SHW CT schließt Werk

Der Verkauf an einen Investor ist gescheitert. Die Fabrik in Wasseralfingen hat keine Zukunft mehr. 150 Arbeitsplätze gehen verloren.
  • Ein Stück baden-württembergischer Industriegeschichte geht nach mehr als 650 Jahren zu Ende: das Werk der SHW CT in Wasseralfingen schließt

Der Schock sitzt tief am Standort der SHW CT in Wasseralfingen: Die Fabrik stellt ihren Geschäftsbetrieb in den kommenden drei Monaten ein. Diese Entscheidung habe der Gläubigerausschuss in einem einstimmigen Beschluss mit Zustimmung des Sachwalters getroffen, so ein Sprecher der Kanzlei Pluta, die die Insolvenz betreut hat. Gründe seien etwa fehlendes Interesse von Investoren an einer Übernahme sowie ein erheblicher Auftragseinbruch in den vergangenen Wochen. Den 150 Mitarbeitern wird gekündigt.

Laut SHW-CT-Sanierungsgeschäftsführer Marcus Katholing habe man in den vergangenen Tagen unter Hochdruck an einer Lösung gearbeitet. „Wie sich herausstellte, waren die Rahmenbedingungen für dieses Unterfangen allerdings zu schwierig.“ In den vergangenen Tagen habe sein Team zahlreiche Gespräche mit potenziellen Investoren geführt, die allerdings kein Interesse an einer Übernahme zeigten. Kunden hatten keine neuen Aufträge mehr vergeben. „Wir haben in den vergangenen Tagen mit allen wichtigen Kunden gesprochen“, so Katholing weiter. „Die Reaktion war leider sehr verhalten und die Zukunftsaussichten sehr ernüchternd.“ Zudem habe ein Großkunde, der für einen Großteil des Umsatzes verantwortlich ist, das Auftragsvolumen in erheblichem Umfang reduziert. Katholing: „Damit ist ein dauerhafter wirtschaftlicher Betrieb nicht möglich.“

Roland Hamm, Erster Bevollmächtigter der IG Metal, reagierte betroffen: „Mit der Schließung geht ein Stück baden-württembergischer Industriegeschichte zu Ende“, sagte er. Im Betrieb herrsche eine „gedrückte Stimmung“. Die IG Metall habe sofort Kontakt zu Firmen in der Region aufgenommen, um SHW-CT-Beschäftigte zu vermitteln. Einige Unternehmen hätten bereits positiv reagiert. Dennoch sei es „eine schwierige Situation“.

Aalens OB Thilo Rentschler erklärte: „Es ist mehr als bedauerlich, dass dieser Traditionsbetrieb, der wie kein zweiter die Montanindustrie in der Region verkörpert, seine Produktion nun einstellen wird.“ Er hoffe und wünsche, dass möglichst viele der SHW-CT-Mitarbeiter rasch in anderen Firmen in der Raumschaft einen neuen Arbeitsplatz finden.

In Wasseralfingen läuft der Geschäftsbetrieb im ersten Quartal 2019 noch weiter, um die bestehenden Aufträge abzuarbeiten. Mit dem Betriebsrat soll ein Interessenausgleich und Sozialplan verhandelt werden. Anschließend, wohl noch vor Jahreswechsel, werden die Kündigungen zugestellt. Katholing: „Diese Nachricht schmerzt. Unsere Mitarbeiter haben in den vergangenen Monaten immer ihr Bestes gegeben und außergewöhnliches Engagement gezeigt. Dass wir das Unternehmen nach dem geplatzten Verkauf nun stilllegen müssen, tut sehr weh.“

Die Eigenverwaltung war erst vor wenigen Tagen vom Kaufvertrag mit dem Investor RMB zurückgetreten. Betroffen vom Nicht-Verkauf war auch die Machining Technologies (MT) in Königsbronn, die RMB ebenso übernehmen wollte. Grund für das Scheitern des Verkaufs waren wirtschaftliche Schwierigkeiten der RMB. Zuvor musste die Hulvershorn Eisengießerei, die ebenfalls zur RMB gehört, Insolvenz anmelden. „Die Lage hat sich in den vergangenen Wochen zugespitzt, sodass wir vom Kaufvertrag zurücktreten müssen“, erklärte Katholing. Die Übernahme des Werks in Königsbronn durch die RMB und ihre neu gegründete Tochterfirma SHW High Precision Casting Technology war da bereits vollzogen.

Hoffnung auf Rettung
Königsbronn. Auch der ehemalige SHW-CT-Standort mit aktuell 162 Mitarbeitern in Königsbronn musste vor einigen Tagen erneut Insolvenz anmelden. Die Fabrik war vor wenigen Monaten von jenem Investor übernommen worden, der das Werk in Wasseralfingen kaufen wollte. Die Fabrik firmiert seither unter dem Namen SHW High Precision Casting Technology GmbH. In Königsbronn ist die Lage jedoch besser als in Wasseralfingen. Wie Insolvenzverwalter Martin Mucha im Gespräch mit dieser Zeitung erklärte, verfüge der Standort über „ausreichend Aufträge“. Es gelte nun, den Materialfluss wiederherzustellen. Die Löhne und Gehälter der 162 Mitarbeiter sind über das Insolvenzgeld der Arbeitsagentur bis Februar gesichert. Zudem bestehe bei den Hauptkunden der Fabrik ein „großes Interesse“ daran, das Werk zu erhalten. Angeblich soll vor allem dem Voith-Konzern daran gelegen sein, dass der Standort erhalten bleibt.

 

© Wirtschaft Regional 14.12.2018 10:33
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