Zeiss erneut mit Rekordjahr

Bilanz Die Zeiss AG schließt das Geschäftsjahr 2017/18 mit einem satten Wachstum ab. Auf der Ostalb hat der Konzern hunderte Stellen geschaffen. Weitere sollen folgen, der EUV-Technologie sei Dank.
  • Strahlende Gesichter dank guter Zahlen – von links: Konzernsprecher Jörg Nitschke, Vorstandschef Prof. Dr. Michael Kaschke sowie Finanzchef Dr. Christian Müller. Foto: Manfred Stich

Oberkochen

Der Zeiss-Konzern ist weiter auf Wachstumskurs. Zum neunten Mal in Folge präsentierte Vorstandschef Prof. Dr. Michael Kaschke Rekordzahlen. Der Umsatz des Oberkochener Unternehmens wächst auf rund 5,8 Milliarden Euro – ein sattes Plus von neun Prozent. Dieses wäre sogar größer ausgefallen, doch der starke Euro und die schwankenden Währungen, etwa in den USA, Brasilien oder Indien, wirkten sich negativ auf Umsatz und Ertrag aus.

Dennoch hat Zeiss beim operativen Gewinn (Ebit) mit 772 Millionen Euro eine neue Rekordmarke aufgestellt. „Alle vier Konzernsparten haben zu diesem hervorragenden Ergebnis beigetragen“, sagt Kaschke. Jedoch sticht ein Konzernbereich heraus: die Halbleitersparte SMT. Das hat auf der Ostalb zu einem echten Job-Boom geführt.

Allein im vergangenen Jahr hat Zeiss an den Standorten in der Region 700 neue Stellen geschaffen, der Großteil entfällt auf die SMT. „Auch im kommenden Jahr werden wir wieder Arbeitsplätze schaffen“, sagt Kaschke. 2019 sei auf der Ostalb mit rund 500 neuen Jobs zu rechnen. Der Grund: Die Halbleitersparte setzt ihren Höhenflug nach zuvor mauen Jahren weiter fort. Im Geschäftsjahr 2017/18 wuchsen die Erlöse um 26 Prozent auf rund 1,5 Milliarden Euro. Vor allem die gestiegene Nachfrage nach hochmodernen EUV-Anlagen, mit denen Computer-Chips in noch winzigeren Maßen hergestellt werden, steigt. Die drei größten Halbleiterhersteller der Welt haben Anlagen geordert. „Das Investitionsklima ist unverändert positiv“, erklärt Kaschke. Sein Unternehmen profitiert von den Kapazitätsausweitungen in der Branche.

Kaschke geht davon aus, dass der Umsatz der SMT weiter stark wachsen wird, man sei im Bereich EUV aktuell weltweit führend. Dennoch steht bereits die nächste Innovation im Halbleiterbereich an. Unter dem Namen „High-NA-EUV“ forscht Zeiss an der nächsten Generation der Chip-Anlagen. Bis 2025 wird der Konzern eine ähnliche Summe in diese Technologie investieren wie in die aktuelle EUV-Generation: mehr als eine halbe Milliarde Euro.

Parallel fließen hunderte Millionen Euro in den Ausbau der weltweiten Standorte: seit 2011 rund 700 Millionen Euro nach Oberkochen, 300 Millionen Euro nach Jena in einen neuen Hightech-Standort sowie jüngst 40 Millionen Euro in eine neue Fabrik in der Nähe von Detroit in den USA. Dank eines Eigenkapitals von 3,76 Milliarden Euro und einer Nettoliquidität von mehr als zwei Milliarden ist Zeiss zudem aktiv auf der Suche nach neuen Firmen. „Wir schauen uns schon länger um“, so Kaschke. „Aber wir können warten.“ Bereits im zurückliegenden Jahr hat Zeiss einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in Firmenübernahmen investiert.

„Diese Investitionsstrategie ist einer der Grundpfeiler unseres Wachstumskurses“, betont Kaschke. Zudem hat der Konzern seine Präsenz in Karlsruhe, Shanghai sowie Bangalore ausgebaut. „Zeiss ist ein globales Unternehmen. Wir wollen die weltweiten Wachstumspotenziale noch stärker ausschöpfen.“ Parallel dazu arbeite man an der Effizienz und Produktivität. Dazu gehören auch Einsparungen an den Standorten Göttingen und Wetzlar, wo Zeiss Stellen in der unter Druck stehenden Sport-Optik-Sparte abbaute.

Den Großteil des Umsatzes erwirtschaftet Zeiss im Ausland, die Exportquote liegt bei 90 Prozent. Im vergangenen Geschäftsjahr löste China mit einem Umsatz von 700 Millionen Euro Deutschland als zweitwichtigsten Markt für Zeiss ab. Im wichtigsten, den USA, haben die Oberkochener nach durchwachseneren Jahren zugelegt. Zudem entwickelten sich Indien, Brasilien und Mexiko gut. Ohnehin sind die Schwellenländer für Zeiss wichtige Absatzgebiete: Der Umsatz wuchs hier um 14 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro.

Das nächste Ziel hat Zeiss-Chef Prof. Dr. Michael Kaschke fest im Blick: Die Sechs-Milliarden-Euro-Umsatzmarke will der Konzern bereits im laufenden Geschäftsjahr knacken – und die Zahl der Mitarbeiter soll 30 000 übersteigen. Dennoch sagt Kaschke: „Die Unsicherheiten in der Weltwirtschaft nehmen zu. Deshalb arbeiten wir weiter an unserer Widerstandsfähigkeit. Wir sind gut gerüstet, um den Risiken zu begegnen.“

Zeiss in Zahlen, Geschäftsjahr 2017/18, in Mio. Euro (in Klammern Zahlen des Vorjahres)

  • Umsatz 5817 (5348)

davon…

Zeiss ist ein globales Unternehmen.

Prof. Dr. Michael Kaschke
Vorstandschef Zeiss

…SMT 1531 (1212)

…Medical 1546 (1427)

…Quality Research 1549 (1538)

…Consumer (Zeiss Vision) 1106 (1108)

  • Ebit 772 (770)
  • Ebitda 1014 (985)
  • Auftragseingang 6046 (5650)
  • Mitarbeiter 29.309 (27.000)
  • F&E-Ausgaben 642 (552)
  • Eigenkapital 3763 (3429)
  • Nettoliquidität 2120 (1986)
© Wirtschaft Regional 18.12.2018 16:09
928 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?