VR-Bank Ostalb legt weiter zu

Bilanz der Banken Auch wenn das Zinsergebnis der größten Genossenschaftsbank der Region weiter unter Druck steht, steigt der Gewinn. Die Fusion hat das Institut derweil erfolgreich abgeschlossen.
  • Zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2018 (von links): Vorstand Olaf Hepfer, Aufsichtsratsvorsitzender Claus Albrecht, Vorstandschef Kurt Abele und Vorstand Ralf Baumbusch. Foto: ham

Aalen

Die VR-Bank Ostalb ist 2018 gewachsen und hat obendrein mehr Geld verdient als im Vorjahr. Gar nicht so einfach in Zeiten, da der Zinsüberschuss –die Haupteinnahmequelle der Banken – immer stärker unter Druck steht. „Wir haben dem Niedrigzins die Stirn geboten“, freut sich Vorstandsvorsitzender Kurt Abele über die vorläufigen Bilanzzahlen, über die am Mittwoch Öffentlichkeit und Mitarbeiter informiert wurden.

Konkret stieg die Bilanzsumme im Vergleich zum Vorjahr um rund fünf Prozent auf gut 1,8 Milliarden Euro. Der operative Gewinn erhöhte sich sogar von 13,4 auf 15,8 Millionen Euro. Und das, obwohl das Zinsergebnis der größten Genossenschaftsbank in Ostwürttemberg um 0,4 auf 34 Millionen Euro sank. Dafür erzielte sie mit Provisionen für Beratung und Dienstleistungen 16,5 Millionen Euro Überschuss (im Vorjahr: 13,8 Millionen Euro).

Zinsergebnis könnte um sechs Millionen Euro einbrechen

Sorgenkind bleibt der anhaltende Niedrigzins: „Dadurch könnten uns in den nächsten fünf Jahren fünf bis sechs Millionen Euro im Zinsergebnis fehlen“, fürchtet Abele, der vor einigen Wochen die Nachfolge von Hans-Peter Weber angetreten hat.

2018 war das erste komplette Geschäftsjahr für die VR-Bank Ostalb nach der Fusion der Partner aus Aalen und Schwäbisch Gmünd im Jahr 2017. Der Zusammenschluss ist geglückt – so das einhellige Fazit des Aufsichtsratsvorsitzenden Claus Albrecht und der drei Vorstandsmitglieder, neben Abele sind das Ralf Baumbusch und Olaf Hepfer. Doppelstrukturen seien seitdem abgebaut, Synergien genutzt worden.

Das macht sich bei der Mitarbeiterzahl bemerkbar: Sie sank von 375 auf 366. Allerdings fielen die Stellen im Rahmen von natürlicher Mitarbeiterfluktuation weg, so Abele: Entlassungen gab und gibt es nicht. Die Personalausgaben in der Bankbilanz gingen entsprechend um eine halbe Million Euro zurück. 303 Vollzeitstellen sind momentan bei der VR Bank Ostalb besetzt.

Deren Zahl, so wurde es im Zuge der Fusion vereinbart, soll früher oder später auf 290 sinken. Dann sehe man weiter, so Abele sinngemäß, denn: Wenn die Zinseinnahmen weiter schrumpfen, könnte der Sparkurs verschärft werden. 60 Mitarbeiter sind aktuell in der einstigen Zentralstelle der Volksbank Gmünd beschäftigt: Diese Zahl werde stabil bleiben, bekräftigte Hepfer.

Überhaupt laufe es im ehemaligen Geschäftsgebiet der Gmünder Volksbank überdurchschnittlich gut. Das Geschäft sei hier um rund zehn Prozent gewachsen. Durch die Fusion könne man den Markt besser bearbeiten als noch zu Zeiten der alten Volksbank, so Hepfer. „Durch die Fusion sind wir dort jetzt auch wieder für größere Unternehmenskunden attraktiv“, fügte Markt-Vorstand Baumbusch hinzu.

Bis März gibt es eine Entscheidung über das Filialnetz

Bereits in seiner Neujahrsansprache hatte Abele angekündigt, dass die Bank ihr Netz von 37 Geschäftsstellen – darunter fünf Selbstbedienungs-Filialen – überprüfe. Welche Filialen in SB-Stellen oder reine Beratungsfilialen ohne Service (wie seit 2018 die Geschäftsstelle Aalen-Waldhausen) umgewandelt werden, oder ob Filialen ganz geschlossen werden – all das soll noch im Februar intern beraten und wohl im März öffentlich verkündet werden. „Es wird aber keinen Kahlschlag geben“, betonte Abele. Die Bank trage mit der Umstrukturierung auch einem veränderten Kundenverhalten Rechnung. Die Zahl der Kunden, die Bankgeschäfte ausschließlich in der Filiale abwickeln, nehme ab. Gleichzeitig wachse die Zahl der Kunden die nur digital unterwegs sind und die Zahl der sogenannten „hybriden Kunden“, die sowohl auf das Fern-Banking wie auch die persönliche Beratung setzen. „Wir sind online besser aufgestellt als viele Mitbewerber, sehen aber im persönlichen Kontakt zum Kunden den Schlüssel zum Erfolg“, erläutert Abele, der sein Kreditinstitut als „Omnikanalbank“ versteht.

Wir haben dem Niedrigzins erfolgreich die Stirn geboten.

Kurt Abele
Vorstandschef VR-Bank Ostalb

Die Dividende für die mehr als 55 000 Genossenschaftsmitlieder, über die die Vertreterversammlung am 27. Mai in der Stadthalle Aalen entscheidet, soll nach dem Willen von Vorstand und Aufsichtsrat wie im Vorjahr bei 3,5 Prozent liegen.

Die VR-Bank Ostalb 2018 in Zahlen (in Euro, in Klammern Zahlen des Vorjahres)

  • Bilanzsumme 1,83 Mrd. (1,74)
  • Kundeneinlagen (bilanziell) 1,38 Mrd. (1,28)
  • Kundenkredite (bilanziell) 1,24 Mrd. (1,17)
  • Zinsüberschuss 34 Mio. (34,4)
  • Provisionsüberschuss 16,5 Mio. (13,8)
  • operatives Ergebnis
    15,8 Mio. (13,4)
  • Mitarbeiter 366 (375)
© Wirtschaft Regional 06.02.2019 19:41
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