Glänzende Perspektiven für VAF

Neubau Fünf Millionen Euro hat der Sondermaschinenbauer in seinen Stammsitz investiert – und legt den Grundstein für weiteres Wachstum. Denn die Bopfinger sind seit Jahren auf Erfolgskurs.
  • Der Stammsitz von VAF in Bopfingen wächst. Foto: VAF
  • Der geschäftsführende Gesellschafter Hermann Stark. Foto: hag

Die Aussichten sind blendend: Von der Nordseite des neuen Büro- und Verwaltungsgebäudes des Anlagenbauers VAF blickt man den ganzen Tag hinüber zu Bopfingens Wahrzeichen, dem Ipf. Rund fünf Millionen Euro hat das Unternehmen des geschäftsführenden Gesellschafters Hermann Stark in die Erweiterung investiert. Der Grund: „Wir hatten in den bestehenden Gebäuden schlicht keinen Platz mehr.“ Die Zahl der Mitarbeiter wächst – und nachdem in den vergangenen Jahren vor allem die Fertigung ausgebaut wurde, waren nun die Büros dran.

Denn: Prächtig sind auch die Perspektiven für den führenden Hersteller von Sondermaschinen und Sonderanlagen für namhafte Automobilhersteller und deren Zulieferer aus Bopfingen. Der Umsatz wächst seit Jahren. 2017 lag er bei 75 Millionen Euro, in diesem Jahr dürfte das Familienunternehmen die 100-Millionen-Euro-Schallmauer durchbrechen. „Unsere Auftragsbücher sind gut gefüllt“, sagt Stark.

Dabei profitiert VAF zum einen von der großen Investitionsbereitschaft der Automobilhersteller. In fast allen großen Werken der deutschen Autokonzerne stehen Anlagen von VAF. „Die Hersteller investieren in neue Automatisierungslösungen. Das kommt uns entgegen“, sagt der Inhaber. Produktion und Entwicklung sind mit aktuellen Aufträgen voll ausgelastet, doch Stark denkt schon einen Schritt weiter – und stellt die Gruppe bereits heute für den Paradigmenwechsel im Autobau auf.

„Wir rechnen zwar damit, dass der Verbrennungsmotor weiterhin eine große Rolle spielt. Der grundlegende Wandel in Richtung alternativer Antriebe muss aber intensiv bearbeitet werden.“ VAF reagiert bereits heute und hat deshalb 2017 eine eigene Entwicklungsabteilung aufgebaut. „Wir müssen Entwicklungstrends selbst ermitteln, aktiv Entscheidungen treffen und Investitionen tätigen, um von Anfang an unsere technischen Lösungen in diesen Entwicklungsprozess einzubringen. Jetzt ist die Zeit, uns neu zu erfinden.“ Mit Erfolg: Für die Fertigung des Audi e-tron entwickelt VAF ebenso Anlagen wie für ein Elektromodell von VW. „Der Stator für den neuen Audi Q6 e-tron, der 2019 auf den Markt kommen soll, wird auf einer von uns entwickelten Montageanlage hergestellt.“ Durch die enge Verzahnung mit den deutschen Herstellern kommen Anlagen aus Bopfingen vor allem in Deutschland zum Einsatz. „Im Ausland ist China der wichtigste Markt für uns“, so Stark. Auch in Polen, Rumänien, Ungarn und Tschechien wird auf Know-how aus Bopfingen gesetzt.

Doch nicht nur im Automobilbereich ist VAF gut unterwegs. Für TE Connectivity bauen die Bopfinger Galvanikanlagen, für den Getränkehersteller Capri-Sonne werden Verpackungsanlagen hergestellt und für Varta fünf Anlagen für die Lithium-Zellen-Montage gefertigt. Auch in der pharmazeutischen Industrie und im Zuliefererbereich sind die Anlagen und Sondermaschinen von VAF im Einsatz.

Jetzt ist die Zeit, um uns neu zu erfinden.

Hermann Stark
VAF-Inhaber

Die Installation neuer oder die Umrüstung bestehender Anlagen in den Produktionsabläufen der Hersteller ist wie eine Operation am offenen Herzen. Häufig bleiben nur enge Zeitfenster für die Arbeiten vor Ort. Bei Daimler etwa arbeitet VAF an einer Anlage für die Getriebemontage. „Alle 18 Sekunden geht dort ein Getriebe vom Band. Eine Minute Stillstand bedeutet drei Autos, die nicht verkauft werden können.“

Stark sieht die hohen Ansprüche und fordernden Umstände aber nicht als Belastung, sondern als Ansporn. „Wir sind dankbar, uns in einem derart dynamischen Marktumfeld bewegen zu können“, betont er. „Denn Stillstand bedeutet meist auch schon Rückschritt.“ Zur strategischen Ausrichtung der Firma gehört die überdurchschnittlich hohe Fertigungstiefe. „Sie ist die Grundlage, um die hohen Termin- und Qualitätsvorgaben realisieren zu können“, sagt Stark.

Um dem Wachstum Rechnung zu tragen, hat VAF seinen Stammsitz in den vergangenen Jahren ausgebaut. 2015 zudem der Bau einer vierten Montagehalle erforderlich. Damit ist die Produktionsfläche auf insgesamt 17.000 Quadratmeter angewachsen. „Der räumliche Zusammenhang der Fertigungs- und Montageabteilung zur eigentlichen Ideenschmiede, unserer Konstruktionsabteilung, ist im Sondermaschinenbau immens wichtig.“

Die weiteren Entwicklungsschritte, sprich: Ausbauphasen, hat Stark bereits fest im Blick. Denn der aktuelle Ausbau wird mit Sicherheit nicht der letzte sein.

© Wirtschaft Regional 22.10.2018 19:10
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