Was der Guss alles kann

Fachtagung Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft nehmen beim 43. Barbara-Kolloquium an der Hochschule Aalen neue Gießerei-Trends unter die Lupe.
  • Lothar Kallien (Vierter von links) im Kreise aller Referenten des 43. Barbara-Kolloquiums an der Hochschule Aalen. Foto: Hochschule Aalen/ Kilian Böhm

Aalen

Das 43. Barbara-Kolloquium an der Hochschule Aalen werten die Veranstalter als vollen Erfolg. Das jährlich im Dezember stattfindende Barbara-Kolloquium ist für Gießerei-Experten eine Pflichtveranstaltung zum Austausch und zur Weiterbildung. Weit mehr als 200 angereiste Vertreter der Gießereibranche und Studierende besuchten die Veranstaltung.

Bei seiner Begrüßung hob der Rektor der Hochschule Aalen, Professor Dr. Gerhard Schneider, die Bedeutung von 3D-Druck und Elektromobilität für die Zukunft hervor. Die Hochschule trage dem beispielsweise durch das Forschungsprojekt SmartPro Rechnung, das in Kooperation mit der Industrie Themen rund um die Elektromobilität und den Leichtbau behandelt.

Im Anschluss stellte Professor Dr. Lothar Kallien den neuen Computertomographen des Gießereilabors vor. „Ohne Computertomograph ist der Gießer blind“, betonte er dessen Wichtigkeit für die Forschungsarbeit. Kallien verabschiedete Renate Schnepf, die langjährige Studiengangssekretärin, die nach 40 Jahren an der Hochschule in den Ruhestand geht.

Im ersten Teil des Programms stellten Referenten aus Wirtschaft und Wissenschaft unterschiedliche Gebiete vor. Dr. Christoph Dörr von Trumpf referierte über die Chancen, die durch den 3D-Druck im Formenbau für den Druckguss entstehen. Anhand eines Druckguss-Einsatzes zeigte er die Vorteile auf, die durch die Fertigung im Laser-Metal-Fusion-Verfahren erzielt werden können.

Ohne Computertomograph ist der Gießer blind.

Prof. Dr. Lothar Kallien
Hochschule Aalen

Nachfrage nach Hybridfahrzeugen steigert Gussproduktion

Zum Einfluss der Elektromobilität auf die Gussproduktion und die Fertigungstechnologien äußerten sich Professor Dr. Lothar Kallien, Leiter des Gießereilabors der Hochschule Aalen, und Dr. Christian Wilhelm von der Firma Foundry Consulting and Solutions. Kallien begann mit einer Analyse der Gussbauteile im Automobil mit unterschiedlichen Antriebskonzepten. Dabei betrachtete er den Verbrennungsmotor, den Plug-in-Hybrid und den reinen Elektromotor. Bei vollelektrischen Fahrzeugen sinke im Antriebsstrang die Anzahl der Gussteile und damit das Gewicht der Gussteile um durchschnittlich 44 Prozent im Vergleich zum Verbrennungsmotor. Beim Hybrid hingegen steige das Gewicht der Gussteile aufgrund der doppelten Motorisierung um rund 20 Prozent im Vergleich zum Verbrennungsmotor. Er prognostizierte eine Steigerung der Gussproduktion. Auch Dr. Christian Wilhelm stellte Prognosen zur Entwicklung der Gussproduktion vor. Er sieht Potenzial für die Gießereiindustrie im Ausbau der Infrastruktur für Elektromobilität.

Beendet wurde die Vortragsreihe von Dr. Thomas Niehoff von der Linde AG. Er stellte ein neues Verfahren zum Schmelzen von Aluminium vor. Anschießend gaben die Studierenden wie jedes Jahr einen kurzen Überblick über ihre Projekt-, Bachelor- und Masterarbeiten: Die Themen reichten von Salzkernen im Druckguss über das Kriechverhalten einer Zinklegierung bis hin zur Untersuchung verschiedener Trennmittel im Druckguss. Ihre Arbeiten präsentierten Dominik Flierl, Axel Kansy, Felix Dreher, Tobias Frank, Kilian Böhm, Meike Ahlborn und Ardian Cacaj.

Nach den Vorträgen der Fachreferenten und Studenten bildete der Gießerabend den Ausklang, bei dem wie alljährlich ein reger Erfahrungsaustausch zwischen den Gießern stattfand. Auch bei den Studierenden fand die Veranstaltung großen Anklang und demonstrierte, welche Möglichkeiten den Absolventen in der Gießereibranche offen stehen.

© Wirtschaft Regional 21.12.2018 11:27
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