Commerzbank fliegt aus dem DAX – Index-Karussell bei der Deutschen Börse

Index-Reform Aktienexperte Herbert Fischer erklärt im Interview, wer die Gewinner und Verlierer der DAX-Rochade am kommenden Montag sind. Von Wilfried Kapfer
  • Herbert Fischer Foto: WK
  • Die Commerzbank-Zentrale in Frankfurt. Foto: Commerzbank

Aalen-Wasseralfingen. Am Montag ändert sich die Indexwelt der Deutschen Börse erheblich. Die Aufteilung der deutschen Unternehmenswelt in „Tech“- und „Classic“-Unternehmen bleibt zwar bestehen, aber die „Tech“-Unternehmen werden nun auch in den M-Dax und S-Dax aufgenommen. Daran lässt sich erkennen, welchen Einfluss in Deutschland inzwischen auch Technologieunternehmen an unserem Aktienmarkt haben. SAP, Deutsche Telekom und Infineon – diese „Tech“-Unternehmen sind ja bereits im DAX. Im Interview mit dem Aktienexperten und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Braunenberg GmbH, Herbert Fischer, soll der Blick auf die neue Indexwelt der Deutschen Börse gelenkt werden.

Herr Fischer, wer ist der Neue, der „Aufsteiger“ und wer der Absteiger bei der DAX-Rochade am kommenden Montag?

Herbert Fischer: Der Aufsteiger ist „Wirecard“ und der Absteiger ist die Commerzbank. Bei uns im WAC-Fonds ist Wirecard im übrigen mit einem Plusergebnis von 755 Prozent enthalten. Änderungen in der Zusammensetzung des DAX-Index werden planmäßig nur im September, bei M-Dax und Tec-Dax zusätzlich auch im März vorgenommen. Beim S-Dax kann sich die Zusammensetzung nach jedem Verkettungstermin, d. h. im März, Juni, September und Dezember ändern. Hauptkriterien sind die Marktkapitalisierung und der Börsenumsatz.

Dass es in Deutschland eine sehr gute Technologiebranche gibt, sieht man daran, dass sich 13 Werte aus dem Tec-Dax für den von 50 auf 60 Werte aufgestockten M-Dax qualifiziert haben. Wer sind Ihre persönlichen Aufsteiger aus dem Tec-Dax in den M-Dax und wie beurteilen Sie die Zukunftsaussichten der Technologiebranche in Deutschland?

Meine persönlichen Aufsteiger sind Nemetschek, Sartorius und Bechtle. Entscheidend für die Technologiebranche ist ein hochentwickelte Fertigungstechnik. Hier sitzen wir noch auf einem sehr hohen Ross, dass zeigen unsere Exportüberschüsse. Leider haben wir im IT-Bereich, in der Unterhaltungselektronik und im Fotobereich die Wettbewerbsfähigkeit verloren. Sorge macht mir die unter Profitdenken bereitwillige Auslagerung von Produktionen ins Ausland. Damit verbunden liefern wir auch unsere hochentwickelte Technologie und stärken langfristig zukünftige Konkurrenten.

Durch eine Notierung der Unternehmen im M-Dax steigt das Interesse der Analysten. Aber wie sieht es mit den Anlegern aus? Interessanter oder riskanter Index?

Bezogen auf ein Jahr hatte der Tec-Dax eine weit bessere Performance als der M-Dax und S-Dax. Die Aufsteiger sind eine Mischung aus sehr erfolgreichen, aber auch verlustbringenden Werten. Die Listung in einem Index steigert die Aufmerksamkeit für eine Aktie. Die Risikobeurteilung sollte sich immer auf einen konkreten Wert beziehen.

Der S-Dax wird von 50 auf 70 Werte aufgestockt und 15 bisherige Mitglieder des Tec-Dax werden in den S-Dax aufgenommen. SAP, Deutsche Telekom, Infineon und Wirecard werden künftig „zusätzlich zur DAX-Mitgliedschaft“ vertreten sein. Alstria Office Reit steigt in den M-Dax auf und Medigene, SLM Solutions und SMA Solar müssen den Index verlassen. Wie beurteilen Sie den S-Dax? Chancen – Risiken?

Der S-Dax wurde geschaffen für kleinere Aktiengesellschaften, sogenannte Smal Caps. Der S-Dax hat von den 4 Indizes die niedrigste Volatilität, die einzelnen Werte haben aber eine relativ niedrige Marktkapitalisierung. Für einen Investmentfonds der grössere Volumina handelt kann es zu unerwünschten Teilausführungen kommen.

Viele Experten lagen mit ihren DAX-Prognosen für Ende 2017 daneben. Sie haben 13.200 prognostiziert und lagen lediglich mit 340 Punkten daneben. J.P. Morgan aber mit 617 Zählern. Wie sieht Ihre DAX-Prognose für 2018 aus?

Mit einem leichten Minus zum Vorjahr, bei 1.2800 Punkten.

© Wirtschaft Regional 21.09.2018 20:24
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