Handwerk boomt und sucht Fachkräfte

Kreishandwerkerschaft Ostalb Handwerksbetriebe erwarten auch 2019 volle Auftragsbücher - trotz Sorgen wegen Fachkräftemangel, Ausbildung und Bürokratie. Harmonische Mitgliederversammlung.
  • Silberne Ehrennadel für verdiente Meister (v.l.): Alexander Hamler, Klaus Fürst, Michael Mayle, Martin Bläse, Katja Maier und Geschäftsführer Edgar Horn. Foto: -wh-

Schwäbisch Gmünd

Dem Handwerk im Ostalbkreis geht es gut. „Es gibt auch in Zukunft volle Auftragsbücher“, sicherte der Gmünder Baubürgermeister Julius Mihm den Mitgliedern der Kreishandwerkerschaft Ostalb bei deren Jahresversammlung am Donnerstag im „Haus des Handwerks“ zu. Denn: „Die Remstalgartenschau 2019 steht an und Gmünd will auf 70 000 Einwohner wachsen. In nahezu allen Stadtteilen werden Bebauungspläne aufgestellt, um den immer noch großen Wohnbedarf befriedigen.“ Problem sei aber der Fachkräftemangel. Den beklagte auch Alexander Hamler. Der Kreishandwerksmeister beleuchtete in seinem Rechenschaftsbericht folgende Themen:

Wirtschaftliche Lage: Die meisten Handwerksbetriebe im Land sind derzeit gut beschäftigt, ihre durchschnittliche Auslastung hat sich auf 84,5 Prozent erhöht. 77 Prozent bewerten ihre wirtschaftliche Lage im dritten Quartal als gut, unzufrieden sind nur vier Prozent. Für das vierte Quartal erwarten zwei von drei Betrieben eine Fortsetzung des Booms, das Nahrungsmittel- und Gesundheitshandwerk rechnet mit einem exzellenten Weihnachtsgeschäft. Für das Gesamtjahr 2018 erwarten die Betriebe im Land eine Umsatzsteigerung um drei Prozent auf 99 Milliarden Euro und eine minimale Steigerung der Beschäftigung.

Personal und Ausbildung: Den Betrieben fehlen qualifizierte Mitarbeiter, um expandieren zu können. Über Ausbildung Fachkräfte zu gewinnen, ist unverändert schwierig. Wie 2017 wurden auch 2018 rund 600 neuen Lehrverhältnisse im Ostalbkreis abgeschlossen, weitere 300 angebotene Stellen konnten nicht besetzt werden; viele ausbildungsbereite Betriebe melden ihren Bedarf nicht an. Der Engpass verschärft sich, weil überproportional viele Fachkräfte in den nächsten Jahren in Rente gehen. Trotzdem sind Betriebe, Innungen, die Beruflichen Schulen und die Handwerkskammer in Sachen Ausbildung aktiv. Insbesondere die Berufsfindungstage an allen drei Berufsschulzentren sind stark frequentiert.

Regionale Schulentwicklung: Die Schließung von Ausbildungsgängen im Handwerk wurde verhindert. Die Ausbildungszahlen sollten wieder ansteigen.

Bürokratie: Statt Abbau das Gegenteil. Die Datenschutzgrundverordnung hat das Handwerk kalt erwischt, kurzfristig wurden Seminare und Workshops angeboten. Grundsätzlich hat das Handwerk nichts gegen Verbraucherrechte. Aber kleine Betriebe müssen leiden, weil die EU nicht zwischen Konzernen und Handwerksbetrieben unterscheidet und diese mit überzogenen Vorschriften konfrontiert.

Fahrverbote für Diesel-Pkw: In Aalen und Gmünd werden die Grenzwerte nicht überschritten. Wer aber nach Stuttgart will, hat unter Umständen Pech. Der Kfz-Verband forderte schon 2017 vergeblich die Voraussetzungen für Umrüstungen der Euro-5-Diesel zu schaffen.

Handwerk aktiviert weiter die Ausbildung.

Alexander Hamler
Kreishandwerksmeister

In Grußworten versicherten Kreiskämmerer Karl Kurz und Julius Mihm den Handwerkern eine vertrauensvolle Zusammenarbeit „Hand in Hand“. Mihm erinnerte an Aktionen wie Ausbildungsnacht, Straße der Berufe oder Jobstarter in der TA und rief die Handwerker auf, sich ehrenamtlich in die Remstal-Gartenschau einzubringen.

Geschäftsführer Edgar Horn informierte über die 2019 anstehenden Vollversammlungswahlen der Handwerkskammer Ulm: „Die Kreishandwerkerschaften werden wieder eine gemeinsame Liste einreichen“. Die meisten der Gewählten der Periode 2014 bis 2019 stünden wieder zur Verfügung. Nur Damenschneidermeisterin Elke Schuster (Essingen) stehe neu für Malermeister Michael Bader (Aalen) auf der Liste. Kreishandwerksmeisterin Katja Maier (Westhausen-Lippach) und Alexander Hamler (Mutlangen) kandidieren erneut.

Ehrung für verdiente Meister

Mit dem Dank für ihr Engagement übergab Alexander Hamler die Silbernen Ehrennadel an Klaus Fürst, Obermeister Innung Metallbau-Feinwerktechnik Ostalb, Michael Mayle, Obermeister der Zimmerer-Innung Aalen, Hans-Günter Mühlbach, Obermeister der Raumausstatter-Innung, und Martin Bläse, Obermeister der Maler-Innung Gmünd.

Alexandra Natter referierte über „Fachkräfte finden und binden“. Die Personalberaterin der Kammer Ulm sprach über Arbeitgeberattraktivität und Personalmarketing und zeigte kostenfreie Hilfsmöglichkeiten auf. Johannes Grimm-Heinzel referierte zum Thema „Das digitale Schutzschild im Handwerk“.

© Wirtschaft Regional 22.11.2018 20:47
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