Platzt der SHW-CT-Verkauf?

Übernahme In Bocholt muss eine Firma des Investors RMB Insolvenz anmelden. Die finanziellen Probleme wirken sich auf die SHW-CT-Standorte aus.
  • Bei der Gießerei SHW CT in Wasseralfingen herrscht erneut Unsicherheit. Archivfoto: opo

Aalen

Der Verkauf des SHW-CT-Werks in Wasseralfingen an den Investor Rheinische Mittelstandsbeteiligungs GmbH (RMB) droht zu scheitern. Grund sind offenbar finanzielle Probleme der Beteiligungsgesellschaft. Erst vor wenigen Tagen musste eine RMB-Tochterfirma, die Gießerei HUBO Hulvershorn mit Sitz in Bocholt, Insolvenz anmelden. Laut Medienberichten vor Ort soll die Firma bereits in den zwei Monaten zuvor keine Löhne und Gehälter mehr bezahlt haben. Hulvershorn wurde im vergangenen Jahr mitsamt der rund 100 Mitarbeiter von RMB übernommen.

In Wasseralfingen sollte der Verkauf des SHW-CT-Werks an die RMB bis zum 1. Januar vollzogen werden. Dahinter steht aktuell jedoch ein großes Fragezeichen. „Wir prüfen derzeit, ob die Insolvenz einer anderen Beteiligungsgesellschaft Auswirkungen auf den Kaufvertrag der SHW CT in Wasseralfingen hat“, erklärte Marcus Katholing von der Kanzlei Pluta in Ulm auf Anfrage dieser Zeitung. „Hierzu laufen derzeit Gespräche mit allen Beteiligten.“ Katholing hatte SHW CT als Sanierungsgeschäftsführer in der Insolvenz geführt, saniert und parallel einen Investor gesucht. In der RMB, die ihren Sitz in Meerbusch östlich von Düsseldorf hat, glaubte er, diesen gefunden zu haben.

Immerhin hatte er mit der Beteiligungsgesellschaft zunächst gute Erfahrungen gemacht: Die Übernahme des Werks in Königsbronn verlief scheinbar geräuschlos. Über finanzielle Probleme von RMB und dessen Chef Rainer Langnickel war damals nichts bekannt. Die Gesellschaft soll sogar einen Teil des Kaufpreises vor Vertragsunterzeichnung auf ein Treuhandkonto überwiesen haben – was eigentlich ein gutes Zeichen ist.

Sollte der Verkauf des Werks Wasseralfingen scheitern, würde sich der Standort weiter im Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung befinden. „Auf den operativen Betrieb hätte das keine Auswirkungen“, sagt Roland Hamm, Erster Bevollmächtigter der IG Metall. Problematischer sei eher „die Perspektive, die sich ergibt“. Die Suche nach einem Käufer würde dann erneut beginnen – und die Unsicherheit.

Es laufen Gespräche mit allen Beteiligten.

Marcus Katholing
Sanierungsgeschäftsführer SHW CT

Überraschend kommt die Entwicklung für Hamm nicht. Die Geschäftsführung der RMB habe bereits vor Wochen einen Gesprächstermin mit Arbeitnehmervertretern der Wasseralfinger Fabrik abgesagt. In diesem sollte es unter anderem um den Sanierungstarifvertrag für die 176 Mitarbeiter des Werks gehen. Der Vertrag ist wesentliche Bedingung für einen Verkauf des Betriebs.

„Wenn der Verkauf nicht zustande kommt, dürfte erneut der Insolvenzverwalter die Führung des Werkes übernehmen“, erklärt Markus Wanner, Betriebsratsvorsitzender der SHW CT am Standort Wasseralfingen. Die derzeitige Auftragslage der Gießerei sei „aktuell nicht sehr rosig“. Als Grund nennt Wanner die Unsicherheiten bei den Geschäftspartnern. „Vor allem die Kunden haben auf den Verkauf gewartet, deshalb halten sie sich nun zurück.“ Aktuell werden bestehende Aufträge abgearbeitet.

Noch ernster ist die Situation am SHW-CT-Standort in Königsbronn. Das Werk mit seinen rund 150 Mitarbeitern gehört bereits seit dem 1. Juni offiziell zur RMB. Allerdings sollen noch Raten des Kaufpreises ausstehen. Auch diese Übernahme droht also zu scheitern. „Zur Situation in Königsbronn können wir uns derzeit nicht äußern“, sagt Marcus Katholing. Eine Anfrage dieser Zeitung an den Investor Rainer Langnickel zu den Geschehnissen in Wasseralfingen und Königsbronn blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

© Wirtschaft Regional 19.11.2018 18:43
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