Geiger stellt sich für die Zukunft auf

Neubau Das Familienunternehmen erweitert seinen Stammsitz in Aalen – und hat parallel einen Führungswechsel eingeleitet: Die dritte Generation steht in den Startlöchern.
  • Sie leiten das gleichnamige Familienunternehmen: Florian Geiger, Peter Geiger, Sebastian Geiger (von links nach rechts). Foto: Peter Hageneder

Aalen

Noch ist die riesige Halle im Süden des Betriebsgeländes leer. Die hohen weißen Wände weisen die Richtung: Mit dem jüngst fertig gestellten Neubau verschafft sich das Familienunternehmen Geiger den benötigten Raum für das weitere Wachstum. „Auf 2600 Quadratmetern ist Platz für die Neuaufnahme weiterer Produktfelder sowie die Expansion des bestehenden Sortiments“, erklärt Peter Geiger, der als geschäftsführender Gesellschafter das Unternehmen mit seinen Söhnen Florian und Sebastian führt.

Die neue Halle ist 15,3 Meter hoch, 88 Meter lang und 30 Meter breit. Sie wurde in lediglich fünf Monaten fertiggestellt. Unter dem Stahlbetonboden mit Magnesitoberfläche ist ein Sprinklervorratsbehälter mit einer Kapazität von 525 Kubikmeter eingebaut. „Die Brandschutzvorschriften sind sehr streng“, erklärt Peter Geiger.

In Aalen ist das Unternehmen vor allem als Papier-Geiger bekannt. Doch schon längst hat sich das Familienunternehmen, das im kommenden Jahr 70 Jahre alt wird, zu einem Allround-Dienstleister entwickelt, der als Großhändler 40 000 Produkte im Angebot hat. Für seine Gewerbekunden übernimmt Geiger sogar die Aufbereitung von Reinigungstüchern. Möglich macht das nicht nur ein ausgefeiltes Logistiksystem am Standort, sondern eine selbst betriebene Flotte von 44 Lastkraftwagen. Hinzu kommt eine Lagerkapazität von 12 500 Tonnen an den drei Standorten Aalen, Fellbach und Sasbach bei Baden-Baden. Mit diesem Konzept ist Geiger seit Jahren auf Wachstumskurs. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 167 Millionen Euro. Inzwischen sind bei Geiger rund 270 Mitarbeiter beschäftigt. Die bekommen zudem bald neue Chefs.

Peter Geigers Söhne Florian und Sebastian Geiger sind bereits seit einiger Zeit im Unternehmen und sollen kurz- bis mittelfristig die Nachfolge ihres Vaters antreten. Beide sind als geschäftsführende Gesellschafter bereits in der Verantwortung. „Über den genauen Zeitpunkt des endgültigen Stabwechsels entscheiden die beiden selbst“, sagt Geiger senior. „Wenn sie der Meinung sind, sie benötigen meine Unterstützung nicht mehr, ist der Moment gekommen.“ Er sieht den Generationswechsel nüchtern: „Loslassen ist schwer, aber notwendig“, sagt Geiger. „Ohne junge Leute gibt es keinen Wandel in einem Unternehmen. Und der ist überlebensnotwendig für eine Firma.“ Sowohl für Florian wie auch für Sebastian Geiger ist der Schritt in die Verantwortung für das Familienunternehmen folgerichtig. Beide jobbten während ihrer Schul- und Studienzeit im Betrieb, lernten so jede Abteilung kennen. Aber: Beide gingen berufliche Umwege, um dann im elterlichen Betrieb Verantwortung zu übernehmen. „Es war für uns extrem wertvoll, erstmal in anderen Firmen Erfahrungen zu sammeln“, sagt Florian Geiger. Beide Brüder zogen für ein Studium der BWL nach Augsburg, Florian Geiger, 30, schloss mit Diplom ab, um dann seinen Master in Australien zu machen, Sebastian Geiger, 28, absolvierte in der Fuggerstadt zunächst den Bachelor und anschließend den Master. Florian arbeitete nach dem Studium zunächst für die Unternehmensberatung Porsche Consulting im Bereich Papier, ehe er nach Heubach zu Richter Lighting wechselte, wo er als Projektmanager tätig war. Sebastian wiederum zog es nach Neu-Ulm, wo er bei der Kanzlei SGP Schneider Geiwitz an einigen Insolvenzverfahren arbeitete, bis er im Oktober 2017 ins Familienunternehmen einstieg.

Loslassen ist schwer, aber notwendig.

Peter Geiger
geschäftsführender Gesellschafter

Zurück zum Neubau: Mit der Investition rüstet sich Geiger für einen Gesamt-Markt, der immer anspruchsvoller wird. Wie dramatisch sich dieser verändert, wird an der Geschichte des Papierhändler-Verbunds Igepa, zu deren Gründern und Gesellschaftern die Geiger GmbH & Co. KG gehört, deutlich: 1960 wurde der mittelständische Zusammenschluss gegründet, „um den ‚Big Five‘ des Marktes Paroli zu bieten“, wie Peter Geiger erzählt. Allein: Von den Big Five, den fünf ist keiner mehr übrig, Geiger und die Igepa schon.

Das liegt daran, dass sich das Geiger aktuellen Entwicklungen nicht verschließt, sondern sie angeht. „Die Digitalisierung verändert nicht nur den Markt, sondern auch die Unternehmen selbst“, erklärt Florian Geiger. So arbeitet Geiger intensiv an der Digitalisierung der eigenen Prozesse. „Zudem entwickeln wir unsere digitalen Absatzkanäle weiter“, so Sebastian Geiger. Zusätzlich arbeitet Geiger an einer neuen Einkaufsplattform und hat den sogenannten Kreativ-Kampus ins Leben gerufen.

Der Neubau dürfte indes nicht das letzte Kapitel der Expansion der Geigers am Stammsitz in Aalen sein. Wie Peter Geiger verrät, hat sich die Firma bereits in unmittelbarer Nähe ein weiteres Grundstück gesichert.

© Wirtschaft Regional 07.01.2019 18:52
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