Kommentar Christian Kerl zum Verbot von Wegwerfartikeln

Nur eine Schwachstelle

Das Paket gegen Plastikmüll sieht auf den ersten Blick aus wie eine Steilvorlage für EU-Kritiker: Haben nicht die Brüsseler Beamten wieder getan, was sie am besten können – verbieten und kräftig regulieren?

Falsch. Erstens haben nicht Bürokraten, sondern die Regierungen und Abgeordneten aller 28 EU-Staaten die neuen Vorschriften beschlossen. Zweitens ist das Problem, das hier angegangen wird, unbestritten: Die Plastikflut nimmt weltweit bedrohliche Ausmaße an, die Ozeane werden zu schwimmenden Müllhalden. Und drittens ist das Verbot von ausgewählten Plastik-Wegwerfartikeln darauf noch eine sehr behutsame Antwort.

Aus dem Verkehr gezogen wird ja nur, was sich problemlos und preisgünstig ersetzen lässt. Wer das Ganze deshalb als Symbolpolitik abtut, unterschätzt die Signalwirkung des Einweg-Banns und übersieht zugleich die anderen Teile des Plastikpakets. Kunststoff-Müll vermeiden und mehr recyceln – darum vor allem muss es gehen.

Gut, dass die EU dafür zwar Ziele vorgibt, aber vieles den Mitgliedstaaten überlässt. Die sollten ihren Spielraum indes auch nutzen, um eine Schwachstelle der Plastik-Initiative zu überprüfen und dann zu korrigieren: Dass Hersteller zahlen sollen, wenn achtlose Verbraucher ihre Produkte nicht ordentlich entsorgen, löst keine Probleme, sondern schafft nur neue.
© Südwest Presse 20.12.2018 07:45
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