Stockt der Bosch-AS-Umbau?

Sparpläne 760 Arbeitsplätze will Bosch AS in Gmünd abbauen. Nun sagt Hanns Bernd Ketteler: „Wir hinken dem Plan hinterher.“ Die Arbeitnehmervertreter reagieren verwundert auf diese Aussage.
  • Die Robert Bosch AS GmbH (auf dem Foto das Werk 4 in Gmünd-West) ist nach der Oberkochener Carl Zeiss AG die Firma mit den zweitmeisten Arbeitsplätzen in der Region. Archiv-Fotos: Bosch
  • Die Robert Bosch AS GmbH (auf dem Foto das Werk 4 in Gmünd-West) ist nach der Oberkochener Carl Zeiss AG die Firma mit den zweitmeisten Arbeitsplätzen in der Region. Archiv-Fotos: Bosch

Die 67. Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) 2018 für Nutzfahrzeuge in Hannover startete heuer unter dem Motto „Driving tomorrow“. Das unterstreicht die Zielrichtung: Digitalisierung, Vernetzung, automatisiertes Fahren und alternative Antriebe sind die Innovationstreiber beim Nutzfahrzeug. Die Branche befindet sich in der „digitalen Transformation“.

Der Technologiekonzern Bosch sieht sich mit seinem Unternehmensbereich Mobility Solutions, zu dem auch die Gmünder Lenkungsbauer Bosch Automotive Steering (AS) gehört, auf der Überholspur. Bereichsleiter Dr. Rolf Bulander, vor wenigen Jahren noch Geschäftsführer der damaligen ZF Lenksysteme GmbH, spricht von einer „doppelten Stärke“ von Bosch: „Wir sind einer der weltweit führenden Anbieter im Internet der Dinge ebenso wie einer der größten Zulieferer der Nutzfahrzeugbranche – wie nur wenige können wir Services für die Logistik mit Technik für Trucks verbinden.“ Innovative elektrische Lenksysteme in Kombination mit Assistenzsystemen sind der Schlüssel zum autonomen Fahren der Zukunft, postulieren die Experten, nicht nur von Bosch.

Also müsste der Standort Schwäbisch Gmünd, der Sitz des Lenkungshersteller Bosch AS, doch glänzende Perspektiven haben? Kommt drauf an, von welchem Standpunkt man aus die Frage beantwortet.

Hanns Bernd Ketteler: „Wir hinken dem Plan hinterher.“

Im Frühjahr 2018 haben sich Geschäftsleitung und Arbeitnehmervertreter der Bosch AS auf ein Standortsicherungspaket geeinigt, das auf der einen Seite einen sozialverträglichen Abbau von 760 Stellen beinhaltet, auf der anderen Seite aber mit hohen Investitionen einen Ausbau Gmünds zum weltweiten Leitwerk für Lenkungssysteme vorsieht. Die Arbeitnehmer erwarten Beschäftigungssicherung, die Arbeitgeber „Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit“. Und wie ist der aktuelle Stand? „Wir haben im Jahr 2018 bisher rund 30 Millionen Euro in den Standort Gmünd investiert, haben eine Montagelinie für die Pkw-Lenkung „eps“ im Werk Gügling realisiert und damit unsere Zusagen eingehalten“, sagte Hanns-Bernd Ketteler im Gespräch mit dieser Zeitung sowie Gmünds Erstem Bürgermeister Dr. Joachim Bläse und Wirtschaftsförderer Alexander Groll auf der IAA.

Doch der Bosch-AS-Geschäftsführer für die Fertigung ließ durchblicken: „Wir hinken dem Plan, den Standort Schwäbisch Gmünd wettbewerbsfähig zu machen, noch hinterher. Die Ziele der Kostenreduzierung und der Produktivitätssteigerung haben wir bisher noch nicht erreicht.“ Ketteler ist sich aber sicher: „Wir schaffen das, auch wenn das ein Riesenpaket ist, das keineswegs auf das Thema Personalabbau reduziert werden kann und darf.“ So schätzt auch Joachim Bläse die Situation ein: „OB Richard Arnold, Alexander Groll und ich sind mit der Bosch-AS-Geschäftsleitung in engem Informationsaustausch. Wir haben ein gutes Gefühl, dass sich Schwäbisch Gmünd weiterhin gut entwickelt. Wir glauben, dass bei Bosch die richtigen Leute am richtigen Ort sind.“ Aus Sicht der Arbeitnehmer freilich sind die laufenden Maßnahmen zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit und der Beschäftigungssicherung noch nicht ausreichend.

Wir haben 2018 in Gmünd 30 Millionen Euro investiert.

Hanns Bernd Ketteler
Bosch Automotive Steering

Betriebsrat: „Haben unsere Hausaufgaben gemacht.“

Betriebsratschef Alessandro Lieb erklärte auf Anfrage: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, es wurden nach ausführlichen Verhandlungen verschiedene Vereinbarungen getroffen.“ Deshalb sei es unverständlich, dass seitens der Arbeitgeber immer noch Unzufriedenheit zu herrschen scheine.

Zur einer von AS-Arbeitsdirektor Stefan Grosch bei einer Versammlung der Gmünder CDU erfolgten Aussage, man könne heute nicht mehr nur einen Plan abarbeiten, bemerkt Lieb: „Ich habe den Eindruck, dass dies eine freundliche Umschreibung chaotischer Führung sein könnte“.

Die Belegschaftsvertreter seien vielmehr in großer Sorge, dass nach der Erklärung von Stefan Grosch, personalintensive Fertigung sei in Deutschland nicht konkurrenzfähig, „den Worten auch Taten folgen“. Dies hätte „besorgniserregende Auswirkungen auf die Sicherheit der Arbeitsplätze im Werk Schwäbisch Gmünd“. Dem müsse man entgegensteuern, sagte Alessandro Lieb. Er erwarte von Bosch „Bewegung bei der Schaffung und Sicherung der Arbeitsplätze in der Fertigung“.

© Wirtschaft Regional 20.09.2018 18:26
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