Die Minifabrik, die alles kann

Industriedialog An der Hochschule Aalen präsentiert Julian Popp von MHP eine voll automatisierte, intelligente Fabrik im Modellformat.
  • Über die Modellfabrik mit fahrerlosen Transportfahrzeugen hat Julian Popp vom Beratungsunternehmen MHP beim Industriedialog an der Hochschule gesprochen. Foto: Oliver Giers

Aalen

Das sogenannte Hochregallager ist nur wenige Zentimeter hoch: In der Fabrik, die Dr. Julian Popp vom Beratungsunternehmens MHP beim Industriedialog an der Hochschule Aalen vorgestellt hat, ist alles ein paar Nummern kleiner. Dafür demonstriert diese Miniaturfabrik mit ihren fahrerlosen Transportfahrzeugen, Fertigungsinseln, automatischen Lagersystemen und intelligenten Überwachungs- und Steuerungsprogrammen, wie Logistik und Produktion in der vernetzten Zukunft aussehen dürften. Der Industriedialog 4.0 der Hochschule Aalen beschäftigt sich in diesem Semester mit Autonomen Systemen.

„Das haptische Erleben führt zu einer ganz anderen Akzeptanz bei den Mitarbeitern der Unternehmen, und viele Fehler können im Voraus vermieden werden“, betonte Popp, der mit der Modellfabrik auf Messen unterwegs ist und sie Interessenten auch im Lab von MHP in Ludwigsburg präsentiert. Dort können Kunden, die sich überlegen, Teile ihrer Logistik oder Montage zu automatisieren oder fahrerloses Transportsysteme einzusetzen, einzelne Bereiche auf ihre Bedürfnisse einrichten lassen und im Kleinformat testen. Das erspare unter anderem Zeit und finanziellen Aufwand für die Erstellung von Prototypen, so der Berater.

Modellfabrik bekommt einen digitalen Zwilling

Das haptische Erleben führt zu einer anderen Akzeptanz.

Julian Popp
Senior Consultant

Die Modellfabrik kann an die ERP- beziehungsweise SAP-System der Kunden angebunden werden. Eine Flottenmanagement-Software steuert die Transportfahrzeuge, die beispielsweise verschiedene Produktionsinseln selbstständig anfahren und so ein Band überflüssig machen. Die Daten des Antriebsmotors werden in Echtzeit erfasst, um Leistungsschwankungen zu erkennen, anzuzeigen, wann die nächste Wartung fällig ist – und vieles mehr.

Die Minifabrik entwickelt sich ständig weiter. Derzeit bekommt sie einen digitalen Zwilling, der sämtliche Prozesse gleichzeitig auch in 3D am Computer darstellt. Sprachsteuerung und Einsatz von Blockchain-Technologie, um den Weg einer Ware zweifelsfrei nachzuverfolgen, sind weitere neue Features, die die Modellfabrik bekommen soll. Derzeit nur statisch dargestellt, aber in ihrer Miniaturversion nicht einsatzfähig, ist eine Drohne, die den Ladezustand des Hochregallagers überwacht und die Informationen weitergibt. „Wir sind immer offen für neue Lösungen, die an uns herangetragen werden“, betonte Popp.

Das Beratungsunternehmen MHP ist eine 80-prozentige Tochter der Porsche AG. Die Kunden stammen laut Popp zum großen Teil, aber nicht ausschließlich, aus der Automobilindustrie und verwandten Branchen. Im vergangenen Jahr schrieb das Unternehmen mit 2500 Mitarbeitern 285 Millionen Euro Umsatz. Dieses Jahr könnten es nach Popps Prognose 350 Millionen sein.

© Wirtschaft Regional 21.11.2018 16:47
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