Kommentar Dieter Keller zur Befristung von Arbeitsverträgen

Auf den Barrikaden

  • Korrespondent Dieter Keller Foto: swp
Insbesondere in Baden-Württemberg sind die Metall-Arbeitgeber auf den Barrikaden. Sie fürchten um das „letzte gut funktionierende Flexibilisierungsinstrument, das in den vergangenen Jahren noch nicht eingeschränkt wurde“, wie Südwestmetall-Chef Stefan Wolf lautstark beklagt: die Möglichkeit, Mitarbeiter mit einem auf maximal zwei Jahre beschränkten Vertrag einzustellen. In größeren Betrieben soll das nur noch bei 2,5 Prozent der Beschäftigten möglich sein.

In der Tat ist insbesondere ein Aspekt, gelinde gesagt, merkwürdig: Ausgerechnet im öffentlichen Dienst sind zeitlich befristete Verträge besonders beliebt. An erster Stelle stehen die Hochschulen, die Assistenten oft nur Zeitverträge geben. Doch ausgerechnet dieser Bereich soll ausgenommen werden, auch wenn Bundesminister schon laut darüber nachgedacht haben, dass das kein Dauerzustand sein kann. Damit müssen sie sich erst durchsetzen, etwa bei den Bundesländern.

Die Arbeitgeber sollten sich aber auch an die eigene Nase fassen: Insbesondere Berufsanfänger bekommen gern zunächst einen Zeitvertrag. Allerdings sollte das Problem mit den wachsenden Fachkräftemangel abnehmen: Wer von Unternehmen umworben wird, braucht sich nicht auf eine Befristung einzulassen. Dumm dran ist allerdings, wer keine gute Ausbildung hat und nur einen Hilfsjob bekommt.
© Südwest Presse 30.01.2019 07:45
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