Baustoffe aus der Natur

Baubranche Die Zahl der Sand- und Quarzsandwerke in Deutschland sinkt seit Jahren. Die Lang-Gruppe aus Gschwend behauptet sich in einem schwierigen Markt mit Know-how und Innovationen.
  • Inhaber und Geschäftsführer Rüdiger Lang mit seiner Tochter Ramona. Foto: rs

Gschwend

Auf mehrere Hektar erstreckt sich inzwischen das Quarzsandwerk Lang entlang der Straße von Gschwend nach Ruppertshofen. In der riesigen, jüngsten Abbaugrube wirken die Bagger, die Sand, Erde oder Stein Biss um Biss, Schaufel um Schaufel abtragen – und immerhin 50 sowie 100 Tonnen wiegen – wie Spielzeuge. „Das Quarzsandwerk“, sagt Inhaber und Geschäftsführer Rüdiger Lang, „ist noch immer das Herz unseres Unternehmens.“ Doch der Abbau von Sand und Quarzsand ist kein einfaches Geschäft. Sand wird als Rohstoff knapp. Viele Vorkommen sind erschöpft, die Zahl der Sand- und erst recht die der Quarzsandwerke sinkt seit Jahren. Hinzu kommt: „Wir befinden uns in einem schwierigen Abbaugebiet“, erklärt Lang. Der Abbau in einem Stubensandsteingebiet wie jenem in Gschwend ist aufwendig.

Und so hat das Familienunternehmen, das insgesamt rund 40 Mitarbeiter beschäftigt, mehrere Standbeine aufgebaut – und ist in den vergangenen Jahren zu einer wachsenden Firmengruppe geworden, die längst mehr als Quarzsand und Substratböden im Angebot hat. Unter dem Markennamen Naturafix entwickeln, produzieren und vertreiben die Langs seit einigen Jahren Naturbaustoffe. Besonders stolz ist man auf den innovativen, flüssigen Verfüllbaustoff, einem Bodenmörtel der vor allem im Kanal- und Tiefbau zum Einsatz kommt. Gegenüber Beton hat der Baustoff den Vorteil, nicht auszuhärten, dem Schotter wiederum ist er voraus, da er jeden Hohlraum, etwa unterhalb verbauter Rohre, ausfüllt. Der Clou dabei: Hergestellt wird der Bodenmörtel aus Waschschlämmen, die entstehen, wenn der Sand aus dem abgebauten Material herausgewaschen wird. „Waschschlämme sind ökologische Abfälle, deren Lagerung aber ob des großen Volumens aufwendig und ein großer Kostenfaktor ist.“

Aus der Not haben die Langs also nicht nur eine Tugend gemacht, sondern ein neues Produkt. Da die deutschen Vorkommen an Bentonit, einem Baustoff mit ähnlichen Eigenschaften, früher oder später zur Neige gehen werden, ist sich Lang sicher: „Bodenmörtel ist einer der Baustoffe der Zukunft.“ Unter dem Namen Naturafix entwickelt, fertigt und vertreibt Lang zudem weitere ökologische Baustoffe wie Fugenmörtel, Bodenoptimierer, Spielsand und Design-Putze. Neu im Lang-Programm ist etwa Katzenstreu.

Der Bodenmörtel wiederum kommt aktuell bei einem Projekt der Superlative zum Einsatz. In der Nähe von Gaildorf sind mit einer Höhe von fast 250 Metern die größten Windräder der Welt entstanden. Deren Energie soll bald in einer riesigen Wasserbatterie gespeichert werden, beim dazugehörigen Rohrleitungsbauprojekt werden die Baustoffe von Lang verbaut.

Bodenmörtel ist ein Baustoff der Zukunft.

Rüdiger Lang
Chef Quarzsandwerk Lang

Das Stammgeschäft Quarzsand floriert ebenso. Lang ist über die Region bekannt, versorgt etwa Sport-, Golf-, Tennis- sowie Spielplätze bis in den österreichischen und den Schweizer Raum hinein mit Sand aus Gschwend. Die Substratböden erfreuen sich ähnlicher überregionaler Beliebtheit. Der Grund: „Der Substratmarkt ist eine unserer Stärken. Hier kommt es auf die perfekte Mischung der Böden an, eine unserer Spezialitäten“, erklärt Lang. Die Landesgartenschauen in Schwäbisch Gmünd und Öhringen orderten bei ihm ebenso Böden.

Zunächst betrieb die Familie Lang das Sandwerk viele Jahre parallel zu einem Bauernhof, ehe sich die Familie 1960 auf den Sandabbau konzentrierte. Anfangs versorgte Lang die örtlichen Maurer und Gipser, 1982 stieg Rüdiger Lang in den elterlichen Betrieb ein. Damals verarbeitete man rund 20.000 Tonnen an Stoffen pro Jahr, 2017 waren es rund 400.000. Entsprechend komplex ist die Produktion geworden. „Wir haben deshalb bereits eigene Anlagen entwickelt, um effektiver produzieren zu können.“ Auch dieses Know-how geben die Langs weiter und vertreiben Garten- und Landschaftsbaugeräte.

Die Geschäfte laufen gut, deshalb expandiert das Unternehmen auch in räumlicher Hinsicht. Bereits seit 2010 übernahmen die Langs einen rund 30.000 Quadratmeter großen Teil des ehemaligen, brach liegenden Holzwerks von Pfleiderer in Gschwend, um dort die Produktion und Logistik für Naturafix unterzubringen. Der Platz wurde zu knapp, inzwischen gehört das 100.000 Quadratmeter große Areal komplett zur Firmengruppe. Einen Teil der Fläche bewirtschaftet sie als Gewerbepark, den anderen nutzt sie zum Ausbau der Produktion: Über den Winter soll zum Beispiel eine vollautomatische Schlauchbeutelanlage in Betrieb genommen werden, die über 800 Säcke pro Stunde füllen kann – inzwischen sind die Naturafix-Baustoffe aus Gschwend bundesweit in Baumärkten zu erwerben.

© Wirtschaft Regional 28.12.2018 19:40
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