„Wir stehen zur Präsenz in der Fläche“

Bilanz der Banken Die VR-Bank Ellwangen ist 2018 stark gewachsen, der Zinsüberschuss geht aber zurück. Das Institut verändert sein Dividendenmodell und hält vorerst an der Filialstruktur fest.
  • Von links: Vorstandschef Jürgen Hornung, Aufsichtsratschef Karl Groß, Vorstand Bernd Finkbeiner. Foto: rs

Ellwangen

Die Großwetterlage für die regionalen Banken bleibt angesichts der Minuszinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und steigender Regulatorik schwierig. Das wirkt sich auf die Bilanz der VR-Bank Ellwangen aus. Erstmals ist der Zinsüberschuss, die wichtigste Ertragsquelle einer Bank, zurückgegangen. Der Überschuss sank zum 31.12.2018 um 0,8 Millionen auf 15,2 Millionen Euro. Nichtsdestotrotz hat Bank in allen Bereichen massiv zugelegt.

So stiegen die bilanziell wirksamen Einlagen um zehn Prozent auf 642 Millionen Euro, die ausgegebenen Kredite um starke 7,1 Prozent auf 482 Millionen Euro – obwohl viele Privat- und Firmenkunden die Zeiten der niedrigen (besser formuliert: nicht mehr vorhandenen) Zinsen dazu nutzen, ihre Kredite zu tilgen. „Um dieses Kreditwachstum zu generieren, war ein Neugeschäft von 106 Millionen Euro nötig“, sagt Vorstandschef Jürgen Hornung.

Wie sehr sich die Großwetterlage verändert hat, zeigt sich an dieser Zahl: „Hätten wir diese Einlagen- und Kredit-Volumina im Jahr 2012 erwirtschaftet, läge der Zinsüberschuss um rund fünf Millionen Euro höher“, erklärt Vorstandskollege Bernd Finkbeiner die Auswirkungen der Zinspolitik der EZB.

Negativzins bei großen Einlagen

Die Kennzahlen zeigen aber auch: „Es boomt in der Region Ellwangen“, so Aufsichtsratschef Karl Groß. Einen etwaigen Konjunktureinbruch, den Experten seit Monaten prognostizieren, fürchtet die Bank nicht. Mehr als vier Millionen Euro des Gewinns steckt sie in die Rücklagen, die Gesamtkapitalquote notiert bei mehr als 18 Prozent. Das große Wachstum im Einlagenbereich hat angesichts des fortdauernden Minuszinses Schattenseiten. Salopp formuliert: Die VR-Bank zahlt bei vielen Anlagen drauf. Deshalb wird sie künftig, wie andere Banken es bereits tun, Negativzinsen für besonders große Anlagen berechnen. Eine bestimmte Summe, ab der Negativzinsen fällig sind, definiert der Vorstand nicht. „Das betrifft vor allem institutionelle Anleger, die bei uns ihre Liquidität parken“, sagt Finkbeiner. „Ob wir Negativzinsen verlangen, orientiert sich daran, wie engagiert die Kunden bei uns sind.“

Keine Filialschließungen

Am aktuellen Filialnetz von zehn Niederlassungen wollen Hornung und Finkbeiner festhalten. „Wir stehen zur Präsenz in der Fläche“, sagt Hornung. Damit entspreche man dem Votum der Vertreter. Mit diesen hatten sich Vorstand und Aufsichtsrat im Dezember zu mehreren Strategietagungen getroffen, um den künftigen Kurs der Bank abzustecken. „Wir wollen keine Filialen schließen“, sagt Finkbeiner, fügt aber hinzu: „Letztlich entscheiden unsere Mitglieder und Kunden über die Zukunft der Filialen.“ Denn auch bei der VR-Bank hat man jenen Rückgang der Kundenfrequenz bemerkt, der die Kreissparkasse Ostalb jüngst dazu brachte, das Netz der Niederlassungen zu straffen.

Neues Dividendenmodell

Im vergangenen Jahr zahlte die VR-Bank Ellwangen ihren Mitgliedern für das Geschäftsjahr 2017 eine Dividende von vier Prozent. Eine satte Verzinsung, die in den vergangenen Jahren einige Neu-Mitglieder anlockte, die ansonsten recht wenig mit der Ellwanger Bank anfangen konnten. Deshalb haben Hornung und Finkbeiner ein neues Dividendenmodell eingeführt, das jene belohnt, die auch Konto, Kredite und Anlagen bei der VR-Bank haben. Die Basis-Verzinsung beträgt in diesem Jahr 1,5 Prozent. „Die bekommt jedes Mitglied“, sagt Hornung. „Je aktiver es bei uns engagiert ist, desto höher wird die Dividende.“ Bis zu 9,19 Prozent soll der Zins aufs Geschäftsguthaben in diesem Jahr betragen. Kein theoretischer Wert, wie Finkbeiner betont. „Bis zu 3000 Mitglieder werden diesen Höchstsatz bekommen.“ Die insgesamt ausgezahlte Dividende wird nicht kleiner, rechnet Hornung vor. „Im Jahr 2018 haben wir 580 000 Euro ausgezahlt, in diesem Jahr dürften es rund 620 000 Euro werden.“

Letztlich entscheiden unsere Kunden über die Zukunft der Filialen.

Bernd Finkbeiner
Vorstandsmitglied VR-Bank Ellwangen

Bleibt noch das Problem des rückläufigen Zinsüberschusses, das in den kommenden Jahren nicht kleiner wird. „Wir versuchen, durch Steigerung des Provisionsergebnisses unabhängiger zu werden“, erläutert Hornung. 2018 gelang dies, der Überschuss durch Vermittlungen wuchs um 0,3 Millionen auf 6,4 Millionen Euro. Das alleine reicht jedoch nicht. „Wir wollen einerseits weiter wachsen, andererseits die Kostenseite weiter sehr diszipliniert angehen“, so Finkbeiner. Die Zahl der Mitarbeiter werde weiter sinken, Kündigungen wird es jedoch keine geben. Hornung: „Wir nutzen beim Abbau lediglich die natürliche Fluktuation.“

Die VR-Bank in Zahlen (in Euro, in Klammern Werte 2017)

  • Bilanzsumme 826 Mio. (770)
  • Kundeneinlagen 642 Mio. (585)
  • Kundenkredite 482 Mio. (450)
  • Zinsüberschuss 15,2 Mio. (16)
  • Provisionsüberschuss 6,4 Mio. (6,1)
  • Operatives Ergebnis 7,1 Mio. (7,8)
  • Mitarbeiter 150 (152)
© Wirtschaft Regional 25.01.2019 17:07
361 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?