Lindenfarb ächzt unter Farbstoffpreis

Traditionsunternehmen Dem Textilveredler machen wie der gesamten Branche Fabrikschließungen in China zu schaffen. Warum der Blick in Unterkochen dennoch nach vorne geht.
  • LIndenfarb investiert in die Zukunft und baut für 700 000 Euro eine neue Lagerhalle in Unterkochen. Sie soll bis Ende des Jahres fertig sein. Foto: Lindenfarb

Aalen-Unterkochen

Der Unterkochener Textilveredler Lindenfarb schlägt Alarm: Die Farbstoffe, mit denen die Branche arbeitet, werden knapp und teils sehr teuer. Das mache dem Unternehmen und seinen Kunden schwer zu schaffen, teilen die Unterkochener mit. Der Grund: Farbstofffabriken in China werden aus Umweltschutzgründen geschlossen – aus Europa haben sich die Produzenten von Spezialfarbstoffen bereits seit einigen Jahren zurückgezogen. Lindenfarb reagiert nun einerseits mit flexibler Preisgestaltung, andererseits mit dem Einsatz von Farbstoffen alternativer Lieferanten in den Rezepturen.

Das Unternehmen, das vorwiegend technische Textilien – etwa Dachhimmel für Autos – veredelt, war im vergangenen Jahr aus der Planinsolvenz von der Münchner Beteiligungsgesellschaft Radial Capital Partners übernommen worden. Rund 100 Mitarbeiter mussten im Zuge der Insolvenz gehen. Derzeit hat Lindenfarb 311 Beschäftigte.

Das Farbstoff-Problem trifft die Unterkochener in einer Phase, in der es eigentlich aufwärts geht: So ist ein neues Lagergebäude in Bau, mit dessen Hilfe auch die Produktion in Unterkochen angekurbelt werden soll.

Besonders die schwankenden Preise machen Lindenfarb aktuell zu schaffen: „Spezielle Farbstoffe unterliegen Preisschwankungen von bis zu 800 Prozent“, umreißt Geschäftsführer Michael Nier die Dimensionen.

Farbstoff-Index soll Abhilfe schaffen

Das Unternehmen hat deshalb einen Farbstoff-Preisindex eingeführt, der die schwankenden Kosten monatlich auf die Kundenpreise überträgt. Gleichzeitig versuche man „seit geraumer Zeit, wenn möglich und preislich günstiger, Farbstoffe alternativer Lieferanten in den Rezepturen einzusetzen“.

Die Farbstoffproduktion ist komplett nach China abgezogen.

Michael Nier
Geschäftsführer

Lindenfarb ist mit dem Problem nicht allein: Der Arbeitgeberverband Südwesttextil fürchtet sogar, dass die Automobilproduktion in der EU gefährdet sein könnte. Durchschnittlich befänden sich 23 Kilo Textilien in einem Automobil – viele davon mit Spezialfarbstoffen gefärbt, teilt der Verband mit. Er kritisiert unter anderem EU-Richtlinien, welche dafür gesorgt hätten, dass die Produktion Europa weitgehend verlassen hat. „Die ist komplett nach China abgezogen“, sagt auch Nier.

Dennoch blickt Lindenfarb in die Zukunft. Man wolle sich noch stärker als Autozulieferer positionieren, hatte Nier bereits im März dieses Jahres bekräftigt. Statt eines Umsatzes von 42 Millionen Euro wie vor Jahren seit man nun mit rund 33 Millionen gut aufgestellt.

Dass der Weg nach vorne geht, zeigt auch die jüngste Baustelle: Für rund 700 000 Euro errichtet Lindenfarb seit August eine neue Leichtbaulagerhalle in Unterkochen mit mehr als 3000 Quadratmetern Fläche.

Produktion soll angekurbelt werden

Hier möchte Lindenfarb künftig die Rohware der Kunden – also die Textilien, die zu veredeln sind – lagern. Bislang hatte man hierfür auf ein Logistikunternehmen in Ebnat zurückgegriffen. Die bis zu 48 Stunden, die zwischen Anforderung und Lieferung lagen, fallen damit weg. Die Halle soll bis Dezember, spätestens aber bis Februar, fertig sein.

„Wir machen den Logistikprozess flexibler und wollen damit auch die Produktionssteuerung verbessern“, betont Nier. Derzeit, so der Geschäftsführer, unternehme Lindenfarb mehrere Schritte, um den Produktionsausstoß mit der vorhandenen Belegschaft zu steigern. Neben den kurzen Wegen mit dem neuen Lager sollen auch eine neu eingeführten Lohneingruppierung und die Bildung von sogenannten Maschinenbesatzungen dazu dienen: Von den rund 100 Maschinen bei Lindenfarb sind 70 mit dem Betriebssystem erfasst. Maschinenbesatzungen von zwei bis vier Personen sollen künftig für jeweils mehr als zwei Maschinen zuständig sein. Im Gegensatz zum Drei-Schicht-System früherer Tage sei heute Flexibilität wichtiger, so Nier.

© Wirtschaft Regional 05.09.2018 17:44
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