SHW CT: Übernahme gescheitert

Gießerei Die RMB-Gruppe wollte das Werk in Wasseralfingen übernehmen. Doch der Investor hat massive finanzielle Probleme. Die Lage im Königsbronner Werk spitzt sich derweil zu.
  • Bei SHW CT in Wasseralfingen beginnt die Suche nach einem investor aufs Neue. Foto: opo

Wie ein Sprecher der Kanzlei Pluta erklärte, ist die Eigenverwaltung der insolventen Unternehmens vom Kaufvertrag mit dem Investor, der Rheinischen Mittelstandsbeteiligungs GmbH (RMB), zurückgetreten. Das Werk war in den vergangenen Monaten von Pluta-Manager und Sanierungsgeschäftsführer Marcus Katholing geführt und saniert worden. Betroffen ist auch die Machining Technologies (MT) in Königsbronn, die RMB ebenso übernehmen wollte. Derweil spitzt sich die Lage in der SHW CT-Fabrik in Königsbronn zu. Diese gehört bereits dem Investor.

Grund für das Scheitern der Verkaufs sind wirtschaftliche Schwierigkeiten der RMB. Vor kurzem musste die Hulvershorn Eisengießerei, die ebenfalls zur RMB-Gruppe gehört, Insolvenz anmelden (wir berichteten). „Die Lage hat sich in den vergangenen Wochen zugespitzt, sodass wir nun vom Kaufvertrag zurücktreten müssen“, erklärt Marcus Katholing. „Für die engagierten Mitarbeiter tut mir das sehr leid.“ Roland Hamm, Erster Bevollmächtigter der IG Metall, sagt: „Wir bedauern die Entwicklung außerordentlich und setzen alles daran, dass sich das Werk von diesem schweren Schlag wieder erholt.“ Die Entscheidung des Insolvenzverwalters sowie des Gläubiger-Ausschusses, den Verkauf abzusagen, sei angesichts der Vorgänge rund um den Investor richtig.

In Wasseralfingen und bei der MT in Königsbronn läuft der Geschäftsbetrieb derweil weiter. Das Team um Katholing wolle nun daran arbeiten, eine Lösung für beide Unternehmen zu finden, teilt ein Sprecher der Kanzlei mit. Die Voraussetzungen seien aber „sehr schwierig“. Zahlreiche Kunden verhielten sich „sehr zurückhaltend“ bei der Vergabe von neuen Aufträgen. Der Auftragseingang sei „sehr niedrig“.

Zudem habe im vergangenen Monat ein Großkunde, der für einen Großteil des Umsatzes verantwortlich ist, das Auftragsvolumen deutlich reduziert. Katholing: „Wir werden nun schnellstmöglich mit allen Kunden sprechen, um die Situation wieder zu stabilisieren. Das Vertrauen der Kunden ist nun ausschlaggebend.“ Zugleich will Katholing Gespräche führen, ob eine anderweitige Investorenlösung möglich ist, heißt: einen neuen Käufer für das Werk in Wasseralfingen finden.

Rettungspaket für Königsbronn

Das Vertrauen der Kunden ist ausschlaggebend.

Marcus Katholing
Kanzlei Pluta

Noch angespannter ist die Situation derweil im SHW-CT-Werk in Königsbronn. Problem: RMB hat die Fabrik sowie den kompletten Geschäftsbetrieb mit 163 Mitarbeitern inklusive der Immobilie bereits übernommen. Eine Rückabwicklung des Verkaufs ist nicht möglich.

Wie aus Unternehmenskreisen zu erfahren war, sollen auch hier die ehemaligen Sanierer um Marcus Katholing an einem Rettungspaket arbeiten – und das, obwohl der Standort bereits den RMB-Investoren Rainer J. Langnickel und Dr. Jan Hückel gehört. Die Lage sei zwar schwieriger als in Wasseralfingen, allerdings bestünde noch Hoffnung für die Traditionsfabrik. RMB hatte das Werk in Königsbronn zum 1. Juli 2018 übernommen, also gut ein Jahr, nachdem das Unternehmen SHW CT Insolvenz angemeldet hatte.

In der Zwischenzeit, so die Kanzlei Pluta, habe man die Firma saniert und schlussendlich „mit vollen Auftragsbüchern“ an den Investor übergeben. „Deshalb ist die Entwicklung beim Käufer überraschend“, so der Sprecher der Kanzlei weiter. So sei die erste Teilzahlung durch den Investor bereits vor Abschluss des Kaufvertrages auf ein Treuhandkonto getätigt worden. Dies habe man als sehr positiv bewertet. Der gesamte Kaufpreis wurde auf mehrere Teilzahlungen verteilt. Die letzte Rate stehe allerdings noch aus. Bereits zuvor, Anfang Oktober 2018, war bekannt geworden, dass RMB auch die SHW-CT-Firmen in Wasseralfingen und die MT in Königsbronn übernehmen wolle. „Zum damaligen Zeitpunkt war der Investor allen finanziellen Verpflichtungen aus dem anderen Kaufvertrag mit der SHW CT in Königsbronn vollständig nachgekommen“, heißt es bei Pluta. Ein anerkannter Übernahmeexperte hätte den Verkaufsprozess zudem begleitet und auch die Bonität des Investors bestätigt.

Die aktuelle Entwicklung ist für die mehr als 300 Mitarbeiter an den Standorten doppelt bitter, denn: „Seit der Antragstellung vor 16 Monaten verlief das Verfahren sehr positiv“, erklärt Sachwalter Prof. Dr. Martin Hörmann. „Die hervorragende Arbeit der Eigenverwaltung wird nun durch die aktuelle Situation beim Investor überschattet. Das ist sehr schade und bedauerlich.“

© Wirtschaft Regional 04.12.2018 14:48
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