensmittelhandel. Hier entfallen inzwischen über 40 Prozent aller Umsätze auf die Discounter. Doch haben die großen Supermarktketten wie Edeka oder Rewe inzwischen gelernt, der Billigkonkurrenz Paroli zu bieten.

Beispiel Mode. Hier haben die Billiganbieter ihren Marktanteil kräftig ausgeweitet. In den vergangenen Jahren hätten die Billiganbieter wie Primark, Kik, Takko oder Zeeman ihre Marktanteil stetig gesteigert.

Beispiel Fitness: Gleich fünf der zehn mitgliederstärksten Fitnessketten sind im Discountsegment positioniert – darunter die ersten drei im Ranking: McFit, Clever fit und FitX.

Bei Möbeln funktioniert das Billig-Konzept mit Preisen noch deutlich unter dem Ikea-Niveau offensichtlich ebenfalls nicht schlecht – siehe Poco. dpa
© Südwest Presse 07.02.2019 07:46
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