Koenig-Preis für Datenexperten

Verleihung Die mit 20 000 Euro dotierte Auszeichnung für Technik und Fortschritt 2018 wurde auf Schloss Fachsenfeld an Frank Karlitschek übergeben – Förderpreis für Prof. Dr. Hendrik Speck.
  • Preisträger Frank Karlitschek. Foto: Creative Commons

Aalen

Im Jahr 2014 war es die Augenheilkunde, 2016 das Thema Autonomes Fahren. Nun wurden innovative Lösungen im Bereich Datensicherheit und -kontrolle ausgezeichnet. Frank Karlitschek, Gründer der Nextcloud GmbH, heißt der Preisträger des Reinhard-von-Koenig-Preises 2018. Die Auszeichnung ist mit 20 000 Euro dotiert. Den Förderpreis erhielt Prof. Hendrik Speck von der Hochschule Kaiserslautern. Er nahm ein Preisgeld von 5000 Euro entgegen.

Ziel des 2014 erstmals ausgelobten Preises ist, auf die Bedeutung des technischen Fortschritts zur Lösung wesentlicher gesellschaftlicher Herausforderungen aufmerksam zu machen. Die beiden Entwickler erfüllten laut der Jury die Auswahlkriterien, indem sie mit ihren Innovationen neue technologische Lösungsansätze für gesellschaftlich relevante Herausforderungen bieten, technischen Mut zeigen und einen signifikanten Beitrag zu nachhaltigem Fortschritt leisten.

Den gemeinsamen Nenner, der beide Preisträger verbindet, bildet das Thema Datensicherheit und -kontrolle. Der in Stuttgart lebende Frank Karlitschek ist ein langjähriger Open-Source-Autor und Privacy-Aktivist. Heute widmet er sich als Managing Director hauptsächlich seiner eigenen Firma Nextcloud, die er 2016 ins Leben gerufen hat. Bereits Ende der 1990er-Jahre trug er zu KDE und anderen freien Softwareprojekten bei. KDE ist eine Community, die sich der Entwicklung freier Software verschrieben har. Er leitete mehr als zehn Jahre Engineering-Teams und arbeitete als Referatsleiter und Geschäftsführer bei verschiedenen Internet-Unternehmen. 2007 gründete er ein Start-up, das Social Networking- und E-Commerce-Produkte entwickelte. Im Laufe der Jahre half er vielen Start-ups mit Managementberatung und Investitionen. Zudem rief er mehrere Initiativen ins Leben, um das Internet sicherer zu machen

Nextcloud nennt sich die Entwicklung, für die Frank Karlitschek die Auszeichnung erhält – eine Open-Source-Lösung zum Betrieb von Cloud-Diensten. Der Unterschied zu Cloud-Speichern wie Google Drive oder OneDrive besteht darin, dass der User – sei es ein Unternehmen, eine Behörde oder eine Privatperson – einen eigenen Server benutzen kann. Die Lösung hat sich nach kurzer Zeit bereits als Alternative zu kommerziellen Cloud-Diensten etabliert, mit der inzwischen die Bundesverwaltung und große Konzerne arbeiten.

Insbesondere Daten aus dem Gesundheitsbereich sind sensibel und schützenswert. Hierfür hat Hendrik Speck, neben seiner Professur an der Hochschule Kaiserslautern auch Chef der Zweibrückener RAM Group Communication, mit der Fitness- und Gesundheitsapp „n*soria“ eine sichere Anwendung mit vollständiger Nutzerkontrolle entwickelt.

Der Preis ist ein Ansporn im Sinne der deutschen Ingenieurtradition.

Hendrik Speck
Förderpreisträger

Daten teilen auf sichere Art

Daten-Sharing, beispielsweise mit Ärzten, der Familie oder Versicherungen, bleibt in den Händen des Users. Die Verarbeitung und Synchronisation von Daten in einer Cloud wird explizit vom Nutzer kontrolliert und ist kryptographisch abgesichert. „Der Preis ist ein Ansporn im Sinne der deutschen Ingenieurtradition“, führt Speck aus.

Unterstützt werden durch den Reinhard-von-Koenig-Preis Entwicklungen, die heute ebenso relevant sind, wie es einst zu Forscherzeiten des Barons Reinhard von Koenig Automobilität, Geschwindigkeit, Aerodynamik oder Motorentechnologie waren – wesentliche Grundtechnologien für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Der Reinhard-von-Koenig-Preis sowie der Förderpreis werden alle zwei Jahre von den Mitgliedern der Auswahlkommission vergeben. Die Stiftung Schloss Fachsenfeld ist an die Vorschläge der Auswahlkommission gebunden.

Zu dieser gehörten für die Preisvergabe im Jahr 2018 Prof. Dr. Peter Frankenberg (Wissenschaftsminister a. D.), Manfred Grimminger (Kessler & Co.), Michael Hankel (ZF Friedrichshafen), Wolfgang Hess („Bild der Wissenschaft“), Prof. Dr. Michael Kaschke (Carl Zeiss AG), Ulrich Pfeifle (Oberbürgermeister a. D. und Vorsitzender des Freundeskreises der Stiftung Schloss Fachsenfeld), Thilo Rentschler (OB Stadt Aalen, Vorsitzender der Stiftung Schloss Fachsenfeld), Prof. Dr. Gerhard Schneider (Hochschule Aalen) und Prof. Volker Wieland (Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung). Beratend wirkten Dr. Roland Schurig (Geschäftsführer Stiftung Schloss Fachsenfeld) und Jörn Makko (Beauftragter des Stiftungsvorsitzenden für Belange des Reinhard-von-Koenig-Preises) mit.

© Wirtschaft Regional 25.10.2018 18:05
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