IHK hebt Mitgliedsbeiträge an

Herbstsitzung Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Ostwürttemberg stimmt einer Erhöhung der Umlage zu. Warum die Mitglieder künftig mehr bezahlen müssen.
  • Bei der Sitzung der IHK-Vollversammlung waren die Vizepräsidenten Brigitte Wagenblast und Rudi Feil, IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaele Eberle, IHK-Präsident Markus Maier sowie die Vizepräsidenten Dr. Jörg S. Rieger und Ulrich Betzold (von links) zugegen. Fotos: IHK
  • Noch-Hartmann-Chef Andreas Joehle hielt einen Gastvortrag.

Heidenheim

Die IHK Ostwürttemberg erhöht ihre Beiträge. Das hat jetzt die Vollversammlung der Kammer beschlossen. Statt bisher 0,17 Prozent bezahlen die Mitgliedsunternehmen künftig 0,26 Prozent ihres Gewerbeertrags als gewinnabhängige Umlage. Die Grundbeiträge werden beibehalten. Im IHK-Präsidium folgt aus dem Zeiss-Vorstand Dr. Matthias Metz auf Thomas Spitzenpfeil.

Als einen Grund für die Beitragserhöhung führte das Präsidium an, dass die IHK bereits seit Jahren regelmäßig auf Rücklagen zurückgreifen müsse, diese aber in einem Umfeld niedriger Zinsen nicht weiter belasten möchte.

„Das Präsidium ist der Auffassung, dass dieser Vorschlag eine ausgewogene Balance herstellt zwischen der notwendigen finanziellen Grundlage für die IHK Ostwürttemberg und dem berechtigten Interesse aller IHK-Mitglieder auf niedrige Beiträge bei gleichzeitig voller Leistungsfähigkeit“, erklärte IHK-Präsident Markus Maier. IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle ergänzte: „Dieser Umlagesatz ermöglicht es uns, die verbliebenen Rücklagen, die nur einen Bruchteil der prognostizierten Risiken abdecken, für die Zeit des weiteren Niedrigzinsumfeldes zu gewährleisten.“ Das Volumen des Wirtschaftsplans 2019, der verabschiedet wurde, umfasst rund 12,5 Millionen Euro.

Ebenfalls verabschiedete die Vollversammlung den geprüften Jahresabschluss für 2017. Wörtlich schreibt die IHK: „Nach Jahren geprägt von einem deutlichen Abbau der Rücklagen endete das Finanzjahr 2017 mit einem Ertrag von 0 Euro bei einer Entnahme aus den Rücklagen von knapp 1,1 Millionen Euro.“ Auch der Wirtschaftsplan 2019 sei weiterhin stark durch das anhaltende Niedrigzinsumfeld bestimmt: „Es entsteht trotz positiver Betriebsergebnisse ein negatives Finanzergebnis.“

Ausgeschieden aus der Vollversammlung sind Stephan Schaller, ehemals Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung von Voith, und der bisherige IHK-Vizepräsident Thomas Spitzenpfeil, bis 30. September Mitglied des Konzernvorstands der Carl Zeiss AG in Oberkochen.

Zeiss-Vorstand Matthias Metz ins Präsidium gewählt

Dieser Umlagesatz ermöglicht es uns, die verbliebenen Rücklagen für die Zeit des weiteren Niedrigzinsumfeldes zu gewährleisten.

Michaela Eberle
IHK-Hauptgeschäftsführerin

Die Vollversammlung wählte auf Vorschlag des Präsidiums Dr. Matthias Metz, Mitglied des Zeiss-Konzernvorstands, als ihr neues Mitglied. Metz wurde überdies in das Präsidium der IHK gewählt. Nachgerückt in die Vollversammlung sind Axel Lang, Geschäftsführer der WKS GmbH in Aalen, und Dr. Claus Biechele, Inhaber der Apotheke am Prediger in Schwäbisch Gmünd.

Offiziell abgeschlossen ist der Neubau des IHK-Bildungszentrums in Aalen. Das Projekt sei sowohl im Zeit- als auch mit rund 22 Millionen Euro inklusive Werkstattausstattung im vorgegebenen Kostenrahmen geblieben.

Ein bedenkliches Stimmungsbild ergab die Aussprache über die aktuelle Situation auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Branchenübergreifend fehlten Fachkräfte, so der Tenor – aber nicht nur diese. Teilweise seien auch Mitarbeiter für Helfertätigkeiten zur Mangelware geworden. Weiter verschärft habe sich der Mangel vor allem in der Dienstleistungsbranche, insbesondere in der Logistik und in der Gastronomie. Dringend benötigte Berufskraftfahrer würden überwiegend aus Osteuropa rekrutiert. Der Bedarf könne zwar gedeckt werden, allerdings erschwere der angespannte Wohnungsmarkt den Zugang neuer Mitarbeiter, für die eine Komplettversorgung notwendig sei.

Hierzu zählen auch Sprachkurse. Mangelnde Sprachkenntnisse seien gerade auch in der Gastronomie der größte Hemmschuh, um an neue Mitarbeiter zu kommen. Angesichts der unverändert guten Konjunktur und der demografischen Entwicklung werde sich die Problematik allgemein weiter verschärfen. IHK-Präsident Markus Maier: „Aus dem Fachkräftemangel ist ein Arbeitskräftemangel geworden. Es geht um jede helfende Hand.“

Einen Gastvortrag hielt Andreas Joehle, Mitglied der IHK-Vollversammlung und zum Ende des Jahres ausscheidender Vorstandsvorsitzender der Paul Hartmann AG. Er spannte einen weiten Bogen von den Ursprüngen bis zur heutigen Position des Unternehmens als einem der weltweit führenden Hersteller von Medizin- und Pflegeprodukten im 200. Jahr des Bestehens.

© Wirtschaft Regional 28.11.2018 19:58
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