Spielwaren

Kugelbahn „Gravitrax“ schiebt den Umsatz an

In einem stagnierenden Markt legt der Spieleverlag zu. Der Vertrieb wird umstrukturiert.
Wer schon immer mal einen Firmenchef beim Luftgitarre-Spielen mit einem Plüschgeier in der Hand sehen wollte, für den war das Pressegespräch des Spieleherstellers Ravensburger im Vorfeld der Spielwarenmesse in Nürnberg ein Volltreffer. Toi+ ist ein Konsolenspiel ohne Display – es soll Kinder in deutschen Haushalten in Bewegung bringen.

Natürlich hofft man bei dem Mittelständler aus Oberschwaben, mit Toi+ wieder einen großen Wurf zu landen. Denn auch wenn die Klassiker wie „Memory“ oder „Das verrückte Labyrinth“ viel zum Umsatz beitragen, braucht es immer wieder Innovationen. Der letzte Coup der Ravensburger war die Konstruktionskugelbahn „Gravitrax“. Sie ist seit 2017 in Deutschland erhältlich und wurde im vergangenen Jahr in Europa und den USA mehr als zwei Millionen Mal verkauft und bescherte damit „ein sehr schönes Wachstum“, so Finanzvorstand Hanspeter Mürle.

Der Umsatz der Ravensburger Gruppe ist im vergangenen Jahr währungsbereinigt um knapp 5 Prozent auf 491,2 Mio. EUR gewachsen. Damit habe sich Ravensburger positiver als die internationalen Spielwarenmärkte entwickelt, die überwiegend stagnierten, so Vorstandschef Clemens Maier.

Pleiten im Handel belasten

Deutliche Zuwachsraten kann das Unternehmen vor allem in Deutschland verzeichnen, aber auch in den USA, wo sich Ravensburger durch die Zukäufe der Spieleentwickler Wonderforge und Thinkfun eine stärkere Position aufgebaut hat.

Zu schaffen macht allerdings die Veränderung in der Händlerlandschaft: die Pleiten von Toys ‘R‘ us und einer französischen Kette, die Fusion von Karstadt und Kaufhof – das geht auch an den Spieleherstellern nicht spurlos vorbei. „Das dauert zwei bis drei Jahre, bis sich das ausgeglichen hat“, sagt Maier über die Toys 'R' us-Pleite, die vor allem in Großbritannien spürbar war.

Bis andere Händler in die Lücke stoßen, dauere es. Als Reaktion auf diese Veränderungen ordnet Ravensburger den Vertrieb neu und führt die bislang getrennten Organisationen für Spielwaren und Bücher zusammen. Damit habe der Händler nur noch einen Ansprechpartner. Davon verspricht sich der Verlag freie Kapazitäten, zum Beispiel fürs Marketing. Ob der Umbau Stellen kosten wird, könne er noch nicht sagen, so Maier.

Auf das laufende Jahr blickt der Vorstandschef mit Spannung. Er rechnet mit einem rauen Marktumfeld, das aber die Spielwaren wohl nicht am härtesten treffen werde. Simone Dürmuth
© Südwest Presse 30.01.2019 07:45
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