Markenartikel aus den Regalen verbannt

Rewe, Edeka und Co. sitzen im Kampf mit den Herstellern um den Preis am längeren Hebel.
  • Rewe & Co. liefern sich einen Preiskampf mit Markenartiklern. Foto: Oliver Berg/dpa
Egal ob Nestlé, Unilever oder Red Bull: Die bekannten Markenhersteller stehen unter Druck. Denn die großen Handelsketten wie Edeka oder Rewe ziehen im Umgang mit ihren Lieferanten immer öfter die Daumenschrauben an. Sie verbannen selbst beliebte Markenprodukte wochenlang aus den Regalen, um ihren Preisforderungen Nachdruck zu verleihen.

Obendrein machen sie den Herstellern mit ihren Eigenmarken Konkurrenz und fördern Start-ups, die den Platzhirschen den Regalplatz streitig machen. Zuweilen geht das auch auf Kosten der Kunden, die im Supermarkt vergeblich nach ihren Lieblingsprodukten suchen.

„Es gab schon immer ein Kräftemessen zwischen den Handelsketten und den Herstellern, doch in den letzten Jahren hat die Auseinandersetzung noch einmal extrem an Härte gewonnen“, beobachtet die Handelsexpertin Denise Klug von Retailytics. Denn die Handelsketten haben ihre internationalen Einkaufskooperationen ausgebaut und so ihre Schlagkraft gegenüber der Konsumgüter-Industrie deutlich erhöht.

Auch große Markennamen sind längst nicht mehr vor der Auslistung geschützt. So beendete Kaufland die Zusammenarbeit mit dem Konsumgüterriesen Unilever. Auch andere Handelsketten zeigten sich zuletzt ruppig im Umgang mit ihren Lieferanten. Im vergangenen Jahr stritt Edeka mit dem Lebensmittelriesen Nestlé und boykottierte fast 200 Produkte des Herstellers. Aktuell hat Rewe diverse Artikel des Toilettenpapierherstellers Essity (Zewa) und des Käseproduzenten Bel aus den Regalen verbannt.

Doch machen die Händler den Herstellern nicht nur mit Auslistungen das Leben schwer – sondern auch mit immer aufwendiger gestalteten Eigenmarken. Edeka und Rewe, aber auch Drogeriemarktketten wie DM und Rossmann haben ihr Eigenmarkenangebote zielstrebig ausgebaut. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Billigprodukte. Die Handelsketten expandieren auch in höherwertige Bereiche.

Ganz unschuldig an den Erfolgen der Eigenmarken sind die Markenartikel-Hersteller indes nicht. Denn bei dem Versuch ihre Gewinnmargen zu steigern, knauserten etliche Konsumgüterriesen zuletzt bei den Werbeausgaben. In der Branche wird vielen Markenartiklern außerdem immer wieder Innovationsschwäche vorgeworfen.

„Trendige kleine Nischenmarken haben extrem an Wichtigkeit gewonnen. Sie bieten Ketten wie Edeka oder Rewe die Möglichkeit, sich zu profilieren und junge Kundengruppen anzusprechen, die sonst eher zum Onlineshopping neigen“, beschreibt Klug die Vorteile aus der Sicht des Handels. Erich Reimann
© Südwest Presse 06.02.2019 07:45
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