Neuer Abgastest drückt SHW-Umsatz

Autobranche Das China-Geschäft läuft nicht so gut an wie geplant. Zudem macht der SHW AG der neue Testzyklus WLTP zu schaffen. Das hat Auswirkungen auf den Standort in Wasseralfingen.
  • Die SHW AG hat am Standort Wasseralfingen wegen Auslastungsschwankungen Leiharbeiter abgebaut. Foto: rs

Aalen

Seit dem 1. September gilt der neue Abgastest WLTP. Der soll Autokäufern mehr Transparenz bieten – wirkt sich nun aber erstmal negativ auf den Automarkt aus: Um satte 30 Prozent sind die Zulassungen im September eingebrochen. Ein Grund: Die Autobauer hatten zu spät begonnen, ihre Fahrzeuge nach dem neuen Standard zu zertifizieren – nun herrscht ein regelrechter Stau an den Prüfständen. Die größten Einbrüche mussten Audi (minus 78 Prozent), Porsche (minus 76 Prozent) und VW (minus 62 Prozent) hinnehmen. Das wirkt sich auch direkt auf die Zulieferer aus: unter ihnen die Aalener SHW AG, deren größter Kunde der VW-Konzern ist. Der Hersteller von Bremsscheiben, Pumpen und Motorkomponenten rechnet für das laufende Geschäftsjahr mit weniger Umsatz.

Das Unternehmen mit Standorten unter anderem in Wasseralfingen, Bad Schussenried, Neuhausen ob Eck sowie Tuttlingen und 1400 Mitarbeitern, erwartet nun statt eines Umsatzes von 540 bis 560 nur mehr Erlöse in der Bandbreite von 440 bis 480 Millionen Euro. Zum einen begründet die AG diesen prognostizierten Rückgang mit den Auswirkungen der „etwaigen Unsicherheiten aus der Umstellung auf den neuen Abgastestzyklus WLTP“. Das hat auch Auswirkungen auf den Standort Wasseralfingen. In den vergangenen drei Monaten sei es in Folge der Einführung der neuen Abgastests in der Pulvermetallurgie zu „Auslastungsschwankungen“ gekommen, wie ein Sprecher auf Anfrage dieser zeitung erklärte.

Als Reaktion hat die SHW die Zahl der Leiharbeiter um 20 reduziert. Zudem wurde Zeit auf den flexiblen Freizeitkonten abgebaut und Urlaubstage genommen. Aktuell habe sich die Situation aber wieder stabilisiert. Der Sprecher wies Gerüchte über eine drohende Kurzarbeit zurück. „Aktuell gibt es keinen Grund, über eine solche Maßnahme zu verhandeln.“ Die SHW AG rechne stattdessen mit einer weiteren Stabilisierung der Lage zum Ende des aktuellen, spätestens aber zu Anfang des kommenden Jahres. Dann sollten die Schwierigkeiten bei der Einführung des neuen Abgastestzyklus behoben sein. Allerdings ist am absehbaren Umsatzeinbruch nicht nur der neue Abgastestzyklus Schuld.

SHW rechnet mit weniger Gewinn – Aktie stürzt ab

Die Planung lässt sich nicht realisieren.

Wolfgang Plasser
Vorstandschef der SHW AG

Zum anderen liefen die Geschäftsaktivitäten der SHW AG in China langsamer an als geplant. „Die ursprünglich vorhandene Planung für unseren chinesischen Standort lässt sich kurzfristig nicht in diesem Ausmaß realisieren“, erklärt Wolfgang Plasser, Vorstandsvorsitzender der SHW AG.

In Kombination mit den Auslastungsschwankungen wirkt sich das auch auf den Gewinn aus: Die SHW AG rechnet aktuell mit einer Ebitda-Marge von 8,5 bis 10 Prozent. Bisher wurden für das laufende Geschäftsjahr 11,5 bis 12,5 Prozent erwartet. Die Umsatzanpassung sei laut SHW ausschließlich auf den Geschäftsbereich Pumpen und Motorkomponenten zurückzuführen. Für den Geschäftsbereich Bremsscheiben werde mit einer planmäßigen Umsatzentwicklung gerechnet.

Die Börse strafte die Gewinnwarnung umgehend ab. Nachdem der Wert der Aktie bereits in den vergangenen Wochen von mehr als 30 Euro auf rund 25 Euro gesunken, verlor sie nach Bekanntgabe nochmals rund 15 Prozent und notierte am Donnerstag teils unter 22 Euro.

© Wirtschaft Regional 18.10.2018 17:33
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