Reichtum

Global nimmt die Ungleichheit ab, in Deutschland zu

Der Boom an den Aktienmärkten und steigende Einkommen sorgen für einen Rekord.
Die Welt – zumindest in den 53 Industrie- und Schwellenländern – ist im vergangenen Jahr wieder ein deutliches Stück reicher geworden. Das Geldvermögen erhöhte sich vor allem dank der guten Lage auf den Finanzmärkten und dank steigender Einkommen um 7,7 Prozent auf 168 Billionen EUR. Nach Abzug der Schulden von 40 Billionen EUR ergab sich ein Plus von 8,8 Prozent.

Zugleich ist nach Erkenntnissen des neuen Welt-Vermögensberichts (Global Wealth Report), den die Allianz gestern vorstellte, global die Vermögensungleichheit durch die Globalisierung geschrumpft. Auf nationaler Ebene sei sie dagegen geachsen, sagte Chefvolkswirt Michael Heise. Das gilt auch für Deutschland, ohne dass die Allianz die Kluft im Detail benennt. Am stärksten ist die Kluft in den USA gewachsen.

Dies liegt unter anderem an den im vergangenen Jahr gut gelaufenen Kapitalmärkten. Reiche profitieren davon deutlich stärker als Menschen, die weniger Geld besitzen. Nach Ansicht von Studienautor Arne Holzhausen kann man das Erstarken populistischer Bewegungen in vielen Ländern, die Rolle Trumps in den USA und auch den Brexit auf die Unzufriedenheit über die wachsende Ungleichheit zurückführen.

Insgesamt hat sich das Geldvermögen – Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapiere und Versicherungs- und Pensionsansprüche, aber keine Immobilien – in den USA brutto um 8,5 Prozent erhöht. Weltweit ballen sich 43 Prozent des Vermögens hier.

Pro Kopf allerdings sind die Amerikaner hinter den Schweizern weiter weltweit die Nummer zwei. Brutto lag das US-Geldvermögen bei 208 500 EUR, netto bei 168 640 EUR. Die Schweizer kommen als Spitzenreiter brutto auf 261 100 EUR und netto auf 173 990 EUR. Dahinter rangieren schon mit deutlichem Abstand unter anderem Schweden, die Niederlande und Dänemark.

Die Deutschen haben ihr Brutto-Geldvermögen im vergangenen Jahr unter anderem wegen etwas stärkerer Aktienkäufe um 5,1 Prozent und damit so stark wie seit dem Beginn der Finanzkrise nicht mehr steigern können. Netto lag das Plus sogar bei fast 6 Prozent. Trotzdem stehen die Deutschen beim Pro-Kopf-Vermögen mit brutto 73 630 EUR und netto 52 390 EUR nur auf Platz 20 und Platz 18 der 53 weltweit reichsten Länder. Rolf Obertreis
© Südwest Presse 27.09.2018 07:46
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