Gute Stimmung im Einzelhandel

Commerzbank-Studie Händler im östlichen Württemberg sind mit ihrer Lage größtenteils zufrieden. Die Mehrheit verzeichnet mehr Kunden in den Geschäften als noch vor fünf Jahren.
  • Die Konkurrenz durch den Onlinehandel führt nicht dazu, dass den Geschäften die Kunden wegbleiben – das legen zumindest die Ergebnisse der Unternehmerkunden-Studie nahe. Grafik: Michael Leimann
  • Wolfgang Hahn (links) und Johannes Kube von der Commerzbank haben die Studie präsentiert. Foto: Hampp

Aalen

Von Ladensterben keine Spur: Die Stimmung unter den Einzelhändlern im Osten Württembergs ist bestens. Das zumindest geht aus einer Studie hervor, die die Commerzbank in Auftrag gegeben hat. Größtes Problem ist der Fachkräftemangel, von den Kommunen wünschen sich die Händler mehr Parkplätze, und trotz Online-Konkurrenz finden mehr Kunden als früher in die stationären Geschäfte. Gleichzeitig setzt ein hoher Anteil auf das Internet als zusätzlichen Vertriebskanal: Dies sind einige zentrale Ergebnisse der Studie.

Befragt wurden deutschlandweit 3500 stationäre Einzelhändler mit einem Jahresumsatz von bis zu 15 Millionen Euro. Als östliches Württemberg sind der Ostalbkreis und die Kreise Heidenheim, Schwäbisch Hall und Göppingen zusammengefasst: Hier wurden 100 Handelsbetriebe befragt.

83 Prozent der Einzelhändler in Ostwürttemberg beurteilen die aktuelle Geschäftsentwicklung als sehr gut oder stabil. Das sind drei Prozent mehr als im bundesweiten Durchschnitt. Johannes Kube, Leiter der Abteilung Privat- und Unternehmerkunden der Niederlassung Heilbronn der Commerzbank, stellt fest: „Die Stimmung ist exzellent.“ Er führt das auf steigende Einkommen, geringe Arbeitslosigkeit in der Region und niedrige Zinsen zurück, die Geld in die Kassen des Handels spülen. Für das Jahr 2019 sind die schwäbischen Unternehmer mit 72 Prozent optimistischen Zukunftserwartungen etwas vorsichtiger als der Bundesdurchschnitt (75 Prozent).

Als größte Herausforderung nennen die Händler in der Region wie im Bundesdurchschnitt den Fachkräftemangel. „Es ist interessant, dass die Konkurrenz durch Onlinehändler hier erst an zweiter Stelle genannt wird“, sagt Wolfgang Hahn, Gruppenleiter Unternehmerkunden für die Region.

Ebenfalls erstaunlich: 52 Prozent der Händler in Ostwürttemberg verzeichnen in ihren Geschäften mehr Kunden als noch vor fünf Jahren. „Es wird berichtet, dass die Kunden informierter in die Geschäfte kommen“, so Hahn, der hinzufügt: „Wenn sie also keine Fachkräfte im Laden haben und der Kunde mehr weiß als der Verkäufer, haben Sie ein Problem.“

Die Stimmung ist exzellent.

Johannes Kube
Commerzbank

Unter den Wünschen der Einzelhändler an die Kommunen rangieren mehr Parkplätze und ein Ausbau der Breitbandversorgung gleichauf vorne mit jeweils 39 Prozent. 43 Prozent der Unternehmen bieten Rabattaktionen an. 60 Prozent geben an, nur stationär im Ladengeschäft zu verkaufen, 29 Prozent nutzen zusätzlich auch den Online-Handel. Wichtigster Vertriebskanal ist die eigene Website, die weit vor Plattformen wie eBay und Amazon liegt. Zur Kommunikation mit Kunden wird das Netzwerk Facebook am häufigsten genutzt. Bei 43 Prozent der Einzelhändler im Osten Württembergs zahlt die Kundschaft überwiegend per Rechnung. Das sind deutlich mehr als bundesweit (37 Prozent). Es folgen Barzahlung, Girocard, Sepa-Lastschrift und Kreditkarte.

Investitionen werden meist aus laufendem Geschäft finanziert

Jeder fünfte Einzelhändler sucht derzeit einen Nachfolger. Auf die Suche gehen die Unternehmer vor allem in der eigenen Familie oder sie vertrauen persönlichen Empfehlungen.

Von ihren Banken erwarten sich Ostwürttembergs Händler besonders Beratung bei der Planung der Geldanlage (56 Prozent). Hier unterscheiden sich die Ostwürttemberger deutlich vom Bundesdurchschnitt, wo die Berechnung des Unternehmenswerts durch die Banken (49 Prozent, in Ostwürttemberg 30 Prozent) weit gefragter ist als das Thema Geldanlage (37 Prozent).

Ihre Investitionen finanzieren die ostwürttembergischen Händler zu mehr als einem Drittel aus dem laufenden Geschäftsbetrieb, weitere 15 Prozent werden über Rücklagen finanziert. „Nur gut ein Viertel der Gesamtinvestitionen werden von Einzelhändlern in Ostwürttemberg – trotz anhaltend niedriger Zinsen – über Kredite und Leasing finanziert“, teilt die Commerzbank mit.

© Wirtschaft Regional 10.01.2019 16:42
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