Spraitbacher Bullyland rutscht in die Insolvenz

Spielzeugbranche Rund 18 Monate nach der Übernahme durch die KonSens-Holding steckt das Unternehmen in ernsten finanziellen Schwierigkeiten.
  • Ungewisse Zukunft: Der Stammsitz von Bullyland in Spraitbach. Foto: rs

Spraitbach

Noch vor Wochen hatte sich der neue Bullyland-Eigentümer und -Geschäftsführer Holger Schmitz optimistisch zur Zukunft des Unternehmens geäußert: Man sei „auf dem Weg nach vorne“. Nun ist klar: Dieser Weg führt vorerst in die Insolvenz. Der Spielzeughersteller mit Sitz in Spraitbach hat beim Amtsgericht Ulm Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das eigene Vermögen beantragt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Michael Pluta von der gleichnamigen Kanzlei in Ulm bestellt. Von der Insolvenz sind rund 50 Mitarbeiter am Stammsitz betroffen.

In einer ersten Stellungnahme erklärte der Sanierungsspezialist: „Wir verschaffen uns derzeit einen ersten Überblick und führen den Geschäftsbetrieb fort. Alle Aufträge werden wie gewohnt weiter bearbeitet“, so Pluta auf Anfrage dieser Zeitung. Grund für den Insolvenzantrag seien unerwartete Liquiditätsengpässe. Die Gehälter der Mitarbeiter sind für drei Monate über das Insolvenzgeld gesichert sind. „In einer Betriebsversammlung haben wir die Mitarbeiter zusammen mit der Geschäftsleitung informiert. Die Mitarbeiter begrüßen die Betriebsfortführung und sind motiviert“, so der Rechtsanwalt weiter. Unterstützt wird Pluta bei der Sanierung vom Restrukturierungsexperten Andreas Hummel.

Pluta äußerte sich in einer ersten Stellungnahme optimistisch: „Die Produkte von Bullyland sind von hoher Qualität und erfreuen sich bei den Zielgruppen großer Beliebtheit.“ Allerdings sei der Spielzeugmarkt „sehr schwierig“, der Preisdruck hoch. Bullyland erwirtschaftet einen Großteil seines Umsatzes mit Lizenzprodukten.

Wir führen den Geschäftsbetrieb fort.

Michael Pluta,
vorläufiger Insolvenzverwalter

Mit dem US-amerikanischen Disney-Konzern arbeiten die Spraitbacher etwa seit vielen Jahren zusammen, sprich: Die Spraitbacher fertigen Figuren, die in bekannten Filmen oder Serien vorkommen. Warum dem Unternehmen die finanziellen Mittel ausgegangen sind, sei noch nicht klar, so Pluta. „Wir sind aktuell dabei, die konkreten Umstände zu analysieren.“

Das Unternehmen war erst im vergangenen Jahr von der nordrhein-westfälischen KonSens Holding übernommen worden, die ebenfalls von Holger Schmitz sowie seinem Geschäftspartner Stephan Brunke geleitet wird. Bullyland ist aktuell die einzige Beteiligung der Firma. „Wir sind keine Finanzinvestoren, sondern Unternehmer“, hatte Schmitz vor Wochen in einem Interview mit dieser Zeitung gesagt und erklärt, man wolle das Unternehmen wieder fit für die Zukunft machen. „In der Vergangenheit wurden über viele Jahre einige Dinge verschlafen. Diese müssen wir nun aufarbeiten und nachholen“, sagte er weiter.

Deshalb hatten Schmitz und Brunke unter anderem zahlreiche neue Führungskräfte eingestellt und neue Produkte entwickeln lassen. Auch die Auftritte auf den einschlägigen Messen hatte Bullyland unter neuer Ägide runderneuert. „Natürlich kostet ein Um- und Aufbruch Geld“, erläuterte Schmitz. „Dass wir in Vorleistung gehen, war uns von Anfang an klar. Wir haben bereits signifikant investiert und werden das bei Bedarf auch weiter tun.“ Das angestrebte Comeback von Bullyland fällt nun aber vorerst aus.

© Wirtschaft Regional 07.09.2018 20:42
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