Kaschke: „Wir brauchen Europa“

Zeiss-Neujahrsempfang Der Vorstandsvorsitzende warnt vor sinkendem Wirtschaftswachstum. Warum sich Zeiss aber vom allgemeinen Trend im 50. Jahr der ersten Mondlandung abkoppeln kann.
  • Beim Neujahrsempfang der Carl Zeiss AG am Montag in Oberkochen. Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Michael Kaschke blickt stolz auf das Geschäftsjahr 2017/18 zurück und kündigt weitere Investitionen in die Standorte Oberkochen und Aalen an. Foto: opo

Oberkochen

Am 21. Juli jährt sich zum 50. Mal die erste Mondlandung. Buzz Aldrin fotografierte Neil Armstrom, de als erster Mensch den Mond betrat – mit einem Zeiss-Sonnar-Objektiv. Deshalb stand beim Zeiss-Neujahrsempfang am Montag die Reminiszenz an dieses Sensationsereignis im Fokus, zumal mit Dr. Sigmund Jähn und Prof. Dr. Ulrich Walter zwei Ehrengäste im Zeiss Forum dabei waren, die schon einmal die Erde aus dem Weltall gesehen haben (Siehe Bericht auf der Ostalb-Seite). Um so bemerkenswerter, dass Prof. Dr. Michael Kaschke im Zeiss-Forum die versammelte Ostalb-Prominenz aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik eindringlich auf ein Zukunftsthema hinwies – die Europawahlen im Mai: „Ich hoffe, dass erkannt wird, wie wichtig Europa für die Prosperität von Deutschland ist.“ Denn alle Konjunkturindikatoren, so der Zeiss-Vorstandsvorsitzende, würden darauf hindeuten, dass das Wachstum zurückgehe und die Verhältnisse schwieriger würden: „Wir kennen die Probleme Handelskrieg zwischen den USA und China, die schwächelnde Konjunktur in China und die Folgen des immer noch nicht geklärten Brexit“. Zeiss sei als globales Unternehmen mit einer Exportquote von 90 Prozent darauf gut vorbereitet und könne sich von der allgemeinen Entwicklung abkoppeln, „weil wir robust sind, weil wir unser Portfolio richtig ergänzt haben weil wir permanent in Forschung und Entwicklung investieren und so einen Technologievorsprung in der Medizintechnik und besonders in der Halbleitertechnik haben“. Zeiss sei dank der EUV-Technologie Treiber des Megatrends Digitalisierung. Aber, sagte Kaschke nicht nur augenzwinkernd: „Wir sehen die Chancen der Digitalisierung, hoffentlich bleibt dennoch manches analog.“

Digital ist eine Chance, aber analog ist auch gut.

Michael Kaschke, Zeiss-Chef

Der Vorstandsvorsitzende setzte die Messlatte fürs Jahr 2019 hoch–- mehr als sechs Milliarden Euro Umsatz, eine EBIT-Quote von 15 Prozent, eine Eigenkapitalquote von 50 Prozent und über 30.000 Mitarbeiter. Für 2018 konnte Kaschke zum neunten Mal in Folge Rekordzahlen präsentieren: 5,8 Milliarden Euro Umsatz (plus neun Prozent), ein operativer Gewinn von 772 Millionen Euro, alle vier Konzernsparten haben dazu positiv beigetragen. Die SMT Halbleiter- und die Medizintechnik ragten heraus und bescherten der Ost-alb einem Job-Boom – in Oberkochen und Aalen hat Zeiss 2018 rund 800 neue Stellen geschaffen. Auch in 2019 würde der Jobzuwachs anhalten, weil die Halbleitersparte den Höhenflug fortsetzt. Kaschke: „Unsere EUV-Technologie ist weltweit führend, wir werden weiter rund elf Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung investieren. Auch in die Stärkung des Portfolios und den Ausbau der Infrastruktur an den Standorten“ Zum Beispiel in den neuen Hightech-Komplex in Jena und den Zeiss Innovationshub KIT in Karlsruhe. „Wir werden auch unsere Bautätigkeit in Oberkochen fortsetzen und dafür bis 2021 rund 250 Millionen Euro in die Hand nehmen, dann haben wir auf der Ostalb in zehn Jahren über eine Milliarde Euro investiert“, stellte Michael Kaschke heraus. Ausgebaut werden auch die Standorte in China und in Indien, in den USA und in den Schwellenländern.

© Wirtschaft Regional 21.01.2019 22:38
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