Rettung für SHW HPCT?

Insolvenz In Königsbronn reifen Pläne, die Gießerei zu retten. Bürgermeister Michael Stütz hofft dabei auf Unterstützung des Landes.
  • Abguss einer Papierkalanderwalze bei SHW in Königsbronn. Foto: Archiv

Königsbronn. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Die insolvente SHW HPCT mit Sitz in Königsbronn soll mit Hilfe des Landes und eines Investors weiter existieren. Wie der Betriebsratsvorsitzende Fred Behr im Gespräch mit der „Heidenheimer Zeitung“ erklärte, gebe es bereits Pläne, wie das Unternehmen mit seinen rund 160 Mitarbeiter aus der Insolvenz gerettet werden könne.

Zwar hängt viel von den Verhandlungen mit den Gläubigern der SHW HPCT ab, aber Behr hofft, den Kaufpreis zu einem Drittel durch das Geld eines Investors zu finanzieren. Zudem hofft er auf eine Vorfinanzierung der Bürgschaftsbank des Landes sowie die Unterstützung der Württembergischen Beteiligungsgesellschaft. Die Belegschaft plant zudem, ein Spendenkonto einzurichten. Wie hoch der Kaufpreis sein wird, ist noch nicht klar, Behr nannte in der HZ drei Millionen Euro. Unterstützung bekommen die Mitarbeiter auch vom Gemeinderat und Bürgermeister Michael Stütz.

Letzterer will sich in einem direkten Schreiben an Ministerpräsident Winfried Kretschmann und dessen Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut wenden und um Hilfe bitten. Stütz hofft auf Sondermittel aus Stuttgart oder zumindest auf die Übernahme von Bürgschaften, damit der Betrieb weitergeführt werden kann.

Stütz sieht Land in der Pflicht

Immerhin sei die SHW nachweislich der älteste Industriebetrieb Deutschlands, „wenn nicht gar Europas“, wie Stütz erklärt. Nicht nur deshalb sieht er das Land in der Pflicht: Baden-Württemberg sei vor dem Verkauf des Unternehmens an MAN mit 49 Prozent der Anteile Miteigner des Betriebs gewesen. Derweil sieht es für das Traditionsunternehmen nicht gut aus. Wie Stütz vom Insolvenzverwalter Martin Mucha erfahren hat, sei die Auftragslage sehr schlecht, die vorhandenen Aufträge reichten nicht aus, um die Firma weiter betreiben zu können.

Wir sind mit vollen Auftragsbüchern raus aus der Insolvenz.

Fred Behr
Betriebsratsvorsitzender

Die SHW HPCT war bereits im vergangenen Jahr in die Insolvenz gerutscht und von der Ulmer Kanzlei Pluta und dem Restrukturierungsgeschäftsführer Marcus Katholing saniert worden, ehe ein Investor, die Rheinische Mittelstandsbeteiligung (RMB), das Ruder im Sommer übernahm.

„Wir sind mit vollen Auftragsbüchern raus aus der Insolvenz“, erklärt Behr, der in der HZ auch die Arbeit des Sanierungsteams lobte. „Unter dem Team Katholing, der das Potenzial des Unternehmens sofort erkannte, begann eine Epoche, die das Unternehmen schon lange nicht mehr erlebt hat“, so Behr. Katholing habe etwa 20 neue Arbeitsplätze geschaffen und die Ausbildung wieder eingeführt. „Mitarbeiter wurden wie Mitarbeiter und nicht wie Schlachtvieh behandelt“, sagte der Betriebsratschef. Nur wenige Monate später war das Unternehmen erneut insolvent.

Im Zuge der finanziellen Probleme der RMB war auch der Verkauf des Standorts in Wasseralfingen geplatzt, Katholing und das Pluta-Team waren vor Vollzug vom Kaufvertrag zurückgetreten, die traditionsreiche Fabrik wird derzeit abgewickelt, alle Mitarbeiter haben bereits die Kündigung erhalten.

© Wirtschaft Regional 24.01.2019 17:33
1523 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?